I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

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Sonntag, 1. Juli 2012

Der unschuldige Kanadier

Da wir ein volles Sportprogramm bei Bragi gebucht haben, gibt sie alles. Wie ich später feststellen werde, einfach eine Idee zuviel, weil ich nix vertrage, aber für den Moment bin ich hellauf begeistert. Und der Zeugwart auch. 

Wir fahren heute im Kanadier. Zu dritt. 

Zuerst fahren wir Zug und zwar in einen traumhaft kleinen Ort namens Bienenbüttel. Dort angekommen kreuzen wir den Ort einmal komplett und finden am anderen Ende die Kanadier. Die liegen da noch schön aufgereiht in ihrem Autoanhänger und hecken irgendwas aus. Ich kann nur nicht orten, was genau... mit Kanadiern habe ich absolut keine Erfahrung. 

Nachdem wir unsere Tonne mit den Picknickutensilien gefüllt, und der Einweisung der erfahrenen Kanadierfrau gelauscht haben, geht es los. Ich bekomme mein Paddel, es endet zwischen Schulter und Kinn, wenn es aufrecht vor mir steht, und wir begeben uns zur Ilmenau. 

Der Kanadier ist freundlich türkis und wir lassen ihn zu Wasser. 
Der Zeugwart nimmt als Steuermann hinten Platz. Bragi sitzt vorne, im Ausguck und ich soll zur Tonne in die Mitte. Alles sei ganz einfach. 
Ich soll den Schwerpunkt unten lassen, nicht aufstehen, nicht rum wackeln und mit dem Stechpaddel vorwärts kommen. Die obere Hand drückt nach vorne, die untere Hand zieht nach hinten. Eigentlich ganz einfach. Es kentern nur  rund 70% aller Paddler. Gut zu wissen.

Nachdem ich todesmutig eingestiegen bin und das kleine Boot nicht zum kentern gebracht habe, legen wir los. Und nach guten 5km habe ich den Bogen auch ein bischen raus und es klappt. 

Die Umgebung der Ilmenau ist wunderbar, der Fluß schlängelt sich durch die Landschaft, wir sehen Bisamratten oder Fischotter (wenn wir mehr Ahnung hätten, wüßten wir auch genau was es war), Schwanenfamilien, Entenfamilien und Kormorane. 
Natur pur, obwohl die Stadt ganz nah scheint. Dank den hervorragenden Ausgucken von Bragi und den zeugwartschen Steuerkünsten sind die S-Kurven kein nennenswertes Problem und auch Zwischensprints, 360° Drehungen und Bäume in Flußmitte sind kein Thema. Jeder von uns scheint perfekt positioniert. 
Ich handel hauptsächlich auf Anweisung und das klappt ganz hervorragend. Der Kanadier gehorcht einfach prima, das unschuldige Getue setzt er prima in die Tat um und ist ganz fromm. 

Die Fahrt zum Einstieg hat mit der Bahn übrigens nur 8Minuten gedauert, man könnte also meinen es wäre gleich um die Ecke. 
Aber bis Lüneburg sind wir immerhin insgesamt 22km unterwegs. Das ist eine lange Zeit um zu paddeln und vor allem um die ungewohnte Position durchzuhalten. 




In einem Kanadier hält man sich ja nicht mit gepolsterten Sitzen auf, die wären beim Kentern sicherlich auch blöd trocken zu legen. Also sitzen wir die Paddelzeit auf einem Holzbrett. 
Und weil ich sehr alt bin, ahne ich bereits als wir in Lüneburg gekonnt aussteigen und erfreulicherweise zu den 30 trockenen Prozent gehören, dass mir das Paddeln noch ein bischen in Erinnerung bleiben wird. 

Ich bin sicher spätestens am Dienstag, wenn nicht sogar schon Morgen sterbe ich vor Rücken- und Armmuskelkater. Mein Nacken wird mich umbringen und meine Schulterblätter werden bei jeder Gelegenheit mitteilen, wie sehr ihnen das Paddeln gefallen hat. 
Aber braun bin ich bestimmt geworden. 
Und, was fast noch am allerwichtigsten ist, es war einfach ein wunderbarer Tag. 

Samstag, 30. Juni 2012

Hansetage in Lüneburg

Nachdem wir das schöne Mecklenburg-Vorpommern hinter uns gelassen haben ergänzen wir unser persönliches Trainingslager noch bei den Hansetagen in Lüneburg. Hier verbringen wir unsere Zeit mit Bragi. 

Und weil sie weiß, dass wir im Training sind und der Urlaub total sportlich verbracht wird, organisiert sie für heute eine Feld-,Wald- und Wiesenradtour. 
Da unsere Rädchen so eine Tour nicht gut mitfahren würden, mieten wir uns am Lüneburger Bahnhof zwei Fahrräder und nachdem ich es auch geschafft habe den Vermieter davon zu überzeugen, dass ich ein kleineres Modell besser fänd, legen wir los. Der Teamchefin werde ich später von meinem Tiefeinsteiger noch eine spannende Geschichte auftischen, soviel Spaß muß sein.

Die Tour führt uns zum Elbeseitenkanal und wir bestaunen das dortige Schiffshebewerk. Und, wie könnte es anders sein, unsere perfekte Touristenführerin Bragi, hat auch gleich drei schöne Demoschiffe besorgt, die uns genau dieses in Aktion erleben lassen. Bombastisch.

Wir beschauen die Gegend und fahren vorbei an malerischen kleinen Ortschaften, wunderbar schnuckligen Klinkerhäusern und riesigen Hütten, die Platz für mehr als 4Familien bieten, allerdings ein Einfamilienhaus sind. Platz hat man hier definitiv. 

Nachdem wir an der Ilmenau ein kleines Päuschen eingelegt und uns an der Bestimmung der Botanik versucht haben, geht es wieder zurück zu den Hansetagen.
Wir machen eine Konkurrenzgrillen und genießen den herrlichen Sommerabend. 

Freitag, 29. Juni 2012

Wonnemar Wismar

Nachdem der Wetterbericht für heute eigentlich vielversprechend ist, wir aber aus der Erfahrung der letzten Tage viel gelernt haben, entscheiden wir uns für einen Wassertag.

Wasser von oben kennen wir und wenn es dann auch noch rundrum ist, kann man es wenigstens als Trainingsmedium nutzen. Wir fahren nach Wismar in das dortige Spaß- und Erlebnisbad Wonnemar.
Man parkt kostenfrei, das ist ja schon mal äusserst sympathisch.

Da ist der eine Euro Ferienzuschlag auf den Eintritt fast zu verschmerzen. Warum man ein Bad allerdings gerade in der Ferienzeit teurer macht, wenn Familien das Angebot nutzen können und möchten? Reines Profitdenken? Mehr eingesetztes Personal kann es nicht sein. Nicht, dass ich schon mal da war...aber wenn am Eingang eine Schlange von einer einzigen -dabei aber sehr freundlichen- Mitarbeiterin abgerfertigt wird, sagt das schon einiges.

Im Bad angekommen verstehen wir das ausgeklügelte Spind-Chip-Prinzip schnell und marschieren durch die Duschen in den Wasserbereich. In der Damendusche ist ein Herr gerade dabei mal durchzuwischen. Er grüßt freundlich.

Wir suchen uns zwei Liegen und werden auch gut fündig. Liegen gibt es hier wirklich mehr als ausreichend.
Ausserdem hat der Innenausstatter ein Faible für tiefe Plastikstühle. Die gibt es ebenfalls im Überfluss. Alle ordentlichst aufgestellt und sofort wieder in Reih und Glied gerückt, wenn einer ausbüchst. Der Stuhlordner ist diesbezüglich vorbildlich am Start und extrem engagiert.

Der Zeugwart testet 90% der angebotenen Rutschen und ist hochzufrieden. Alle gut in Schuss, keine gefährlichen Ecken und Kanten, so wünscht der sportliche Rutscher das. Das Rutschen ist mit und ohne Reifen möglich, ein grosser Spass für Groß, Klein und eben auch einen Zeugwart.

Wir nutzen das Aussenbecken samt Strömungskanal. Der scheint zeitgesteuert und beginnt daher spontan. Sehr schön. Wenn er aus ist, gehen die Massagestrahlduschen. Eine ältere Dame genießt letztere und hat dabei sichtlich ihren Spaß, den Zeugwart und mich "unabsichtlich" mit zu beregnen. Herrlich, hätte auch meiner Oma einfallen können, so ein Till Eulenspiegel Scherz.
Der hat in Wismar schliesslich auch seine Einsätze gehabt und sich sogar in einem Backstein der St. Marienkirche verewigt. Allerdings ist der mittlerweile abhanden gekommen. Schade.
Die Oma geniesst ihr Tun noch, bis der Kanal an- und die Dusche abgestellt wird. Herrlich.

Es ist Zeit zum Mittagessen. Für uns. Sämtliche anderen Schwimmbadbesucher haben ihre Speisung schon erledigt und so ist das Restaurant praktisch leer. Die Speisekarte am Eingang ist eine lieblos gestaltete Schaukastenleuchtreklame. Da könnte man mehr draus machen.
Im Selbstbedienungsteil könnte man mal trocken abziehen, aber gut. Ist ja ein Schwimmbad. Und da ist es halt nass.
Die Salattheke gleich in der Mitte wirkt nicht besonders einladend. Eher wie in einer Kantine. Gut auf Salat waren wir eh nicht aus.

An der eigentlichen Theke gibt man seine Bestellung auf und bekommt dann sein Essen frisch gemacht. Das gefällt mir gut.

Wir entscheiden uns für Currywurst mit Pommes bzw. Poteitos, wie die Country Potatoes hier herzerfrischend heissen. Letztere werden für den Zeugwart frisch zubereitet. Meine Currywurst möchte ich "falsch", nämlich als Bratwurst.
Ich bekomme sofort zu spüren, das das hier unüblich ist, denn erstens werde ich angeschaut, als sei ich mächtig verwirrt und zweitens ist die Bratwurst mehr als schwarzknusprig gebraten. So eine Wurstkruste war mir bis dahin vollkommen unbekannt.
Der Zeugwart erhält zu seinen Poteitos noch Surkriem. Nach kurzem Überlegen weiss ich, dass es sich um den Hausbegriff der Sour Cream handelt.

Nach einer entspannenden Lesepause gehe ich zum Trainingsteil des Tages über.
Im Recht kühlen Sportbecken kann ich Bahn 4 ganz für mich alleine nutzen. Da das Wonnemar ein so breites Angebot bietet ist das Sportbecken wirklich leer.
Nur ganze 4 Bahnen lang habe ich Gesellschaft, aber den Herren hole ich immer wieder ein. Das macht ihm keinen Spass. Das verstehe ich. Er wollte wohl sowieso raus und nur kurz schwimmen...
Der Zeugwart beobachtet meine Schwimmkünste, gibt Tipps und verbessert. Ich habe also praktisch meinen eigenen Trainer dabei. Luxus pur.

Als wir das Bad wieder verlassen, müssen wir am Automat unser Essen nachzahlen. Das einzige Zahlungsmittel im Bad ist nämlich der Eintrittschip. Am Automat steht ein Schild, dass ich dafür bzw. hier meine Schuhe ausziehen soll. Rebellisch lasse ich die Schuhe an, zahle und verlasse das Bad.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Kartengeist und Kettenangriff

Nachdem wir die Sattelstütze des Giganten vom entsprechend professionellen Radhändler haben prüfen und für angebrochen erklären ließen, wurde vor Ort nach einer Lösung gesucht. Der generelle Ratschlag war, dass Rad an Giant zurück zu schicken, denn die Sattelklemme schließt zu eng und der Rahmen scheint an dieser Stelle arg ungenau zu passen. Und da Giant seit diesem Jahr eine lebenslange Garantie für seine Rahmen bietet, sollten wir da also unseren Händler daheim mit beschäftigen. 
Für den Moment empfiehlt der hier ansässige Händler uns, die Sattelstütze bis über den Bruch in das Rahmenrohr reinzuschieben. Der Zeugwart sitzt dadurch tiefer, aber die quasi "Sollbruchstelle" ist damit auch im Rahmen drin und gehalten. 
Ob die Sattelstütze jemals komplett durchbricht kann man bei Carbon wohl nicht voraussehen, weil das Material so unberechenbar ist. Wir waren ja auch bei einem Radhändler, nicht beim Wahrsager.

Gut, wenigstens hilft uns der Ratschlag jetzt erst mal weiter. Wir fahren also noch eine Tour hier und bringen den Giganten daheim sofort zum Händler.

Für heute hat der Zeugwart eine Tour weg vom See ausgesucht. Wir steuern einen Pilgerweg an und fahren etwas hügeliger als die letzte Tour. Wenn die Sonne scheint ist es hier richtig schön. 


Für den Einteiler ist es zwar noch etwas kühl, aber mit Trikot drüber paßt es mit der Temperatur. Wir fahren nach Karte und wie so oft, wenn man sich auf eine Karte verlässt endet der Weg im Ungewissen. Weil ich an der Einmündung vorbei schieße, muß ich hart bremsen, klicke den falschen Fuß aus, kippe fast um, haue mir den Lenker gegen den Oberschenkel und das Kettenblatt in die Achillessehne. Herrlich. Das volle Schmerzprogramm, allerdings bin ich nicht gestützt. Das ist ja schon mal was.

Die Einmündung führt in den Wald.

Eigentlich sollten wir hier auf sehenswerte Mammutbäume treffen. Statt dessen führt uns der Weg ins Dickicht und der Zeugwart läuft ohne den Giganten weiter um zu prüfen ob sich hinter dem Buschwerk was verbirgt. Als er nichts findet fahren wir zurück und weiter die Straße lang. 

Wir haben uns seit der schrecklichen Wandertagtour vorgenommen was Wege angeht kein Risiko mehr einzugehen. 

Als es nach Schönlage abgehen soll, machen wir deshalb auch kehrt, als wir an einen Schotterweg kommen. Da fragen wir lieber einen Einheimischen nach dem Weg. Der empfiehlt uns einfach so zu fahren, wie er es selbst immer tut. Aha. Und wie genau ist das?
Er rekt fröhlich seine Hände in die Höhe und erklärt dem Zeugwart fleißig, dass er da lang fahren soll und dann rechts abbiegen soll. Dabei hebt er die linke Hand, besinnt sich kurz und sagt dann... ach ne, doch links abbiegen. Er glaubt auch, das da ein Schild steht. Autos fahren aber dort keine, er trifft niemals jemanden, und er fährt dort immer. Nachdem er uns noch mehrfach Abbiegungen als links, obwohl rechts und umgekehrt nahe gebracht hat, findet der Zeugwart eine Lösung für die Wegfindung, dankt dem engagierten Kartengeist und wir fahren weiter. 
Natürlich geht's erst mal den Berg rauf. War ja klar. 

Aber dann finden wir das Schild, biegen ab und können bestätigen, dass hier kein Auto fährt. Hier ist vom Prinzip her wirklich gar nichts. Die Menschen, die hier wohnen (und die Häuser sehen bewohnt aus) lieben die Einsamkeit. Es ist wahnsinnig still hier. 

Nach einigen Kilometern, finden wir die gewünscht Straße und vorbei ist es mit der Stille. Hier tobt das Leben. Und die Triathleten. Uns kommen zwei entgegen und man grüßt sich freundlich. Meine Wade krampft und mein Oberschenkel schmerzt. Blau ist er auch schon. Ich baue ab. 
Der Zeugwart spendiert mir an einer Tankstelle eine Cola und mit ein bischen Einbildung geht's mit dem Fahren ganz gut weiter. Die Wade ist trotzdem müde. 

Nach knappen 60km sind wir wieder daheim. Mein Rädchen schleicht sich an die Scheibenwaschstation, obwohl wir keine Scheibe fahren, und ich mache es noch ein bischen sauber. Wir werden nicht erwischt. 


Glück gehabt. 

Dienstag, 26. Juni 2012

Der lange Regentag

Heute scheint es im Norden nur einmal zu regnen...von früh bis spät.

Gut dass man beim schwimmen eh nass wird. Der Zeugwart ist, wie so oft, hart im Nehmen und beschließt, dass der See gar nicht so kalt sein kann. Puh. Mein Fuß- Thermometer misst verlässliche 14Grad, aber das stört nicht.

Eigentlich waren heute 1,5km angesagt, denn die Vereinsmädels und der Kapitän zeigen heute im Woog beim Heinerman mal was je Harke ist, und da wollten wir gesellschaftlich mitschwimmen. Ich hoffe aus vollstem Herzen, dass es in Darmstadt nicht schüttet und der Woog wärmer als unser Ziegelsee ist. Einen Wettkampf so zu starten wäre echt hart...und das braucht keiner. Vor allem nicht bei der ersten Olympischen Distanz, die unsere Mädels heute absolvieren. 

Nach einer warmen Dusche mache ich mich an den Trainingslagerteil Wartung und Pflege. Ich habe ja noch einen Schlauch zu flicken und habe dem Zeugwart gesagt, dass ich den selbst flicken mag. Muss ja schliesslich alles mal geübt werden. 
Das Loch finde ich im vollen Waschbecken schnell und schon schleife ich den Gummi ab.



Dann das Vakuumiergedöns drauf und abwarten. Ich harre die 5 vorgeschriebenen Minuten aus und presse dann den Flicken auf das Loch. 
Ganz fest. 

Der Zeugwart holt mir die Pumpe ran und ich pumpe meinen geflickten Schlauch gleich mal auf um die Festigkeit zu prüfen. Mmhh. Und der Flicken hält nicht. Da ist wohl weiter üben angesagt. 

Gut, dass mir der Raelertsche Lieblingsradladen gleich einen neuen Schlauch verkauft hat. 

Samstag, 23. Juni 2012

Essen? Da sind Sie hier falsch!

Heute ist ein windiger Tag. 

Aber weil wir Urlaub haben, ist uns das egal und wir wollen trotzdem radeln gehen.

Erst mal wechselt der Zeugwart netterweise meinen Mantel. Er fragt zwar, ob ich das nicht selbst machen möchte, aber da wir in absehbarer Zeit vom Hof rollen möchten verneine ich nett und bin dankbar, dass er mit geübter Hand übernimmt.

Der neue Mantel sitzt perfekt auf der Felge. Wir fahren los. Jede Berührung mit dem Sattel ist mehr als schmerzhaft für meine Sitzhöcker und ich bin mir sehr unsicher, ob ich nicht besser doch einfach umdrehe. 
Aber ich bin ja im Trainingslager und da muss ich diese Unwegbarkeiten halt hinnehmen.

Nach ein paar Kilometern geht es auch, der Hintern hat sich wieder an den Sattel gewöhnt.

Wir wählen eine andere Strecke und fahren heute grob Richtung Nordwesten. Der Wind bläst uns ordentlich entgegen. Was hier an Bergen fehlt, wird mit Gegenwind ausgeglichen. Die Passagen mit Rückenwind kann ich an einer Hand abzählen, so wenig sind es.

Wir fahren heute auf guten Radwegen. Allerdings haben wir uns auch geschworen, dass wir bei so einem schlechten Stück wie vorgestern sofort umkehren und Strasse fahren.
Soweit so gut. Es läuft ganz ok, aber wenn man den Wind abstellen könnte, würde es mir noch besser gefallen. Während wir so die Erhebungen im Stehen hochfahren und mit Affenzahn wieder runter schiessen rennt uns noch eine irre KamiKatze vor die Räder. Die saß friedlich und still am Wegesrand und rennt genau in dem Moment los, als wir auf ihrer Höhe sind. Weil wir sie nicht erwischen, muss Sie ihren Selbstmordversuch bei den nächsten Radlern wiederholen.

Wir steuern ein kleines Dorf an, in dem wir einkehren möchten. Die Strassenkarte zeigt ein kleines, verhaltenes Gaststättensymbol und wir sind extrem enthusiastisch, als wir an einer Ampel noch mal prüfen, ob wir richtig sind.
Ein netter Zeitgenosse fragt uns, was wir denn wohl suchen. Wir rufen rüber: "was zu Essen!" Und seine Antwort ist so genial, wie erschütternd:"Essen? Da sind Sie hier falsch!" Bitte was? Da biegt er ab, ohne dass wir ihn noch mal befragen können. Gut, dass die Postfrau in der Nähe ist. Wir fragen sie noch mal, ob Sie uns sagen kann, wie wir am Besten zu dem kleinen, vielversprechenden Symbol kommen, und erhalten eine ähnlich vernichtende Antwort. Wir sollen uns mal umschauen...da gibts kein Gasthaus. Gut. Der Blick die Strasse rauf ist tatsächlich recht öde.

Im nächsten Ort ist ein Symbol mit Fahne aufgemalt. Wir setzen alle Hoffnungen in diese Fahne und fahren los. Mit ein paar "aus dem Sattel geh Übungen" verkürzen wir die Zeit und schon sind wir da. Das Lokal ist offen, Stühle stehen draussen und wir können uns tatsächlich was bestellen. Wunderbar.


Ich lerne, dass man in diesem Teil Deutschlands ein Omlett immer mit Bratkartoffeln macht. Die gehören quasi direkt zum Omlett dazu. Der Zeugwart lernt, dass ein Schnitzel mit Salat und Bratkartoffeln Hamburger Schnitzel heißt und dass dazu eigentlich noch Erbsen und Möhrchen dazugehören. Herrlich. Als ich auf die Toilette gehe zähle ich 8 Spinnen nur in meiner winzigen Kabine. Und ich komme mir riesig vor. Ich bin sicher, die Bedienung war noch niemals auf dieser Toilette. Ist ja auch nur für Gäste. Kein Wunder. 

Gut gestärkt und immer noch über den charmanten Ratgeber Herren "Essen? Da sind Sie hier falsch." lachend machen wir uns wieder auf in Richtung Hotel. Der Gigant knarzt ganz schrecklich und der Zeugwart wird später noch mal nachsehen, ob er da nicht wieder das schmieren kann. Das Knarzen ist wirklich nervtötend. Für einen Giganten einfach kein adäquates Geräusch. 



Nach 52km biegen wir auf das Hotelgelände ein. Wenn man den Gegenwind dazurechnet war ich locker 10km mehr unterwegs als das. Allerdings brauche ich mich auch nicht damit zu brüsten, denn die Teamchefin fährt ja locker noch mal 10km mehr als Arbeitsweg am frühen morgen. Da bin ich noch lange nicht. 

Der Gigant hat übrigens eine gebrochene Sattelstütze. Mmppfff. Für ein Rad, was gerade ein paar Monate alt ist erschütternd. Vor allem weil uns der Laden ausdrücklich gesagt hat, dass das Knarzen sicher nichts kaputt macht und wir ganz beruhigt damit rumfahren können. Unfassbar. 
Wir müssen nun also am Montag mal schauen, wie wir den Giganten wieder fit kriegen. 

Besonders freuen kann ich mich übrigens heute über unsere zwei Vereinsmädels. Die haben sich nämlich einen großen Traum in den Kopf gesetzt und sind dem gestern ein gutes Stück näher gekommen. Beide haben sich beim Ironman für 2013 angemeldet! Respekt. Ich bin neidisch, weil die Beiden so mutig sind. Aber ich freu mich riesig auf das teilweise gemeinsame Training! Die Betonung liegt auf teilweise... !!! 



Freitag, 22. Juni 2012

Der Letzte vor der Autobahn

Ich brauche einen neuen Schlauch. 
Klar, flicke ich den Alten, aber trotzdem ist es nicht verkehrt, auch einen komplett neuen Schlauch am Start zu haben. Zusätzlich braucht mein Rädchen einen neuen Mantel. Der Ultremo hat in den 300km, die er nun montiert ist mehrere Platten gehabt und scheint mir nicht sonderlich haltbar. Der Mantel sieht auch wirklich schon recht angegriffen aus. Tiefe Schnitte gleich an mehreren Stellen. Mmhh. 

Also, beim heutigen ausruhen, was der Zeugwart mit Stadt anschauen und Sehenswürdigkeiten erlaufen gleichstellt, schauen wir nach einem Radladen. 

Wir sind vollkommen unbedarft und im ersten Laden haben wir eher das Gefühl, dass Service nicht so groß geschrieben wird. Dafür ist die Auswahl gigantisch und ich finde endlich mal die Möglichkeit mehrere Radhandschuh-Hersteller und Größen im Vergleich anzuziehen. Das ist echt klasse. Und ich finde dabei heraus, dass mir Größe 6 von Roeckl einfach am Besten paßt. Das Modell sieht einfach winzig aus, aber das ist egal. Die Polsterung sitzt an den richtigen Stellen und ich bin gespannt, wie die sich morgen bei der nächsten Ausfahrt anfühlen. 

Im zweiten Radladen fühlen wir uns gleich gut aufgehoben. Zwei Zeitfahrboliden lächeln uns an, als wir reinkommen und an den Wänden hängen Trikots, Einteiler und Poster von Sportlern unterschrieben und mit Dankesworten verziert. Wo es den Großen gut geht, kann es den Kleinen ja nicht schlecht gehen, denke ich mir. Es ist der letzte Radladen vor der Autobahn und der der Raelerts. Na bitte, was will ich mehr. Ich berichte kurz über meinen Ultremo und blicke in ein wissendes Gesicht. Herrlich, wenn Frauen nicht gleich für blöd gehalten werden. Ich soll es doch mal mit dem Conti Grand Prix 4000S versuchen, wenn ich nicht unbedingt den Ultremo haben möchte. Der hat einen besseren Pannenschutz und sei sogar noch etwas preisgünstiger. Außerdem hat er schon viele Tests gewonnen. Na bitte. 

Einen Schlauch verkauft er mir auch gleich noch mit und hört sich meine Schiebegeschichte vom ausgeschilderten Sandradweg an. Sehr nett. 

Nach einem schönen Nachmittag direkt am Strand erholen wir uns heute noch bei einer Massage. Die müden Knochen, Sehnen und Muskeln wollen ja schließlich fit für morgen gemacht werden. 


Das miese Stück

Weil es ein Trainingslager ist, und wir den anwesenden Rentnern hier diesbezüglich auch was bieten möchten schmeissen wir uns heute in unsere Rennradklamotten und laufen einmal quer durch den schicken Park zu unseren Rädchen. Die pumpen wir auf und während wir so dabei sind kommt die erste Rentnergruppe vorbeigefahren. Allesamt mit Elektrofahrrädern ausgestattet und ohne Helm unterwegs. Natürlich. Aber grüßen tun sie freundlich. Das ist ja schon mal was. 

Nachdem die Rädchen aufgepumpt sind und wir uns noch mal über die Strecke Gedanken gemacht haben, fahren wir los. Es geht am Wasser entlang, so ist zumindest der Plan. Die Radwege sind gut ausgebaut... trotzdem habe ich das Gefühl ich komme nicht gut vom Fleck. Die gute Luft hier macht mich sehr müde. Der Zeugwart ist fitter als ich und so nimmt er unseren Rucksack und fährt locker voran. Die Leichtigkeit des seins... 

Beim Tacho zurückdrücken habe ich vor dem Losfahren übrigens gemerkt, dass ich beim Triathlon am Sonntag offenbar eine Radrunde zuviel gefahren bin. Soviel dazu. 

Wir machen ein Päuschen an einem hübschen Seesteg. Der Ort hat diesen Steg und die dazugehörige Fischerei als einzige Sehenswürdigkeit und von daher gilt es das natürlich entsprechend zu würdigen. Der Zeugwart findet noch einen Abstecher, der uns an die Ostsee bringt und weil wir eh schon mal hier sind nehmen wir die Ostsee also gleich schon mal mit. Das Wetter ist herrlich, die Sonne brennt und ich frage mich kurz, warum wir die Regenjacken eingesteckt haben. Wahrscheinlich genau aus diesem Grund... wir haben sie dabei und es regnet nicht. Klappt gut. 

Das Päuschen am Ostsee Hansehafen ist sehr geruhsam und sorgt dafür, dass der Gigant die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Ein paar Anwesende scharen sich um ihn und diskutieren fleißig . Wir können es nicht hören und es besteht auch keine Möglichkeit, dass ich meinen Milchmix stehen lasse um mich dorthin zu gesellen und zuzuhören. Wir werden also nicht erfahren, was der Gigant alles für Komplimente erhalten hat. Beide Rädchen schweigen beharrlich. 

Nachdem wir uns noch das Zeughaus betrachtet haben, was ja quasi eine Pflichtveranstaltung für den Zeugwart ist, fahren wir wieder in Richtung Süden.

Eigentlich könnte alles ganz einfach werden... wir folgen der Radkarte und halten uns an den grünen Weg, der uns auf wunderbaren rennradtauglichen Strecken bereits hergeführt hat. Aber es kommt anders.

Wir geraten an ein ziemlich mieses Stück Weg und müssen schieben. Der gekennzeichnete Radweg ist nichts als Sand und/ oder Acker und nachdem wir zwei Stürze zu verzeichnen haben, die beide allerdings gimpflich ausgegangen sind, schieben wir. Wir geben selbstverständlich alles und fluchen auch gehörig. Ich kündige an, nie wieder die Bundesstrasse zu verlassen - sollten wir sie endlich finden-.

Das miese Stück nimmt kein Ende. Um der Sache die Krone aufzusetzen schiebt sich noch ein grobes Pflastersteinstück dazwischen und wir enden auf einem Campingplatz. Zu guter Letzt führt das miese Stück uns noch durch ein Waldstück mit selten dämlichen Kindern... und endet dann nach gefühlten 10 geschobenen Kilometern auf einer Bundesstraße.

Mir tut alles weh.

Wir haben noch 15km bis heim und weil wir ursprünglich ja eh nur 30km fahren wollten könnte man meinen, dass wir gar nicht soviel unterwegs waren.
Der Zeugwart fährt ein Stück voraus und ist gute 150m vor mir als ich meinen Ultremo ein deutlich vernehmbares "zisch" von sich geben höre. Na prima. Erst schiebe ich ewig und mache einen Radschuh-Wandertag und dann darf ich auch noch einen Schlauch wechseln. Bravo. Wirklich gigantisch.
Es sind noch 3km bis heim.

Der Zeugwart hört mein erbärmliches rufen und kehrt um. Wir nutzen die Gunst der Stunde und eine Schranke am Wegesrand und wechseln gekonnt den Schlauch. Also er wechselt und ich halte die Utensilien. Der Ultremo ist ziemlich beschädigt, da muß ein neuer Mantel her. Gut... die 3km bis heim wird's noch halten. Hoffentlich.

Mit zu wenig Luft auf dem Hinterreifen kommt einem so eine Strecke gleich noch unwegsamer vor, als sie wahrscheinlich eh schon ist. Als wir die Räder einschließen und ich im Whirlpool sitze, lasse ich die 71km noch mal im Kopf vorbeiziehen... wenn der Kartenmaler doch einfach nur den richtigen Strich für das miese Stück gewählt hätte. Dann wäre das nicht passiert. Allerdings weiß ich auch nicht, ob ich den Whirlpool dann so gut genießen könnte. Einfach Luxus pur.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Der Unbekannte

Nach einer praktisch staufreien Anreise sind wir im Jahresurlaub und damit auch im Trainingslager angekommen.

Das Hotelareal ist mehr als vielversprechend und nachdem wir uns einen ersten Eindruck verschafft haben, steht schnell fest...hier können wir es gut aushalten. Einen beachtlichen See gleich vor dem Fenster steht unser Entschluss. Geschwommen wird morgens. Ob es jeder Morgen wird, zeigt sich noch.

Es wird auf jeden Fall dieser Morgen.
Soviel ist klar.

Da mit 100%iger Sicherheit kein anderer der Hotelgäste einen Schwimmneopren mit hat, und circa 80% aller Anwesenden noch nicht mal wissen, dass es so etwas überhaupt gibt, machen wir also die Show. Der Weg zum Schwimmeinstieg führt quer über die Liegewiese. Neben den Schiffsanhängern, an der schwimmenden Sauna, geht's dann rein.
Mit halb angezogenem Neo spazieren wir also zum See.
Ich fühle mehrere ungläubige Augenpaare im Rücken. Wir ziehen uns auf dem Steg richtig an und spontan stelle ich fest, dass wir uns bisher nicht mit der Wassertemperatur auseinander gesetzt haben.

Das gibt eine spannende Sache.

Ich stecke meinen Fuss in den See. Puh, das sind so 15Grad. Ziemlich frisch. Aber weil wir die Neos jetzt schon anhaben, gibts auch kein zurück und wir gehen in den unbekannten See. Die Sicht ist wie in Langen, vielleicht so 50-70cm, nicht mehr.

Kalt ist es.

Wir schwimmen bis zur bewaldeten Insel. Die ist laut Karte 600m weit weg vom Ufer. Ich bin nervös, hier gibt es auch Schiffsverkehr. Ich navigiere also nicht nur, ich sichere auch. Und ich schau mir die Natur an. Hier haben die Haubentaucher Junge und die Alten zeigen ihnen die Welt. Sehr idyllisch. Und das beim schwimmen.

Der grosse unbekannte See hat malerische Seiten. Und er schüchtert mich ein bischen ein.

Der Herr Zeugwart hängt mich bei unserem sportlichen Ausflug mehrfach ab und wartet dann am Ausstieg wieder auf mich. Mir ist spontan klar, dass die grosse Seerunde in Langen gegen dieses morgendliche Schwimmtraining Kindergeburtstag ist...und ich glaube, darüber ist sich der Zeugwart auch im Klaren.

Als wir zurück auf dem Steg die Neos ausziehen, regnet es leicht. Aber kalt ist es erfreulicherweise nicht. Trotzdem finde ich den bereitgelegten Bademantel herrlich.

Wir tragen die klatschnassen Anzüge zum Haus und der freundliche Empfangsmitarbeiter hängt Sie zum trocknen in die Waschküche. Das ist ihm ganz bestimmt noch nie passiert, und trotzdem passt es prima.
Wahrscheinlich entdeckt das Hotel viel mehr Möglichkeiten Gäste zu locken, während unseres Aufenthaltes.