I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

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Sonntag, 20. Oktober 2013

Der lange Tag der Völker


Nach dem gar zauberhaften Auftritt von Herrn Copperfield im MGM Grand gestern Abend, holt uns heute die Realität wieder ein. Höchstwahrscheinlich schneller als gewöhnlich... aber ich will  mal besser nichts voraussagen oder gar schwarz malen. Der Zeugwart und ich schnappen uns früh die perfekt gepackten und paß-genau abgewogenen Taschen und beladen den Mietwagen entsprechend. Bevor wir zum Flughafen fahren, wollen wir noch ausgiebig frühstücken, und zwar bei Denny’s. Typisch amerikanisch. Die Freundlichkeit, der schnelle Service und das eben typisch amerikanische Essen, sollen heute unserem Urlaub einen gebührenden Abschluß geben.

Nachdem wir in weniger als 30Minuten von parken bis wieder losfahren zwei Pancakes, ein herzhaftes Omelette, Schinken, eine Schale frische Früchte und einen englischen Muffin verzehrt haben, geht es zum Flughafen. Den Mietwagen gibt man in den USA ja unheimlich einfach zurück. Bisher kam zwar immer noch jemand der uns mit einem „Thanks, you are all set.“ verabschiedet hat, heute ist das anders. Wir stellen das Auto in die „Return“ Spur, steigen aus und gehen. Einfacher geht es eigentlich nicht. Diese Handhabung kann für Deutsche aber trotzdem auch recht kompliziert sein... immerhin haben wir es gerne, wenn wir einen Beleg für unsere Taten bekommen oder ein OK hören. Nun ja, hier und heute gibt es die Wunscherfüllung also nicht.

Der Flughafenshuttlebus bringt uns verlässlich zum richtigen Terminal, der Automat druckt alle notwendigen Boardkarten aus und nachdem wir die perfekt abgewogenen Taschen auf den Weg nach Frankfurt gebracht haben, setzen wir uns noch ein bischen hin und lauschen den Reisenden.

Davon gibt es hier am Flughafen in Las Vegas eine ganze Reihe. Heute haben wir hauptsächlich die im Blick, die inneramerikanisch unterwegs sind. Aus Las Vegas sind das oft auch die, die eigentlich ins Ausland möchten, denn –genau wie unser Deutschlandflug auch- einige Interkontinentalflüge starten nicht direkt ab Las Vegas. Zumindest nicht Samstags. Unserer ist auch so einer. Wir nehmen heute einen Zubringerflug nach Charlotte in North Carolina, auf der anderen Seite von Amerika.

Freitag, 18. Oktober 2013

Die Schokolade, die Zauberei und das Glück

Nachdem ich absolut wild geträumt habe, was ganz sicher einem allzu üppigen Abendessen in der Cheesecake Factory geschuldet war, öffne ich heute früh die Vorhänge und schaue als erstes auf die Burgtürme. Absolut unwirklich diese Stadt. Sie haben keine Burgen in diesem Land, weil es einfach viel zu jung dafür ist, also wird alles so gebaut, wie man es eben gerne hätte. Und dazu gehört eben auch, dass man sich ein Märchenschloss oder eine mittelalterliche Burg direkt in die Wüste baut. So einfach kann es eben sein, wenn man es einfach sein läßt. Scheint so ähnlich zu sein, wie ins Ziel zu laufen... einfach mal machen halt. 

Der Zeugwart und ich frühstücken die Reste des gestrigen Cheesecake Factory Besuchs und sind noch mal erstaunt darüber, wie viel Schokolade in so ein Stück Kuchen reinpasst. Wieder etwas total unwirkliches. Ich lache noch mal herzlich, weil ich mich an die Worte des Kellners "for here or to go?" erinnere und an mein verwundertes Gesicht, weil ich mir keine Vorstellung darüber machen konnte, von welcher Größe Kuchenstück wir denn hier überhaupt sprechen. Aber die Frage war berechtigt, der Herr arbeitet offensichtlich nicht erst seit gestern dort. 
Nach dem schokoladigen Frühstück, freue ich mich zum ersten Mal in diesem Urlaub aufrichtig auf Müsli und Joghurt zu Hause. 

Wir ziehen uns an und marschieren ins Casino. Hier gibt es heute früh zwei Erklärrunden, die wir uns nicht entgehen lassen möchten. Black Jack wird um 11:30h erklärt und wie ich so an dem Tisch sitze und mich zu konzentrieren versuche, lernt der Zeugwart die Strategien auf die es ankommt. Ich versuche auch was zu lernen... aber Karten scheinen nicht so meine Sache zu sein. Ich verstehe aber wenigstens, dass ich nicht über 21 kommen darf, weil ich sonst sofort verloren habe, und dass die Bank zwischen 17 und 21 landen muß, um mich zu schlagen. Wenn sie am Ende mehr Punkte hat als ich, hab ich trotzdem verloren. Und Bilder zählen entweder 10 oder 1 Punkt... anscheinend kann man sich das aussuchen? Oder es liegt eben so im Spiel, dass es klar ist... wenn es darauf ankommt. 

Die zweite Erklärrunde findet am Craps Tisch statt. Es geht ums Würfeln und weil wir das im Stratosphere Tower ja bereits erklärt bekommen haben, können wir also daran anknüpfen und dazulernen. Es gibt tatsächlich noch ein paar sehr interessante Felder. Trotzdem kommt es, wie bei jedem dieser Spiele eben auch hier auf den Zufall und das Glück an. Viele Spieler scheinen das allerdings hier nicht ganz so ernst zu nehmen. 

Über die Casinomachenschaften haben wir fast die Zeit vergessen. Wie das halt so ist in Vegas. Wir müssen heute aber noch Peanutbutter M&M's für die Familie Motivator besorgen und fahren deshalb noch mal los. Das wäre ja noch schöner, wenn wir erst große Ankündigungen machen... und dann nichts im Gepäck haben. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher in unser neustes Lieblingsgeschäft und überlegen uns, ob das wohl eine Partyfamilie aus uns machen würde, wenn wir hier wohnen würden. Auf jeden Fall wäre mit einer Wohnnähe gesichert, dass es immer ein passendes Outfit zum anfeuern gibt. Wäre das eine Geschäftsidee für Deutschland? 

Nachdem wir all unsere Einkäufe ins Hotel geschleppt haben, sind genau 5 Minuten Pause drin. Mehr nicht. Wir haben nämlich heute Abend eine Verabredung mit David Copperfield. Nachdem das hier nun unser dritter Besuch in der Stadt ist, wollen wir uns auch mal eine Show ansehen. Das gehört in Las Vegas ja irgendwie zum guten Ton und zum Besuch dazu. Wir haben uns für den größten Illusionisten unserer Zeit entschieden... weil ich zaubern mag. 


David Copperfield tritt im MGM Grand Hotel auf. Das ist genau an der gleichen Kreuzung an der auch unser Hotel, das Excalibur, steht. Von unserem Hotelzimmer, bis zum Theater brauchen wir 20Minuten. Absolut irre. 

Die Show ist bezaubernd und gigantisch zugleich. David Copperfield ist ganz nah und zwei seiner Tricks werden uns zusätzlich durch eine Kamera auf eine Leinwand übertragen, um wirklich alles zu zeigen. Ich bin beeindruckt. Der Magier zaubert eine Harley auf die Bühne und ein Lincoln Cabrio. Er wählt zufällig Menschen aus dem Publikum aus und sie nennen ihm Zahlen, die er vor der Show bereits auf einen Zettel geschrieben hat, der in einer Kiste verschlossen an der Bühnendecke hing. An der Box war keiner dran... ich hatte sie die ganze Zeit im Blick. Da gibt es keinen Zweifel. Das hat er gezaubert. 
  
Ich würde gerne zweifeln, aber in diesem Fall ist es zwecklos... David Copperfiled kann zaubern.  

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Schuhe im Schloss

Las Vegas, die Stadt, die niemals schläft und bei der man jede Zeit und Tagswahrnehmung vergisst, ist heute unser Ziel. Aber erst, nachdem wir gefühlt alle Fahrrad-, Triathlon- und Laufsportläden in St. George abgeklappert haben. 

Der Zeugwart hat alles rausgesucht, wie es sich für einen gut vorbereiteten Zeugwart eben so gehört und so leitet uns das Navi -mehr oder weniger zielsicher- von Einkaufsmöglichkeit zu Einkaufsmöglichkeit. Natürlich bietet St. George aus jedem Stall ein Pferd. Es gibt Läden, die eher was für Mountainbiker sind, oder für Familien, es gibt Läden für schrecklich ambitionierte Sportler und Läden, wo man den Eindruck hat, dass es nicht wirklich darauf ankommt, dass etwas verkauft wird, weil die Ladeninhaber einfach ihren Traum verwirklicht haben. 

Wir kaufen noch ein paar K-Swiss Laufschuhe für den Zeugwart, weil er in dem Modell eben gut laufen kann, die Laufschuherwerbsmöglichkeit von K-Swiss in Europa aber stark nachgelassen hat. Und wer weiß, wann wir hier mal wieder her kommen... 

Nach ein paar Kilometern auf der Autobahn kommen wir heute am frühen Nachmittag in Las Vegas an. Wie bereits erwähnt, ist die Tageszeit in Las Vegas aber sowieso unerheblich, die Stadt hat immer offen. Wir checken in unserem Hotel ein. An einem von 21 Check-In Schaltern. In Las Vegas ist auch alles groß. Die Geräuschkulisse in der Lobby, die ja auch gleichzeitig das Casino ist ist beeindruckend. Es bingt, gongt, plingt, es läuft Musik und dazwischen hört man immer noch Menschen sprechen. 

Wir beziehen unser Zimmer im Excalibur und haben einen Blick auf die bunten Schloßtürme des mittelalterlich gestalteten Hotels. In unserem Bad leistet uns Cinderella Gesellschaft und die Stühle sehen wirklich aus, wie aus einer Burg mitgenommen und her gestellt. 

Da man nur einmal Urlaub hat, gehen wir gleich wieder los... die lange Nacht in Las Vegas genießen.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Versöhnt

Dank der Zeitverschiebung bin ich heute mal wieder extrem früh wach. Also eigentlich genauso früh, wie den ganzen Urlaub, aber hier, in Arizona, ist es eben eine Stunde früher als in Utah oder Colorado und deshalb ist früh hier gleich noch ne Ecke früher. Es ändert aber nichts, wach bin ich trotzdem. Der Zeugwart und ich gehen deshalb auch unheimlich früh zum "full breakfast" und lassen es uns schmecken. Ich erschrecke ein paar Deutsche beim Toaster, die erstens nicht wissen, wie es funktioniert und dass es immer sinnvoll sein kann, die Toastereinstellungen seinen persönlichen Bedürfnissen anzupassen und zweitens, nicht damit rechnen, dass sie in diesem fernen Land irgendjemand versteht. Herrlich. So beginnt der Morgen gleich prima. 

Nach dem Frühstück geht es in den Antelope Canyon. Ich habe mich überzeugen lassen. Jeder dem wir erzählten, dass wir den Canyon für einen rip-off halten, hat gesagt, dass sich praktisch jeder Preis lohnen würde und dass wir uns diesen Ausflug auf keinen Fall entgehen lassen sollen. Nun gut. Dann will ich mal nicht so sein. 

Unsere Canyontour startet um 8:30h. Es ist nicht wirklich viel los, unsere Gruppe umfasst nur 15 Teilnehmer. Der Führer "Totonka" ist riesig und erkärt uns als Erstes, warum wir nur noch geführt in den Canyon dürfen. 1997 starben 10 Touristen, weil sie den Canyon während eines Wassereinbruchs nicht rechtzeitig verließen. Sie wollten sehen, wie das Wasser durch den schmalen Tunnel kommt, es kam allerdings in einer großen Welle. Heute sind oberhalb des Canyons Evakuierungsleitern angebracht, die im Ernstfall runter geworfen werden, um alle Canyonbegeher zu retten. Außerdem sind alle Führer in ständigem Kontakt zur Basisstation, die ein Wetterradar im Blick haben. Selbst hier, mitten im Indianerland, arbeitet man mittlerweile mit den neusten technischen Errungenschaften. 

Wir laufen mit unserem Guide durch ein ausgetrocknetes Flußbett, dass noch in der letzten Woche ordentlich Wasser geführt hat, nachdem es ein Sturmtief gab, das richtig Regen brachte. Der Zeugwart und ich waren zu diesem Zeitpunkt ja beim Bryce Canyon im schlechten Wetter. Jetzt ist das Flußbett komplett trocken gelegt, es geht quasi nicht trockener. Mitten drin ist ein Spalt. Nicht besonders breit, eigentlich sogar eher schmal und total unauffällig. Also zumindest wäre ich jetzt zielsicher dran vorbei gelaufen, das ist mal sicher. Ich wäre auch spontan jede Wette eingegangen, dass der riesige Führer niemals auch nur ansatzweise überhaupt eine Chance hätte in diesen Spalt hineinzukriechen. Hat er aber doch. Eine große Chance sogar. 

Der Büffelmann verschwindet einfach im Boden. Drei Schritte und ich sehe ihn oberhalb der Erdoberfläche nicht mehr. Irre. Der Typ ist einfach weg. Tja, und ehe wir jetzt hier so im Flußbett rumstehen, flitzen wir alle hinterher. Ab unter die Erde und durch den Spalt. Ganz verrückt. Gut, dass der Zeugwart dabeit ist... alleine wäre ich dem Herren nicht hinterhergestiefelt, soviel ist sicher. 

Der Canyon ist durch die Sonne toll beleuchtet, und weil er komplett aus Sandstein ist, sieht alles rosa-rot-beige aus. Toll. 



Die Tour durch den Canyon dauert über 1,5 Stunden und weil wir immer direkt hinter dem Guide gehen, macht der Zeugwart die genialsten Fotos überhaupt. Der Büffelmann kennt sich mit jedem Kameramodell und allen möglichen Einstellungen aus, so dass wirklich jedes Bild ein absoluter Treffer wird. Ich bin sicher, wir werden uns später nicht für die schönsten entscheiden können... jedes Bild sieht toll aus. 

Der Lower Antelope Canyon ist tatsächlich jeden Cent wert gewesen! Ich bin mit den Navajo Indianern versöhnt. 

Wir fahren weiter in Richtung Zion Nationalpark. Bei Meile 19 wollen wir hier noch eine Wanderung machen. Ich habe im Internet den Hinweis auf eine recht unbekannte Ansammlung von Steinformationen gefunden und weil es sowieso auf dem Weg liegt wollen wir vorbei schauen. Wir passen genau auf und finden den Parkplatz sofort. Das liegt allerdings nicht nur an der schönen Beschreibung aus dem Internet, sondern auch an dem Hinweisschild. Offensichtlich ist die Internetseite überholt... 

Wir machen den Spaziergang trotzdem und schauen uns den Hoodoo an. Dann geht's weiter durch den Zion Nationalpark, in dem wir heute anhalten dürfen, weil Utah ja die Nationalparks geöffnet hat. Bei unserem Stop in Zion genießen wir die Aussichten und die wilden Hornbergziegen. Schön, dass der Park geöffnet hat... so haben die Tiere auch endlich wieder Gesellschaft. 

Dienstag, 15. Oktober 2013

Nirgendwo Rauchsäulen

Unsere Nacht in Cortez war eiskalt. Das muß an Colorado liegen... ein Staat in dem es wenig Wüste und dafür umso mehr Berge gibt, ist wahrscheinlich automatisch kühler, als ein Wüstenstaat wie Arizona oder Utah. Aber gut. Weiß man ja vorher... oder so. 

Cortez hat uns lauftechnisch etwas geschont, so dass wir heute wieder frisch und munter sind. Die Leiste schmerzt, das ist dank aktuellster Therapiemethoden allerdings ganz gut zu ertragen. Ich möchte heute trotzdem nicht allzu viel laufen. Wir werden sehen, was der Tag bringt. 

Als erstes fahren wir heute zum Four Corners Monument. Das ist der einzige Ort in den Vereinigten Staaten von Amerika, bei dem sich vier Bundesstaaten jeweils im 90° Winkel treffen: Arizona, Colorado, Utah und New Mexiko. Eine Plakette im Boden soll diesen besonderen Ort auf dem Indianerland markieren. Indianerland? Da klingelt es mir doch schon in den Ohren... ich wette, die Plakettenbegehung kostet Eintritt. 

Und so ist es dann auch. Für die Plakettenansicht innerhalb eines Indianermarktes zahlen der Zeugwart und ich 6 US$. Eine Frechheit. 



Wenn alle Buchten rund um die Plakette in der Mitte besetzt wären, kämen auf jeden angrenzenden Staat 14 Verkaufsmöglichkeiten. Angeboten werden Schmuck, T-Shirts, allerlei Andenken an diesen besonderen Ort und indianische Traumfänger. Und dafür verlangt der Indianerstamm der Navajo Eintritt. Ich bin echt geschockt. Richtig unverschämt finde ich das. Zumal es wirklich lediglich die Plakette (oben auf dem Bild) zu sehen gibt. Die Beschreibungen rund rum lassen einen nur noch zusätzlich wissen, wer die Staatsgrenze zwischen den jeweiligen Staaten als erstes gezogen hat und ob dafür ein Kompass benutzt wurde, oder ob die Person nur zufällig so kerzengerade durch die Landschaft gegangen ist. Ich kann mich kaum beruhigen so unfassbar frech finde ich es dafür Eintritt zu verlangen. 

Der Zeugwart und ich verlassen den Indianerandenkenmarkt und machen uns auf in Richtung Monument Valley. Das berühmteste Tal der Welt. Kein anderer Ort der Erde wurde in so vielen Filmen abgelichtet, wie dieses, angeblich. Ich vermute auch hier wieder einen Indianerwerbegag... offensichtlich bin ich angespitzt? 

In Bluff, einem winzigen Ort, der unheimlich stolz darauf ist, dass die Siedler 1880 hier ein Fort errichtet haben, bekommen wir in der Touristeninformation den Tipp, uns den Eintritt für den Monument Valley- Park zu sparen und einfach die vielen Haltemöglichkeiten auf dem Highway nach Süden zu nutzen und dort Bilder zu machen. Die Dame sagt, im Valley selbst gibt es nichts weiter zu sehen, als Monumente, die denen, die man vom Highway aus sieht, verlässlich ähnlich sehen. Der Zeugwart und ich befolgen ihren Rat.


Wir fahren am Monument Valley vorbei und betrachten es uns vom Highway aus. Es sieht beeindruckend aus. Von weitem, von nahem und als wir direkt neben den großen Steinformationen stehen immer noch. Wirklich toll. Ich halte nach den Rauchsäulen der Marlboro Cowboys Ausschau, sehe aber keine. Die sind wohl gerade aushäusig, oder wollten ebenfalls keinen Eintritt zahlen? 

Heute übernachten wir in Page in Arizona. Da war ich ja heute beim Four Corners Monument eh schon ... also in Arizona. Wir stellen daher die Uhr um und checken ins Hotel ein. Hier hängen jede Menge Urlaubstipps von Reisenden, die kürzlich hier waren an einem schwarzen Brett. Das finde ich gut. So weiß man aktuell, wo das Essen gut oder schlecht war und was die Reisenden vor ein paar Tagen gut fanden. Wir wollten eigentlich in den Antelope Canyon, allerdings hat mich der Eintrittspreis abgeschreckt, und weil es wieder ein Indianereintritt ist, den man zahlt, gehe ich davon aus, dass es auch hier eine große Verarsche ist. Also machen wir den Canyon heute nicht. 

Wir laufen statt dessen zum Horseshoe Bend. Hier fließt der Colorado River so um einen Felsen, dass die Einheimischen beschlossen haben, es sieht aus, wie ein Hufeisen um einen Pferdefuß. Gut, wenn man wirklich ganz nah an die Klippe geht und die Kamera noch darüber hinaus hält, dann kann man diesen Eindruck tatsächlich fotografieren. Zahllose Fotografen arbeiten hier mit Stativen, weil es ihnen offensichtlich einfach nicht nah genug an die Klippe gehen kann. Ich habe kurze Arme und bin auch nicht lebensmüde, so schaffe ich den 100% Eindruck nicht auf die Kamera... aber ich bleibe auf der Klippe und am Leben. Das ist auch was wert. 


Der Zeugwart und ich genießen den Anblick des Felsens eine ganze Weile... 


Montag, 14. Oktober 2013

Zuviele Stufen

Wir haben zuviel gemacht. Wobei das Machen sich eigentlich nur auf die zahllosen Stufen bezieht, die wir im Canyonlands Nationalpark rauf und runter gelaufen sind. Ich glaube ohne Stufen wäre es ok gewesen, aber mit Stufen eben eher nicht. Stufen scheinen derzeit einfach nicht mein Bereich zu sein.  

Die Leiste schmerzt. Gut, dass man in den USA praktisch jedes Medikament und die verschiedensten Tapes einfach so im Wal Mart kaufen kann. So kann mir hoffentlich schnell geholfen werden. 

Weil es schmerzt, machen wir heute einen ruhigen Tag. Immerhin haben wir Urlaub. 

Sonntag, 13. Oktober 2013

Kleines Wahrzeichen im Cowboyland

Weil wir uns gegen ein ausgiebiges Frühstück entscheiden, sind wir heute wesentlich früher als gestern unterwegs. Das zahlt sich aus, denn im Canyonlands Nationalpark, der dank der Regierung des Staates Utah ebenfalls geöffnet hat, gibt es keine Schlangen. Außerdem ist der Parkplatz zur Hauptattraktion des Parks, dem Mesa Arch, praktisch leer. Nachdem wir den kurzen Weg zum Arch absolviert, und uns mehr als einmal über die teilweise vollkommen unnötigen Treppenstufen gewundert haben, stellen wir fest, dass wir uns dieses Absolute Parkwahrzeichen größer vorgestellt haben. So als Hauptattraktion erwarte ich irgendwie mehr. Vor allem, nach dem, was wir gestern im Arches Nationalpark bestaunen durften. 

Der Blick durch den Mesa Arch runter in den Nationalpark ist natürlich trotzdem beeindruckend. Und die japanischen Touristen, die doch tatsächlich versuchen auf den Steinbogen zu klettern, sind ebenfalls eine Attraktion. Manchen Menschen kann man auch einfach nicht helfen. 


Dieser Nationalparks rühmt sich damit, der natürlichste und unangetastetste der USA zu sein. Das steht wahrscheinlich in einigen Beschreibungen, trotzdem kann ich es heute schon irgendwie glauben.   Canyonlands ist wirklich sehr urtümlich. Ich kann mir sofort vorstellen, wie ich als Cowboy hier mein Pferd suche oder mich frage, warum der Bohnenkaffee nicht schmeckt. Die Landschaft ist einfach genau wie ich  mir den wilden Westen vorstelle. Besser hätte ich es nicht beschreiben oder gar malen  können. 


Dazu noch der blaue Himmel und die paar Wolken. Einfach die absolut perfekte Filmkulisse. Der Zeugwart und ich erwandern noch den Island in the Sky District und kraxeln oben am Rim entlang. Es geht immer weiter raus, so dass wir einen tollen Blick über das komplette Tal bekommen. Man kann die geologischen Besonderheiten, also warum manche Felsformationen stehen bleiben und andere ganz offensichtlich einfach mit den Jahrmillionen verschwunden sind, gut erkennen.  

Nachdem wir zurück am Auto sind, brauchen wir erst mal eine Pause. Die Sonne brennt heute richtig runter und wir sind geschafft. Die Höhe und die Sonne sind eine ermüdende Kombination.

Als nächstes haben wir uns für heute den Dead Horse Point Park vorgenommen. Das ist eigentlich einfach "nur" eine andere Ecke des Canyonlands Parks, der allerdings als State Park ausgelobt wurde. Das heißt, hier kassiert nicht der Nationalpark Service, sondern der Staat Utah. Heute ist allerdings eh alles eines und deshalb total egal. 

Der Name dieses Parks kommt daher, weil hier auf diesem Hochplateau über dem Colorado Fluß die Cowboys die Mustangs zusammengetrieben haben und sich die aussuchten, die sie behalten wollten. Die anderen haben sie eingesperrt gelassen und die Pferde sind deshalb auf dem Hochplateau verdurstet, obwohl das rettende Wasser nur 200m unter ihnen floss. Keine schöne Geschichte. Auch bei den Cowboys waren offenbar nicht alle schlau. Warum soll es damals anders gewesen sein als heute? 

Die schöne Landschaft kann man sich von oben ansehen und an der Abrißkante spazieren gehen. Der Zeugwart und ich beschauen uns beide Seiten des Tals und stellen nach kurzer Zeit fest, dass wir wirklich alles gesehen haben und es hier wirklich nicht mehr gibt, als das Tal. Es sind toll aus, trotzdem kann man eben einfach nicht mehr als schauen. 

Wir haben heute zu viel Sonne abbekommen. Denn als wir zurück ins Hotel fahren, stellen wir beide fest, dass wir heute früh ins Bett gehen und froh sind, dass wir morgen keinen langen Sonnenausflug sondern drei eher kurze Stationen mit längeren Anfahrtswegen geplant haben. Dann sind die Sonnen- oder Cowboykopfschmerzen sicherlich verschwunden. 

Samstag, 12. Oktober 2013

Arches, egal wo man hinschaut

Die Sonne scheint schon, als wir feststellen, dass die Mikrowelle im Frühstücksbereich kaputt ist. Der Herr, der zur Beaufsichtigung der Mikrowelle da steht, weiß das allerdings offensichtlich längst. Zumindest ist es für ihn klar, dass sie kaputt ist und wahrscheinlich fragt er sich, warum der Zeugwart ihm gegenüber sowas uninteressantes überhaupt erwähnt. 

Wir beschließen, dass wir heute hier nicht frühstücken können. Die Kinder nerven, die Mikrowelle geht nicht und die sonstige Auswahl ist stark begrenzt. Also fahren wir in das einzig wahre Frühstücksrestaurant, dass Moab zu bieten hat... so zumindest die Werbung. Dafür, dass es Pancake Haus heißt, bin ich über die spärliche Anzahl an selbigen etwas überrascht, aber gut. Was weiß ich schon? 

Nach dem wir gefrühstückt haben und sicherlich für die nächsten Stunden gut gesättigt sind, starten wir unseren Abenteuertag. Zuerst buchen wir einen Nachmittagsausflug bei Moab Powersports. Das ist ein Tip von Kirk, den wir gestern kurz vor dem Trailende im Tal der Kobolde getroffen haben. Wir buchen für heute Nachmittag einen Side by Side Vehicle Ausflug. Das klingt auf jeden Fall schon mal ziemlich abenteuerlich. 

Da Moab direkt am Arches Nationalpark liegt und der Staat Utah ja netterweise beschlossen hat, die Nationalparks trotz Governmental Shut-Down zu öffnen, ist das heute unser Ziel. Da wir über Daniel bereits einen Eintrittspass erhalten haben, müssen wir uns nicht in die lange Schlange stellen und fahren einfach über die Seiteneinfahrt in den Park. Der Weg führt innerhalb von kürzester Zeit über den Pass und in das Tal der Arches hinein. Die Felsformationen sind beeindruckend. 

Wir fahren auf den Parkplatz des Delicate Arch Wanderweges, packen Kamera, Fernglas und natürlich Wasser ein, und marschieren los. Wieder einmal haben wir uns vorher nicht weiter über den Weg informiert und starten einfach ins Blaue hinein. Ich habe heute die Tom Tom Uhr am Handgelenk. Die Wege sind hier zwar immer irgendwie beschildert, dennoch bin ich trotzdem daran interessiert zu erfahren, wie lange wir denn tatsächlich unterwegs waren und wie weit. 

Die Tom Tom Uhr startet mit ihrer Aufzeichnung etwas später, als ich den Trail. Allerdings ist sie auch im Koffer einmal um die Welt geflogen und ich finde es vollkommen normal, dass sie sich erst mal orienteren muß und möchte. Wir laufen los und genießen beeindruckende Ausblicke.


Der Weg windet sich den Berg nach oben und so wird mit jedem Schritt mehr Blick auf eine wirklich tolle Kullisse frei. Die Amerikaner wissen, warum sie bestimmte Plätze und Landschaften als Nationalpark ausloben und Eintritt haben möchten. Da macht ihnen keiner was vor, soviel ist sicher.

Der Weg zum Delicate Arch ist gigantisch. Der Arch selbst ebenso. Ich könnte ihn einfach nur anstarren... die ganze Zeit.




Wir genießen den Ausblick und machen uns irgendwann auf den Weg nach unten. Jetzt haben wir den herrlichen Ausblick die ganze Zeit vor Augen. Die Tom Tom Uhr stimmt in ihren Werten mit der Suunto Ambit des Zeugwarts überein... und dann ist die Batterie leer. Ohne wirkliche Vorwarnung, außer einem kleinen Symbol im Display. Nun gut. Jetzt also nur noch die Uhrzeit. Ist ja auch was.

Zurück am Auto studieren wir die Karte und der Zeugwart beschließt, dass wir uns vor dem Abenteuerausflug am Nachmittag noch den Rest des Parks ansehen.


Ein kleiner Spaziergang führt uns noch an den Double Arch, der wirklich beeindruckend ist.  



Dann treibt uns der Hunger zurück in die Stadt. So viele Eindrücke machen eben einfach hungrig.

Unser Abenteuerausflug mit Moab Powersports beendet den heutigen Tag. Wir fahren in einem Side by Side Fahrzeug und schon die Anfahrt zum größen Erwachsenenspielplatz, den ich jemals gesehen habe ist beeindruckend. Und auf dem Spielplatz selbst geht dann in jeder Hinsicht die Post ab. Wir fahren nicht auf Wegen, wir fahren einfach so die großen Felsen hoch und runter, teilweise senkrecht, durch Pfützen und Sandsteilkurven. Wir fahren Vollgas, driften und ich fühle mich mehr als einmal wie in einer Achterbahn. Einfach verrückt. Die Fotos von diesem absolut empfehlenswerten Ausflug muß ich noch herunterladen und werde sie dann hier einstellen.

Heute Abend träume ich von den Arches und dem Erwachsenenspielplatz. Oder ich lasse das mit dem Träumen und sammle Kräfte für den morgigen Tag. Da steht der nächste Wandertag an. 

Freitag, 11. Oktober 2013

Kobolde soweit das Auge reicht

Als ich heute früh aufwache, steht der Zeugwart am Fenster und ist schon aus dem Pyjama gesprungen. Er zieht sich wahnsinnig schnell an und ist schon aus der Tür... Sonnenaufgang ansehen. Ich stelle fest, dass ich es nicht mehr schaffe angezogen raus zu springen und dass mein Körper sich ganz offensichtlich endlich an die Zeitverschiebung gewöhnt hat. Das ist ja auch was. Ich betrachte den Sonnenaufgang aus dem Fenster. Trotzdem wunderschön.


Nach dem Frühstück und dem unfreundlichsten Hotelpersonal, was wir bisher in diesem Urlaub erlebt haben, fahren wir bei strahlendem Sonnenschein durch den Capitol Reef Nationalpark. Wir sind bester Laune, denn die Nachrichten haben uns kurz vor dem Aufbruch noch darüber informiert, dass Utah ab Samstag, also morgen, seine fünf großen Nationalparks öffnen wird. Dem Governmental Shut-Down zum trotz quasi. Das finden wir natürlich eine tolle Sache. 


Bei Sonne sieht so ein Chimney Rock in Capitol Reef gleich noch eine Idee imposanter und ansehnlicher aus. Der Zeugwart hat heute das Steuer und wir fahren schier endlos durch die Wüstenlandschaft. Über 50Meilen geht es heute gefühlt nur geradeaus. Der Radfahrer von gestern wollte das ja gestern im Sturmtief eigentlich noch dranhängen, hat sich dann aber doch für eine Radpause entschieden. Irrer Typ. In unserem internen Wettbewerb der verrücktesten Urlaubsvarianten sind wir uns sicher, der Radfahrer ist noch vor dem Motorradfahrer mit den drei T-Shirts. 

Unser Ziel heute ist der Goblin Valley State Park, der -wie die meisten dieser Parks- seine Zufahrt irgendwo im Nirgendwo hat. Erst fährt man ewig in die eine Richtung um dann einen U-Turn zu machen und ewig, bzw. mindestens genauso weit wie hin, wieder in die andere Richtung zu fahren. Statt dass man die Zufahrt einfach schon vorher abbiegen läßt. Aber das ist nur meine Idee. Was soll ich sagen. Als wir irgendwann zum Parkeingang kommen kassiert der urigste Ranger von allen unsere 8 US$ Eintritt und wir fahren zum Parkplatz. Ich lese die ausgeteilte Karte, weil man das eben so macht, wenn man Claudi ist. Der Zeugwart liest lediglich Schilder und entscheidet dann spontan, oder so ähnlich. 

Am Parkplatz entscheiden wir uns für "nur T-Shirt reicht" und nehmen eine Wasserflasche mit. Ich mache mich noch lustig, weil die ausgeschilderten Wanderwege alle unter 2 Meilen lang sind und wir das sicherlich auch ohne Wasser schaffen würden, aber weil Wasser halt dazu gehört und die Empfehlung in der Flyerkarte eindeutig ist, nehmen wir also jeder eine kleine Wasserflasche mit. An mir soll es nicht liegen. Klar. 

Der Zeugwart findet ein Schild und weil ein Trail zum Carmel Canyon ausgeschildert scheint, entscheiden wir, dass wir unseren Wasserflaschen heute also spontan diese Wanderung zeigen. Hätte ich mir den unterlegten Link vorher angeschaut, weiß ich nicht, ob ich dem Zeugwart so bereitwillig gefolgt wäre übrigens. Der Trail führt erst herrlich vom Parkplatz auf den Wüstenboden hinunter. Man sieht das Tal der Kobolde (Valley of Goblins) rechts und läuft auf ein paar einzelne Formationen zu. Die Massse der Goblins verbleiben im Tal und verschwinden irgendwann aus dem Blickfeld. 

Weil der Weg nicht ganz so hervorragend ausgeschildert ist und wir uns vorher -natürlich- auch nicht via Internet über den Wegeverlauf informiert haben, laufen wir bis das Schild "End of Trail" kommt und drehen dann wieder um. Wir treffen Kirk und seine Familie aus Middle Utah, die hier Urlaub machen, die Ausschilderung ebenfalls grauenhaft finden und uns so viele Urlaubstips geben können und wollen, dass ich einen Stift zurücken muß, um alles zu behalten. Sie laufen weiter zum Ausblick und damit zum "End of Trail" und weil wir von links kamen, laufen wir halt nach rechts weiter. Soll ja immerhin laut Karte ein Rundweg sein. 

Die Beschilderung ist nun nicht mehr mit Schildern und Pfeilen gemacht, sondern mit kleinen Steinhaufen... es ist eher ein Suchspiel. Das macht es natürlich total abenteuerlich. Außerdem sind der Zeugwart und ich ganz alleine in der Wüste. Alle anderen die wir hinter uns hatten laufen nämlich den Weg nach links einfach zurück. Den also, den sie gekommen sind. Wie langweilig, wo es doch ein Rundweg ist. Unglaublich diese Amis. 

Wir finden den Weg, durch den engen Canyon, kraxeln vom Wüstenboden langsam und gewunden wieder zum Auto hoch, lachen viel und fragen uns, ob die Amis wußten, wie der Weg sich entwickeln wird, weil gute 70% von denen, die wir gesehen haben, hier überhaupt gar nicht durchgepaßt hätten. Ich bin froh, dass ich durchpasse. Und ich bin klein. Nun ja. Als der Zeugwart und ich die Straße erreichen, an der der Wanderweg endet, fühlen wir uns als große Wüstenbezwinger und sind uns sicher, dass uns diesen Urlaub nichts mehr umhauen kann. Dieser Trail war der Knaller überhaupt. Und meine Wasserflasche ist im übrigen leer. 

Jetzt begeben wir uns in das Goblin Valley und laufen zwischen den eigentümlichen Felsformationen umher. Teilweise sind wir ganz alleine, abgeschnitten von allen anderen, mitten unter Goblins.  Die Kobolde stehen, soweit das Auge reicht. Überall nur Felsformationen und kaum  Menschen. Unglaublich eigentlich, wie sich die hier so verlaufen, denn der Parkplatz ist mittlerweile gut gefüllt. Wahrscheinlich stecken alle in dem Canyon fest und kommen nicht weiter? Das wäre auf jeden Fall eine plausible Möglichkeit. 



Unser letzter Trail heute führt uns zu einem Dinosauriergrab in den Mill Canyon. Hier hat man eine Ausgrabungsstätte für Wissbegierige beschildert und die Urzeitknochen lediglich frei gelegt. So können wir einen Rundweg laufen, haben dabei eine extrem tolle Aussicht und suchen nach Knochen. Utah war offensichtlich mal voll von Dinosauriern, zumindest hier scheint jede Menge los gewesen zu sein. Wir entdecken außer den Knochen auch noch weitere Fossilien, zum Beispiel ein paar Bäume und Äste in den Steinen, die man wirklich gut erkennen kann. Ob das natürlich auch ohne Hinweisschild geklappt hätte weiß ich nicht. 

Mit dem Hinweis, dass ab heute Nachmittag für die nächsten 10 Tage alle Nationalparks in Utah geöffnet haben, beziehen wir unser Hotelzimmer. Das ist doch mal eine prima Urlaubsnachricht! 

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Der Schnee und die T-Shirts

Die Fahrt auf dem Scenic Byway No. 12 ist beeindruckend. Wir fahren nicht nur durch Schnee, wie es sich in vorherigen Blogpost zeigt, wir haben auch unheimlichen Nebel, tief hängende Wolken, Hagel und zwischendurch im Tal herrlicher Sonnenschein und grandiose Ausblicke. Wir fahren durch ein angesagtes Sturmtief, aber das nützt ja nun nichts. Für schlechtes Wetter kann, im Gegensatz zum Governmental Shut-Down, keiner was. Also machen wir das Beste draus. Die tiefen Wolken geben den Bergen und dem Dixie Forest, durch den es hier wieder durchgeht, einen ganz geisterhaften Touch.  Und wenn es dann wieder zurück ins Tal geht, ist es zwar ordentlich kalt, aber herrlich sonnig. Die Landschaft an diesem Scenic Byway ist einfach grandios. 



An einem Parkplatz hält der Zeugwart an und ich führe meinen Cowboyhut zum Felsen aus. Es ist kühl und herrlich sonnig und der Cowboyhut fühlt sich gleich zu Hause. Mir fehlt nur noch das Pferd. Viel mehr Gedanken kann ich mir darüber was mir ggf. noch fehlen könnte, allerdings gerade nicht machen, denn ein Motorradfahrer, der für meine Verhältnisse viel zu kalt angezogen ist, spricht uns an. Er ist aus Deutschland, fuchtelt mit seiner ADAC Karte rum und ist sich über seinen weiteren Weg unsicher. Ich bin mir zu allererst mal sicher, dass er so viel zu kalt angezogen ist. Eine Jeans, Timberlandboots und eine Lederjacke. Eine Halbschale als Helm und seine normale Brille sind für mich keine Motorradausrüstung für diese Gegend, und schon mal gar nicht um diese Jahreszeit. Trotz allem südlichen Wüstenstaatsdings, wir haben Oktober! Anscheinend versteht er mein fragendes Gesicht richtig und erwähnt deshalb, dass er es frisch findet und deshalb alles, was er dabei hat, am Körper trägt: 3 T-Shirts. Wow. Der Herr ist bislang 800Meilen unterwegs mit seiner Harley und fährt "unsere" Route nur Rückwärts. Grob zumindest. Wir empfehlen ihm durch den Schnee zu fahren, weil es danach einfach sehr hübsch ist und es sich lohnt. Außerdem geht es wieder Berg runter und wird damit etwas wärmer. Obwohl ich mir sicher bin, dass der Typ den ganzen Tag nicht auftauen wird. 

Wir fahren weiter und zwar in Richtung Escalante. Hübsch ist es, allerdings ist man kaum drin, so ist man auch schon wieder draußen. Diese Orte hier sind wirklich überschaubar. Wir wollen eigentlich einen Blick auf die Felsformation Devils Garden werfen, allerdings ist der Weg eine unbefestigte Strasse und es wird ausdrücklich vor dem Befahren bei Nässe gewarnt. Und weil es ja nass ist, lassen wir es also besser. Wahrscheinlich hätten wir bei der Temperatur sowieso noch mindestens 3 T-Shirts anziehen müssen... 



Der Scenic Byway führt uns nun durch die Boulder Mountains. Boulder, Utah, nicht Boulder, Colorado. Dieses Boulder ist höchstwahrscheinlich wesentlich kleiner als die Stadt in Colorado, aber die Berge sind hier wie dort hoch und heute unwahrscheinlich kalt. Überall gibt es auf dieser Straße Warnschilder, dass wir auf Weidevieh und Wildtiere achten sollen, während wir uns durch die Berge bewegen... und ein paar Rinder direkt mitten auf der Strasse lassen uns die Schilder auch gleich noch eine Idee mehr für voll nehmen. 




Es beginnt zu schneien und wie wir uns so durch die langsam zuschneiende Landschaft bewegen, taucht vor uns ein Fahrradfahrer auf. Der hat heute offensichtlich auch etwas vor. Er ist allerdings ziemlich gut eingepackt und hat mehr Gepäck dabei, als der Motorradfahrer, den wir vorhin getroffen haben. Und ziemlich fit muß er außerdem sein. 

Nachdem wir die Boulder Mountains hinter uns gelassen haben, fahren wir in Richtung Capitol Reef Nationalpark. Dieser Park ist, wie alle Nationalparks, nach wie vor offiziell geschlossen. Allerdings tut uns die Straßenführung auch hier wieder einen Gefallen und führt mitten durch den Nationalpark. Und deshalb kann man die Natur hier trotzdem betrachten. Lediglich der Scenic Drive, der von der Hauptstrasse abgeht und zu weiteren sehenswerten Felsformationen führt, ist abgesperrt. Uns gefällt das was wir sehen, und da wir es sowieso derzeit nicht ändern können, reicht uns das vollkommen. Es gibt sicherlich immer mehr und immer noch etwas, was mehr besonders oder mehr hübsch ist, aber die Eindrücke auf die Twins, das Castle und den Capitol Rock sind einzigartig und wirklich toll.



In diesem Nationalpark wird ein besonderer Wert auf die ersten Siedler gelegt und so kann man neben einem alten Schulgebäude auch ein Wohnhaus von 1882 ansehen. Alles nur von außen. Wirklich sehenswert finde ich das übrigens nicht... das mag daran liegen, dass ich für winzige Katen nicht so wirklich was übrig habe, oder dass ich ein Haus aus 1882 nicht besonders alt finde. Egal. Es gibt ja sicherlich auch noch andere Leute als mich und deshalb ist es schon ok, wenn man ein Schild dranhängt. Immerhin können wir ja selbst entscheiden, ob wir anhalten oder eben nicht. 

Hier überwacht der Ranger die Parkplätze und achtet darauf, dass man lediglich an erlaubten Stellen anhält und Fotos macht. Die Wanderrouten sind gesperrt und teilweise stehen die Verbotsschilder bis in die Felsformationen hinein. Es gibt also keinen Zweifel und für alle die, die zweifeln, patrouilliert der Ranger und klärt auf. Wenn man gegen die Absperrungen sein möchte, darf man sich hier also nicht erwischen lassen. Wir finden allerdings alles, was man von der Straße und den erlaubten Parkplätzen aus sieht bereits herrlich, so dass wir die Diskussion mit dem Ranger heute nicht führen. 

Sommerurlaub im Schnee

Soviel also zum Sommerurlaub. Als der Zeugwart und ich heute morgen aufwachen, sind die Wipfel des Bryce Canyon mit Schnee bedeckt. Und der Scenic Byway Nummer 12, den wir heute in Richtung Escalante nehmen wollen, führt uns durch eine mehr oder weniger verschneite Landschaft. 

Und das im Sommerurlaub.



Mittwoch, 9. Oktober 2013

Höhentraining


Nach einer denkbar dunklen, sternenklaren Nacht wache ich noch vor dem Vogelgezwitscher auf. Soviel also zu: „das Jetlag merkt man in dieser Richtung nicht“ -schon klar. Mein Körper sieht das anders.

In Springdale frühstücken wir ganz hervorragend und erfahren ganz nebenbei aus den Nachrichten, dass die Regierung des Staates Utah überlegt, die Nationalparks im Staat mit Staatsbediensteten zu bestücken, so dass die Parks ab morgen wieder normal besucht werden können. Offensichtlich sind die Verluste, die dem Staat durch die Schließung entstehen, massiv. Für unseren Roadtrip wäre das prima, denn wir bewegen uns, was die geplanten Nationalparks angeht nur in Utah. Das Frühstück schmeckt hervorragend und weil es zusätzlich mit diesem kleinen Hoffnungsschimmer gekrönt wurde, sind wir gleich doppelt zufrieden.

Heute fahren wir einmal durch Zion durch, natürlich ohne anzuhalten, denn der Ranger ist direkt hinter uns. Wir sehen wilde Berghornziegen, tolle Lichtspiele und verhalten uns einfach, wie die meisten Touristen und fotografieren aus dem Auto raus. Es scheint uns so, als wäre das einigen sowieso viel lieber.

Unser Weg führt uns nach Norden, denn eigentlich wäre heute unser Tag im Bryce Canyon Nationalpark. Da der allerdings weiterhin geschlossen hat und deshalb die Straße durch den Canyon gesperrt ist, entscheiden wir uns um. Wir biegen von der ursprünglichen Route ab und besuchen den Cedar Break National Monument Park. Das ist zwar auch ein Nationalpark, allerdings ist es hier ausdrücklich gestattet das Auto abzustellen und Wanderungen zu unternehmen. Hier macht anscheinend jeder was er will und offensichtlich sind die unterschiedlichen Counties auch unterschiedlicher Meinung, wie die Regierungsanweisungen ausgelegt werden können. Uns ist das recht.

Wir fahren durch den Dixie National Forest, der den Cedar Break Park einkesselt, und sind schwer beeindruckt, weil wir durch riesige Lavafelder fahren. Diesen Wald hatten wir überhaupt gar nicht auf der Uhr. Ich habe in der Urlaubsvorbereitung auch viel gelesen, aber über diesen hübschen Ort nichts gefunden.

Die Temperatur fällt stetig und die Ambit 2 vom Zeugwart zeigt an, dass wir stets hoch fahren. Die Landschaft hier ist komplett anders als noch in Zion und je weiter der SUV die Berge hochkrackselt, desto kälter und windiger wird es. Am Eingang des Cedar Parks werden wir von einem Schild darauf hingewiesen, dass der Eintritt am nächsten Parkplatz zu zahlen ist und wir dort zu stoppen haben. Kein Problem, vielleicht gibt es dort ja auch eine Toilette, das käme mir gelegen.

Der nächste Parkplatz ist auch der Beginn eines ausgeschilderten Trails, so dass wir das Auto abstellen, uns anziehen und uns auf den Weg machen. Wir sind hier auf 3200m und haben nur noch 4°C, also heißt es Jacken rauskramen und Mütze auf. Hier weht es unfassbar eisig über die Kuppen und da der ausgesuchte Wanderweg an der Abrisskante eines Canyons entlang führt, gibt es auch kaum geschützte Stellen. Es weht wirklich unerbittlich. In den nächsten Urlaub nehmen wir –außer Mützen- auch noch Handschuhe mit.

Der Blick in den Canyon ist gigantisch. Total unerwartet, weil wir bei der mit Wald bedeckten Berglandschaft niemals mit einem solch malerischen Canyon direkt 200m weiter gerechnet hätten. Wir sind total überrascht. Und wir sind total kurzatmig. Diese Wanderung werde ich dem Trainer als Höhentraining verkaufen. Der Weg verläuft an der Felsabrisskante mal hoch mal runter, immer im Wind und immer so, daß ein falscher Schritt ein Unglück bedeuten würde. Und zwar ein ziemlich tiefes Unglück. Ab und an gibt es Ausweichmöglichkeiten, weil hier im Sommer bestimmt jede Menge los ist, und natürlich um Fotos zu machen. Heute hält sich der Betrieb in Grenzen, und zwar in Engen.




Auf dem Rückweg zum Parkpatz begüßt uns noch das obligatorische Touristenhörnchen. Es hat ganz offensichtlich heute, bei der Kälte, das kürzeste Hölzchen beim Knobeln gezogen und während all seine Kumpels im warmen Bau stecken, mußte es raus um sich den Wanderern zu zeigen. Der Buschfunk hat nicht gut funktioniert heute... denn immerhin haben wir ja in Zion schon die wilden Berghornziegen gesehen. Das heißt, was Wildtiere angeht waren wir eigentlich heute bereits voll im Soll. Aber das Hörnchen ist lustig und wartet sogar, bis ich die Kamera rausgekramt habe. Sehr nett. Dann aber ist es froh, dass es zurück in die warme Höhle darf.

Weil wir ja ordentliche Parkbesucher sind, marschieren wir, nachdem wir zurück am Auto sind, zur kleinen Hütte, in der wir den Ranger vermuten. Dort hängt allerdings das mittlerweile bekannte „Governmental Shut Down“ Hinweisschild und so verzichten wir auf die Zahlung der Eintrittsgebühr. Es ist aber trotzdem nett, dass wir die Wanderung machen durften, auch wenn man unser Geld hier nicht haben möchte.

Die Weiterfahrt durch den Dixie Forest führt uns zum Red Canyon, der seinen Namen mehr als verdient hat. Hier kraxelt man die Trails einfach irgendwie hoch und macht sich am Besten erst oben darüber Gedanken, ob das gerade gefährlich war, oder nicht. So mache ich es zumindest. Das ist auch ganz gut, denn die vermeindlichen Wege führen über Geröllfelder mit kleinen winzigen Schottersteinen, die ganz besonders rutschig sind. Trotzdem lohnt es sich. Natürlich. Der Ausblick von oben ist wundervoll. Runter ist es noch eine Idee rutschiger und der Zeugwart rutscht auch tatsächlich ab und prellt sich die Hand. Ich bin sehr froh, dass er nicht den kompletten Abhang runter gerutscht ist und sich nur die Hand geprellt hat. Das hätte auch anders ausgehen können. Den Red Canyon hatte ich ebenfalls nicht auf meiner Liste. Bryce hat einfach alles für heute überschattet.

Ehe wir heute das nächste Hotel erreichen, fahren wir am Bryce Canyon Nationalpark vorbei. Hier gibt es einen Privatmann, der sein Grundstück geöffnet hat und mit großen Hinweisschildern von der Hauptstraße den Parkbesuchswilligen die Möglichkeit bietet, einen Blick von der Abrißkante zu werfen. Es ist ein Seitenarm des Parks und natürlich nicht das komplette Paket. Aber es ist total schön und wirklich außerordentlich nett, dass sich hier jemand Gedanken macht und seine Gatter öffnet, damit die Touristen was zu schauen haben. Die Hinweisschilder sind so groß, dass es fast einen offiziellen Touch hat.

Wir erfahren hier auch noch mal aus erster Hand, dass der Staat Utah wohl ernsthaft darüber nachdenkt, die Nationalparks innerhalb der Staatsgrenzen ab morgen zu öffnen. Offensichtlich wurden hier im Ort bereits einige Leute darüber informiert.

Nachdem wir noch einen Regenschauer gut überstanden haben, fahren wir nach Tropic. Hier, am Rand des Bryce Nationalparks, übernachten wir heute. Immer mit der Hoffnung, dass sich entweder alle im großen Kreis einigen, oder der Staat Utah uns einen Gefallen tun wird.

Wir lassen uns überraschen.

Cedar Break und der Dixie Forest warem heute auf jeden Fall zwei ungeplante, dafür aber extrem tolle Alternativen.  Manchmal muß man auch einfach mal Glück haben. 

Dienstag, 8. Oktober 2013

Würfelglück und Rangerverbot

Wenn man morgens aufwacht und bereits einen Frühstückswunsch hat, kann der Tag einfach nur genial werden. Er hat praktisch keine andere Möglichkeit. Mein Frühstückswunsch wird heute 1a in Roxy's Diner erfüllt und ich bekomme ein Omelette samt Hash Browns. Was will man mehr? 

Nach dem ausgiebigen Frühstück spazieren der Zeugwart und ich zurück in Richtung Aufzüge. Auch dieser Morgen ist voller Sport, weil der Weg zu den Aufzügen einmal quer durch das gesamte Hotel führt und damit gefühlt mehrere Kilometer lang ist. Unglaublich, und dabei bin ich gar kein Morgensportler. So stellt man seitens des Hotels wenigstens sicher, dass die Gäste etwas im Training bleiben. Unser Weg führt nicht nur einmal quer durch das Hotel, er führt auch einmal komplett durch das gesamte Casino. Das ist nicht schwer, denn wie in jedem Hotel hier in Las Vegas, ist auch das ganze Erdgeschoß des Stratosphere Tower Hotels ein einziges Spielcasino. Neben unzählbaren Spielautomaten gibt es auch zahlreiche bemannte Tische, an denen man sein Glück versuchen kann. 

Und weil ich ja ansonsten derzeit nicht gerade im Glück schwelge, versuchen wir es hier einfach mal. Wir erwischen einen Craps - Tisch mit geringfügiger Besetzung und einem sehr erklärwütigen Würfelchef. Nach kurzer Zeit verstehe ich sehr grob die wesentlichen Regeln und wir trauen uns und spielen mit. Würfeln hat ja nun wirklich nichts mit Kunst oder Talent sondern einfach nur mit Glück zu tun. Und weil wir ganz offensichtlich gut im Würfeln sind verdoppelt der Zeugwart mit seinem Wettgeschick unseren Einsatz und ich kann unser Glück kaum fassen. Der Mann an der Bankauszahlung lächelt... wahrscheinlich weil ich ihn anstrahle, als hätten wir Millionen gemacht. Den anderen Mitspielern haben wir mit unserer Würfelei mehrere Hundert US$ in die Chipkasse gespielt. Hier wird hauptsächlich mit großen Scheinen und dunklen Chips hantiert. 

Nachdem die Koffer gepackt sind, machen wir uns heute auf den Weg und verlassen Las Vegas in Richtung Osten. Der Roadtrip beginnt.

Wir haben heute einen Besuch im Zion Nationalpark geplant, aber weil die US Regierung nach wie vor darauf beharrt, dass sie sich in ihren Meinungen nicht annähern wollen, fällt ein Nationalparkbesuch offiziell flach. Alle Nationalparks sind geschlossen. Wir nutzen die Gunst der Stunde und lassen uns von der Utah Touristeninformation erklären, wie man sich in diesem Fall touristisch geschickt verhält. Immerhin sind wir ganz bestimmt nicht die einzigen Touristen, die durch den Government Shut-Down zu leiden haben. Der freundliche Herr gibt fleißig Auskunft, läßt uns zwischenzeitlich noch seine familiären Besonderheiten wissen und teilt uns mit, dass er bereits ausgiebig Auskünfte eingeholt hat um den Preis für einen Killer zu erfahren, den er auf die Regierung ansetzt. Aha. Nun gut, das sind mir persönlich dann doch etwas zu tiefe Einblicke in das Innere des Herren und wir schnappen uns die empfohlenen Karten und Flyer und brechen auf. Er bittet uns noch um Diskretion... nun ja, ich tue mein Bestes. 

Wir fahren trotz des Shut-Downs in Richtung Zion Nationalpark und halten auf dem Weg noch in St.George an. Hier machen wir eine Shoppingpause. Es ist früher Nachmittag und ich habe ein schlaftechnisches Erschöpfungstief. Aber das kann ja, so die Schlaubischlümpfe, die eh immer alles besser wissen, nicht an der Zeitverschiebung liegen. Klar. Ich bin also einfach so müde. Ich fühle mich wie durch einen Wolf gedreht und deshalb fährt der Zeugwart nach unserem Einkauf die letzten Meilen nach Springdale und ich kann auf dem Beifahrersitz entspannen. Und Bilder machen. 


Denn, obwohl der Nationalpark geschlossen ist, ist die hübsche Natur ja trotzdem da. Da kann selbst diese verrückte Regierung nichts dran ändern. Die Eindrücke sind überwältigend und das, obwohl wir vor zwei Jahren bereits hier in Zion waren und sich seit dem eigentlich nichts getan hat. Ich strahle wie ein Honigkuchenpferd, so schön ist es hier.

Unser Hotel in Springdale, 2Minuten vom Zion Nationalpark entfernt ist eine Wucht. Da hat Daniel, von amerika-ich.com wieder mal ganze Arbeit geleistet. Das Zimmer ist riesig, es gibt einen Pool und morgen früh ein herausragendes Frühstücksbüffet.

Nachdem wir uns kurz häuslich eingerichtet haben, fahren wir in den Nationalpark. Irgendwie kann ich nicht glauben, dass uns die Regierung den Urlaub verhageln möchte und so möchte ich das Elend mit eigenen Augen sehen. Der Ranger am Eingang weist uns darauf hin, dass der Park zu hat und wir lediglich auf der Hauptstraße durchfahren dürfen. Anhalten oder abbiegen sei ausdrücklich verboten. Ich verkneife mir die Frage, wer das denn kontrollieren möchte und ob ich bei einem Verstoß direkt im Weißen Haus vorgeführt werde, und der Zeugwart fährt rein. Die Amerikaner wissen, warum sie bestimmte Gegenden als Nationalpark ausweisen, ganz klar. Zion ist eine dieser phänomenalen Regionen. Die Landschaft ist gigantisch. 



Der Zeugwart fährt langsam durch den Park, alle Parkbuchten sind mit Pylonen abgesperrt und die Wege, die normalerweise durch den Shuttlebus bedient werden um die Besucher tief in den Canyon hinein zu bringen, sind mit Pylonen und beweglichen Zäunen abgesperrt. Und weil der Zeugwart ein Gesetzesrebell ist, hält er einfach trotzdem in einer Parkbucht an und wir beschauen uns fasziniert die hohen Berge, die Lichtspiele der tiefstehenden Sonne und genießen den Nervenkitzel, dass wir höchstwahrscheinlich gleich verhaftet werden. Oder so. 

Weitere Autobesatzungen räumen sogar ganze Straßensperren weg und fahren in die, eigentlich nur für Nationalparkbedienstete geöffnete, Straße rein. Wenn man hinter sich wieder alles absperrt scheint es nur halb so schlimm zu sein. So weit gehen der gesetzestreue Zeugwart und ich nicht. Wir genießen den Sonnenuntergang im Zion Nationalpark und sind durch den Governmental Shut-Down praktisch alleine. Das passiert sonst sicherlich auch nicht so oft. 

Nachdem wir uns noch von der hervorragenden Tarnung der ortsansässigen Wildtiere überzeugen konnten, der Zeugwart aber einen Unfall zielsicher vermieden hat, begeben wir uns zum Abendessen. Dank Murder Burger und Bill Burger im Oscars stellen wir sicher, dass wir heute Nacht zumindest nicht verhungern werden. Morgen werden wir der Regierung erneut trotzen und zielsicher den nächsten Nationalpark ansteuern. Mal sehen, wie rebellisch wir uns dort verhalten. 

Und heute Nacht? Da träume ich vom großen Würfelglück. Soviel ist sicher.