I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Freitag, 19. September 2014

Das Dorf der tausend Proben

Der Lassen Volcanic Park war einfach super gestern. Wir haben die Höhenluft genossen und ich habe jedem eventuellen Muskelkater noch mit einem Whirlpoolbad entgegen gewirkt. Das hat auch gut geklappt, denn heute habe ich weder Muskelkater, noch schwere Beine. Wir sollten über einen Whirlpool zu Hause nachdenken. Ich muß das mit dem Zeugwart besprechen. 

Unser Weg führt heute an den Lake Tahoe. Da ist dieses Wochenende Ironman und der Zeugwart und ich mixen Urlaub und Arbeit ein ganz kleines bisschen und bleiben bis Montag. Unsere erste Tat besteht darin, dass wir uns mal die Radstrecke anschauen und die Expo. Letztere ist nicht mit Europa vergleichbar, finde ich. Hier findet man keinen Fahrradverkaufsstand, keine Sättel, unfassbar umfassende Beratung, viele Proben und eher weniger zu kaufen. Bull Frog Sonnencreme zum Beispiel, einer der Sponsoren hier, der für die Athleten auf der Strecke Sonnencreme ausgeben wird, hat gar keine Verkaufsprodukte dabei. Nur Sprays und Flaschen um direkt was auszuprobieren und tausende Proben, die man mitnehmen kann. 


Allerdings wird man komisch angeschaut, wenn man nur eine Probe nimmt. Auch eine Kühlkompresse, die man mehrfach verwenden kann, wird uns förmlich in die Hand gedrückt. Wir sollen sie ausprobieren und dann unbedingt wieder kommen um noch weitere kostenfreie Proben mitzunehmen. Das ist wirklich ganz anders als in Europa. Wenigstens könnte man die Kompresse hier am Stand auch kaufen, wenn einem die vielen kostenlosen Proben nicht ausreichen.

Es gibt hier außerdem ein riesiges Ironman Merchandise Zelt. Ich habe das Gefühl, es ist noch mal doppelt so groß, wie das, was beim Ironman in Frankfurt stand. Und das fand ich schon ordentlich. Es ist voll mit schönen Sachen, es gibt hier praktisch nichts drin, was mir nicht gefällt. Ich bin allerdings etwas verwirrt ob der Auswahl... gute 50 paar unterschiedliche Socken sind einfach massiv. 


Und dann gibt es noch mal mindestens soviele Kappen im Ironman Design. Die Amerikaner lieben Kappen. Das ist offensichtlich. Wir genießen die Messe, sacken Proben ein, machen in den umliegenden Geschäften im Squaw Village noch ein paar Schnäppchen, schauen den Zielkanal an und fahren dann die Radstrecke weiter zum Schwimmstart. 



Der ist am Kings Beach der natürlich direkt am Lake Tahoe liegt. Der See hat wenig Wasser, aber das war bei der derzeitigen Trockenheit in Kalifornien zu erwarten. Die Radstrecke hat es in sich. Unglaublich. Dagegen ist die Radstrecke in Frankfurt topfeben. Und immerhin wurden hier zwei oder drei Berge mit speziellen Namen versehen. Das ist ein Scherz, wenn man sich diese Radstrecke ansieht und ich weiß jetzt auch, warum so viele nach Europa kommen, um dort einen Ironman zu machen. Wenn jeder Ironman in den USA auch nur ansatzweise so ist, wie dieser hier, dann Prost. 

Aus mittlerweile kaum mehr nachvollziehbaren Gründen, wohnen wir im Besten Haus am Platz und staunen nicht schlecht, als wir begrüßt werden wie die Könige. Ein junger Mann parkt unser Auto und unser Hotelzimmer hat einen Kamin. 


Irre. Sowas haben wir noch nicht erlebt... 

Donnerstag, 18. September 2014

In Teufels Küche

Wir sind heute früh nicht weit vom nächsten Etappenziel entfernt... und eigentlich auch nicht vom Frühstück, wenn man in amerikanischen Verhältnissen denkt. Denkt man aber in europäischen Entfernungen, dann können einem 15km Fahrt zum Frühstück schon irgendwie verrückt vorkommen. Wir haben allerdings einen Breakfastvoucher vom Hotel und fahren deshalb einfach mal typisch amerikanisch über den Freeway zum Frühstück beim Lumberjack. Sowas gehört zu einem USA Urlaub einfach dazu. Das Schmunzeln und / oder das Kopfschütteln darüber aber eben genauso. 

Nachdem wir also das durchaus leckere und sehr empfehlenswerte Frühstück eingenommen haben, packen wir die Taschen und machen uns auf den Weg in den nicht weit entfernten Lassen Volcanic National Park. Der Park hat mehrere Highlights und wir wollen versuchen uns möglichst viele davon heute anzusehen. Es soll heute vor allem gewandert werden. Nach dem Fern Canyon gestern, hat mein Knie das Bewegungsfieber gepackt. Die Wanderung gestern mit ihrem ganzen auf und ab und den Unebenheiten war nicht schmerzhaft, wie erwartet, also wiederholen wir alles was gut tut. 

Im Park fahren wir als erstes an die Devastated Area. Hier soll der aufmerksame Parkbesucher die Spur der Verwüstung des letzten Vulkanausbruchs, der vor 100 Jahren statt fand, sehen können. Ich muß zugeben... richtig verwüstet ist hier nichts. Die Bäume sind nicht kleiner oder anders, als an den anderen Stellen im Park, an denen wir vorbei gefahren sind und dass an dem Hang gegenüber kein Baum wächst, mag auch einfach an der Höhe liegen. Lassen Peak ist immerhin 11500 Fuß hoch. Vor dem Ausbruch war der Vulkan höher, aber wirklich niedrig sieht er jetzt eben auch nicht aus. Hier liegen zahlreiche schwarze riesige Steine rum, die vom Vulkanausbruch herrühren.


Sie sind teilweise her geschleudert worden (unser Standort ist immerhin 3 Meilen vom Krater entfernt) oder auf Eis bis hier her gerutscht, ehe das Eis geschmolzen und die Talfahrt beendet wurde. Die Brocken sind schon groß, das stimmt, sie sehen aber auch nicht nach Zerstörung aus. Interessant finde ich, dass die Brocken nach der Aussage von Zeitzeugen auch Tage nach dem Ausbruch noch so heiß waren, dass man sie nicht anfassen konnte. Praktisch jeder dieser großen schwarzen Steine heißt deshalb Hot Stone. Kreativ ist was anderes, treffend war das anscheinend trotzdem. Der Weg führt an ein paar Schautafeln mit Erklärungen vorbei und ist mit einer Länge von 30Minuten angegeben. Der Zeugwart und ich sind offenbar wahnsinnig sportlich, oder schnell im lesen... nach 10Minuten sind wir am Auto zurück. Ich tippe natürlich auf wahnsinnig sportlich... ist ja schließlich ein Triathlon-Blog hier.


Unser nächster Stop ist ein Wanderweg, der zum Kings Creek Wasserfall führen soll. Leider ist er nach ein paar Kilometern wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Der fleißige Wanderer bekommt zwar eine Alternative genannt, wie man trotzdem hinkommt, dem Zeugwart und mir reicht aber der Ausblick und so laufen wir zum Auto zurück, um zum eigentlich Punkt des Interesses zu fahren. Im Lassen Park gibt es nämlich auch thermische Aktivitäten. Sowas haben wir noch nie gesehen... also nichts, wie hin. 

Der Bumpass Hell ist jeden Meter wert, den man dafür laufen muß. Erst geht es ein paar Windungen an der Caldera des Mount Tehama entlang, ehe dann von einem Schritt auf den anderen ein ordentlicher Schwefelgeruch in der Luft liegt. Der Weg an der Caldera entlang lohnt sich schon total, aber wenn man dann in das Tal der Teufelsküche von oben herunter schaut ist man schwer beeindruckt. Das ist auch wirklich ein Getöse, wenn der Dampf aus der Erde entweicht. Die Geräuschkulisse ist ordentlich. 




Der Zeugwart und ich sind mehr als hin und weg. Der Ab- und später der Aufstieg lohnen sich wirklich. Der Weg ist toll und die kochenden Wasser- und Schlammlöcher sind absolut sehenswert. Derzeit ist es in Kalifornien ja erschreckend trocken, so dass wir nicht alle sonst tatsächlich vorhandenen brodelnden Löcher gesehen haben, aber das, was im Augenblick brodelt und kocht, ist schon klasse. Ein Plankenweg führt einem an praktisch jedem möglichen Loch vorbei, daher wissen wir, dass einige trocken liegen bzw. sonst wässriger brodeln, als es jetzt der Fall ist. 

Wir können diese Wanderung wirklich nur jedem empfehlen. Die Zeitangabe auf der Nationalparkseite ist allerdings übertrieben. Wir haben nämlich wirklich ausgiebig blubbernde Schlammlöcher, Wassersprudelbäder und viele Hörnchen betrachtet und waren längst nicht zwei Stunden unterwegs. Und obwohl ich ja bereits unsere absolute Sportlichkeit erwähnt habe muß ich sagen, die Schnelligkeit bei dieser Tour lag sicherlich nicht daran, dass ich derzeit mordsmäßig gut trainiert wäre. Die Tourzeit ist einfach sehr hoch angesetzt. 

Mittwoch, 17. September 2014

Besuch im Jurassic Park

Obwohl ich mich -bekannterweise- meistens nicht an Filme oder Bücher erinnern kann, gibt es Filme, bei denen ich ganz genau weiß, dass ich sie super fand. Da bleibt mir zwar die eigentliche Geschichte nicht in Erinnerung, aber wenigstens, ob es sich gelohnt hat. Das ist ziemlich cool, weil ich so weiß, was sich ganz offenbar auch ein zweites oder drittes Mal lohnt. Wie praktisch. 

Einer dieser absoluten Superfilme ist Jurassic Park. Jede Nummer. Jeder der Filme ist absolut sehenswert und das nicht nur, weil ich Dinosaurier mag. Ich finde die Filme sind gut gemacht, die Natur ist der Hammer und die Dinos realistisch, so wie ich sie mir eben vorstelle. Der Rest der Handlung ist nicht ganz so entscheidend. 

Hier, an der Westküste der USA bietet sich mit den Coastal Redwoods eine einzigartige Kulisse für viele Filme. Gestern haben wir den Waldplaneten Endor besucht und heute wollen wir auf den Spuren der vergessenen Welt wandern: im Fern Canyon. Hier wurden ein paar Szenen aus Jurassic Park  2 gedreht, die Aufnahmen im Film sprechen für sich und der Zeugwart und ich fühlen uns bei unserer Wanderung durch die Schlucht irgendwie wie im Dschungel. Oder wie im Jurassic Park.



Es tropft von den Wänden des Canyons, der komplett mit Farn überwuchert ist. Hier ist der Name absolut Programm. Mitten durch die Schlucht schlängelt sich noch ein Bach, der mal mehr mal weniger tief ist. Netterweise hat irgendein Ranger hier Holzplanken zusammengezimmert und damit Brücken gebaut. So wird sichergestellt, dass wir nicht gleich an der ersten Querung nasse Füße haben. Uns kommen Wanderer mit Gummistiefeln entgegen, das macht Sinn. 

Da das ein Rundweg ist, müssen wir weiter durch die Schlucht, egal wie schwierig der Weg auch sein mag. Mein Knie und ich brauchen mehr als einmal Stützhilfe vom Zeugwart, weil ich einfach nicht so mobil bin, wie das vor dem Unfall der Fall war. Bei manchen Bachquerungen bin ich mir allerdings nicht sicher, ob das vor dem Unfall besser gewesen wäre. Ich bin einfach nicht so super Kletterer. Jeder kann eben was anderes. Obwohl ich mit regelmäßigem "auf einem Bein stehen" ja bereits meine Fitness im Bezug auf Balance halten trainiere. Das hilft hier außerordentlich, weil ich so auf den einzelnen Steinen, die im Bach liegen und gerade so ein bisschen Aufstellfläche bieten, balancieren kann. 

Der Canyon macht unheimlich viel Spaß, weil es an jeder Ecke was Neues zu entdecken gibt und nach jedem Schritt die Welt schon wieder ganz anders aussieht. Am Ende geht es hinauf auf die Klippe in den Wald hinein. Auch hier stehen vereinzelt Redwoods in einem wirklichen Urwald. Im Gegensatz zu den Küstenwäldern, die wir bisher angeschaut haben, ist hier mächtig viel Unterholz und es gibt am Waldboden keine freie Stelle. Hier kann nichts zur Erde fallen. Gar nichts. Im Humboldt Park dagegen war am Waldboden gar nichts... nur Boden. Und der ist gar nicht so weit weg. Wenn man mal darüber nachdenkt. 

Als wir aus dem Wald wieder rauslaufen regnet es. Da wir mit unseren Storm Pullovern allerdings bestens ausgestattet sind stört das kaum. Wir entdecken trotzdem noch eine Herde Riesenhirsche und zwei Böcke, die über das Meer in die Ferne schauen. Die haben auch irgendwie was urzeitliches, so groß und majestätisch wie sie dastehen. Fehlt nur noch ein Dinosaurier und wir sind wirklich im Jurassic Park. 

Dienstag, 16. September 2014

Riesen im Wald

Vor Jahren habe ich mal versucht Mammutbäume selbst zu züchten, ohne wirkliche Ahnung, was für unterschiedliche Arten sich hinter dem Begriff verbergen und ohne vorher welche gesehen zu haben.  Meine Zucht hat auch keinen maßgeblichen Erfolg... keiner der Bäume hat letztendlich überlebt. In einem USA Urlaub, sind der Zeugwart und ich dann in den Sequoia Nationalpark gefahren um die riesigen Bäume mit eigenen Augen zu sehen. Erst haben wir jeden großen Baum für einen Sequoia gehalten und bei jedem gestaunt... bis wir tatsächlich einen sahen, und wirklich überwältigt waren. Im Vergleich zu den Redwoods, die wir uns heute ansehen wollen, sind die Sequoias aber eher kleinere Exemplare. Sie sind zwar oft dicker im Stamm, aber bei weitem nicht so hoch. Die Eindrücke steigern sich also von Urlaub zu Urlaub. 

Unser Roadtrip führt uns heute durch den Humboldt Redwoods State Park. Dafür braucht es nicht viel, wir biegen einfach vom Freeway ab und nehmen den Südeingang zum Park, der keinen Eintritt kostet. Parallel zur Autobahn verläuft die Avenue of the Giants und wir fahren einfach weiter gen Norden.


Langsam tauchen sie auf: die höchsten Bäume der Welt. Hier stehen Bäume die 350 Fuß (106m) hoch werden, im Vergleich zu den Sequoias in der Sierra Nevada, die "nur" 250 Fuß (76m) erreichen. Die Höhe ist wirklich gigantisch. Wir halten auf der Avenue of the Giants immer wieder an und laufen ein paar Meter in die Haine hinein. An der Strasse stehen oft die jüngeren, kleinen, Exemplare, während ein paar Meter von der Strasse weg riesige Bäume stehen, gegen die wir uns wie im Film Ants vorkommen. 


Ab und an liegt mal ein gefallener Riese im Wald rum. An manchen Stellen im Wald gleich eine Serie. Sieht ein bisschen aus wie Riesenmikado. Oft ist es bei den Redwoods so, dass einer der fällt andere mitreisst, oder wenigstens vorübergehend instabil macht. Und deshalb gibt es solche Häufungen im Wald. 


Der Zeugwart und ich laufen heute einige Wege ab, betrachten uns den Drehort vom Waldplanet Endor aus Starwars und fühlen uns irgendwie permanent klein und winzig. Zwar hat der Farn eine bekannte Größe in diesem Wald und läßt sich tatsächlich mit dem Europäischen Farn vergleichen, aber das ist auch schon alles. Jedes andere Lebewesen in diesem Wald ist riesig. Wir sind froh, dass uns keine Tiere begegnen. Hier sind nämlich auch Pumas heimisch... und höchstwahrscheinlich ebenfalls riesig. 

Unseren Abend verbringen der Zeugwart und ich in der nächsten größeren Stadt Eureka und gehen erst mal ein paar Sachen einkaufen. So wie es aussieht, steige ich demnächst groß ins Cupcake und Torten mit Spritztüllen Dekorationsgeschäft ein. Das ist zumindest der Plan. 

Montag, 15. September 2014

Unendliches Meer

Wir entfliehen hier der Zivilisation, so kommt es mir zumindest vor. Täglich entfernen der Zeugwart und ich uns mehr von der großen Stadt und triften hinaus aufs Land. Buchstäblich ländlich und irgendwie fast vertraut ist es hier nördlich von San Francisco. Wir fahren durch das Napa Valley und alles hier erinnert mich an den Rheingau, den ich mit meinen Großeltern vor Jahrzehnten fast wöchentlich besucht habe. Das Napa Valley hat überall Weinreben, lediglich die Straußwirtschaften fehlen... dafür gibt es riesige Winery's die beschildert sind und am Horizont auftauchen. Man kann auch überall Wein probieren, wenn man möchte. 

Wir kreuzen das Napa Valley, weil wir auf den Highway No. 1 fahren möchten. Das ist laut Daniel die schlichtweg schönste Route und weil wir uns immer auf seine Ratschläge verlassen können, fahren wir also auch in diesem Urlaub ganz nach seinem Plan. Der Highway No. 1 ist wirklich atemberaubend schön. Das Wetter ist gigantisch gut und wir können unendlich weit aufs Meer schauen. Einfach toll. 

Der Zeugwart fährt und findet tatsächlich einfach wunderbare Aussichtspunkte, an denen er anhält und von wo aus wir noch bessere Blicke haben, als aus dem Auto. Wir beobachten Seehunden beim spielen im Wasser und während ich mich noch wundere, was so zwei Seehunde hier so einsam im Wasser machen, sagt der Zeugwart, dass nur 10m weiter ja hunderte in der Sonne liegen. Ach. Die sind wirklich gut getarnt... und ich war wirklich viel zu sehr konzentriert, als dass ich sie bemerkt hätte. 

Unser eigentliches Ziel für heute, außer dass natürlich der Weg das Ziel ist, ist der Salt Point State Park. Hier soll es schöne Wanderrouten an den Klippen entlang geben und wir hoffen auf gute Aussichten. 


Normalerweise zahlt man bei einer Person Eintritt, hier ist das anders. Das Geld kommt in einen Umschlag und der kommt in einen Briefkasten. Vertrauen pur würde ich sagen. Wir parken und laufen einfach einen Trampelpfad mitten durch den Wald entlang. Die Richtung stimmt, hier geht's zum Meer, aber ein Wanderweg sieht -auch in Amerika- normalerweise etwas anders aus. Das hier scheint eher eine lange erprobte und für gut befundene Strecke zu sein, der immer mehr Menschen folgten um dann diesen Trampelpfad zu bilden. Aber der Zeugwart ist seit jeher abenteuerlustig und deshalb schreiten wir mit großen Schritten voran. Mit ganz großen Schritten. 

Mein Knie ist mit der Bandage schmerzfrei dabei. Sie drückt zwar, aber das ist eher angenehm als unangenehm. Und ich weiß, dass sie im Ernstfall wenigstens erinnert. Nicht, dass ich auf einmal anfange hier durch den Wald über den Pfad zu hüpfen, da will ich sicher gehen. Immerhin sind wir noch immer in der "keine Stoßbelastung" Phase.

Von unserer überschaubaren Wanderung über die Klippen können wir ein paar Tauchern bei den Vorbereitungen zusehen. Offenbar wollen sie jagen gehen. Harpunen sind auf jeden Fall am Start. Und wir sehen wieder jede Menge Seehunde, die sich sonnen. Sonne gibt's hier wirklich ordentlich.

Sonntag, 14. September 2014

Im Gefängnis - und doch wieder nicht

Als wir vor Jahren in San Francisco waren, sind wir voller Vorfreude zum Pier 33 getapst um eine Alcatraz Tour zu unternehmen... und wurden jäh enttäuscht. Alle Touren waren längst für die nächsten Wochen (!) ausgebucht. Wahnsinn. Das hatten wir überhaupt nicht erwartet und ich war wirklich traurig. 

Nach dieser Nacht, die wir im Super 8 San Bruno, einem wirklich sehr empfehlenswerten Hotel, ganz in Flughafennähe, verbracht haben, wachen wir -dank Jetlag- wirklich früh auf. Das hatte ich auf dem Schirm als ich Daniel von http://amerika-ich.com vor Wochen gebeten habe, für uns Early Bird Tour Tickets für Alcatraz zu besorgen. Die Tour startet um 8:45h und aus Erfahrungswerten konnte ich schon im Juli voraussagen, dass die frühe Uhrzeit für uns gar kein Problem sein wird. Und so ist es auch. 

Wir fahren heute also tatsächlich auf die berühmte Gefängnisinsel und sind die erste Gruppe, die übersetzen kann. Die Golden Gate Bridge liegt im Morgendunst, aber das Wetter verspricht prima zu werden, die Sonne scheint schon ordentlich. Wir sitzen auf dem Boot ganz oben und sind gefühlt die einzigen, die nicht schon gleich nach dem Ablegen 100te Fotos von der Insel in der Bucht von San Francisco schießen. Immerhin fahren wir den gleichen Weg ja auch wieder zurück, anders kommen wir ja nicht wieder runter. Kein Grund zur Hetze also. 

Die Gefängnisinsel, die schon vor 10.000 Jahren von den Indianern dazu genutzt wurde, Stammesmitglieder los zu werden, die sich nicht in die Gemeinschaft einfügen wollten oder konnten, wurde erst als Militärstützpunkt und dann als Gefängnis verwendet. 1963 haben die letzten Insassen Alcatraz verlassen und der National Park Service hat die Insel übernommen um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jeder der die Insel besucht bekommt im Zellenblock eine Audiotour. 

Das heißt, dass praktisch jeder auf Alcatraz mit einem Kopfhörer durch die Gegend läuft. Jede Tour kann individuell gestoppt werden und trotzdem finden der Zeugwart und ich uns in einer Gruppe von Besuchern wieder, die unseren Abspielrythmus zu haben scheinen. Wir wandeln durch den Zellentrakt, auf den Außenhof, durch die Bibliothek und durch die Kommandozentrale. Ich finde alles unheimlich spannend, was auch daran liegen mag, dass das mein erster Gefängnisaufenthalt ist, und beklemmend. Die Zellen sind winzig, hier hatte sicherlich keiner was zu lachen. Nicht, dass ich deshalb die Taten verharmlosen will, jeder, der hier einsaß, hat das sicherlich nicht zu unrecht getan. Aber wenn man das so sieht, wird einem wirklich nicht gerade warm ums Herz.  

Zusätzlich bin ich sicher, dass ich morgen Muskelkater habe. Der Zellentrakt liegt nämlich ganz oben auf der Insel und weil der Zeugwart und ich zügig unterwegs sind und dann noch eine extra Besichtigungsrunde drehen um ein paar schöne Ausblicke auf die Golden Gate Bridge zu erhaschen, wird sich das in meinem derzeitig nicht vorhandenen Trainingszustand ganz sicher morgen bemerkbar machen. 

Nach dem Gefängnisaufenthalt fahren der Zeugwart und ich  mit dem Auto gen Norden. Über die Golden Gate Bridge. Wir haben einen herrlich weiten Blick und die Skyline von San Francisco, sowie Alcatraz, sind gut zu sehen. Ich muß an die Affen aus dem Planet der Affen Film denken, die über diese Brücke in Richtung Wälder geflohen sind. 

So ähnlich machen wir es auch... ab in die Wälder, raus in die Natur, weg aus der Stadt. 

Samstag, 13. September 2014

Fliegen im Kühlschrank

Der Zeugwart und ich brauchen Urlaub. Meine letzte Woche hat dieses Bedürfnis bereits mehr als sonst herausgearbeitet, obwohl mir arbeiten seit dem ich überhaupt arbeite selten mehr Spaß gemacht hat, als jetzt. Es ist einfach herrlich, wenn man Anerkennung erfährt. Das sollten sich viel mehr Arbeitgeber zu Herzen nehmen. Leichter gesagt, als getan. 

Urlaub. Irgendwie ist das bei uns seit Jahren eine Reise in die USA. Und wir haben mittlerweile tatsächlich so ein bischen das Gefühl nach Hause zu kommen. Mit meinen Eltern war das früher Südtirol, das dieses Gefühl jahrelang vermittelt hat, und mit dem Zeugwart ist es eben die USA. Ist ja auch nicht so, als gäbe es dort nichts zu sehen. Wir waren schon oft dort... und müssen nirgends zweimal hin. Können aber, weil es mancher Orts so schön ist. 

Diesen Herbsturlaub verbinde ich mit der Arbeit. Zumindest ein bischen, es fühlt sich aber immer nach Urlaub an. Soviel ist sicher. Wir fliegen wieder in die USA. Mit Delta. Eine Freundin bemerkt dazu treffend: fliegen im Kühlschrank. Da hat sie sowas von recht, dass es schon fast angsteinflössend ist. 


Auf dem Flug von Detroit/ Michigan nach San Francisco friere ich konstant 4 Stunden. Der Flug ist 15 Minuten länger, aber am Anfang wars noch nicht so schlimm. Deshalb also nur 4Stunden. 

Vorher, die Einreise, geht am Automaten. Wir erleben in all den Jahren eine regelrechte Entwicklung der Einreiseprozedur mit. Auch in den USA scheinen Personalkosten einsparen ein lukratives Geschäft zu sein. Während das Foto um den Augenabstand zu prüfen für den Zeugwart ein Tanz vor der Kamera wird, kann ich einfach nur hochsehen und treffe genau die erforderliche Abstandsnorm. Wir stehen wahrscheinlich vor einem Einreiseautomaten für kleine Menschen? Muss ja so sein. 

Erfreulicherweise geht alles gut. Mit der Einreise und mit unserem Gepäck, das wir dann nach der Kühlschrankreise in San Francisco vom Band holen. Ebenfalls tiefgekühlt. Im Gepäckraum wird's wohl noch frischer. 

Wir mieten jedes Mal einen Mietwagen, der unseren Grössenbedarf weit übersteigt, aber Spaß macht: einen SUV. So stellen wir sicher, dass wir uns bei plötzlichen Kälteeinbrüchen im Gebirge auch mal innen drin umziehen können... alles Erfahrungswerte. 

Ehe wir allerdings in die Wildnis abbiegen, planen wir erst einige Tage Zivilisation. Obwohl wir niemals ganz abtauchen werden. 

Donnerstag, 11. September 2014

Hase und Jäger

Manchmal ist einfach keine wirkliche Zeit für Sport. Wahrscheinlich ist mein Körper im Moment sowieso im Erholungsmodus, weil es derzeit ja wieder kurz nach Köln ist? Meine Mitteldistanz ist jetzt also ein Jahr her. Wahnsinn. Es kommt mir gleichzeitig vor, als wäre es gestern gewesen und als wäre es schon ewig her. Verrückte Zeitwahrnehmung. 

Im Augenblick würde ich mir auf gar keinen Fall eine Mitteldistanz zutrauen. Zusätzlich fühlt es sich auch mal gar nicht danach an, dass ich überhaupt jemals wieder eine Mitteldistanz mache. Aber davon hatte ich es ja bereits. Es ist im Moment die Zeit für etwas anderes. Triathlon muß warten, ganz klar. Kann er aber auch, da ist Triathlon emotionslos. Es gibt schließlich genug fleißige Triathleten, da kommt es auf eine mehr oder weniger nicht an. 

Ich widme mich Koordinationsübungen. 

Natürlich nur, weil ich die DVD zugeschickt bekommen habe und nun bei jeder freien Gelegenheit, wenn z.B. ein Programm auf dem Arbeits-PC mal wieder ewig zum laden braucht, übe. Auf der DVD gibt's auch eine Übung für den Kopf: Hase und Jäger. Ich kann die nicht beschreiben, aber glücklicherweise gibt's ein Video davon. Hase und Jäger ist das, was der Koordinationsguru hier mit seinen Händen macht. 


Natürlich könnte ich auch  kreuz und quer durch die Gegend springen, während ich die Übung mit den Händen mache. Aber das würde zu nichts führen. Ich kriege mit Mühe und Not überhaupt hin, dass der Hase nicht noch einen zusätzlichen Daumen hat oder ich beim Jäger keine zweiläufige Pistole hochhalte. Was soll das dann also, mit dem Rumspringen. 

Heute war also mein Kopf undenkbar sportlich, während mein Körper im Büro anwesend war. Sicherlich gibt's noch mehr Kopfübungen auf der DVD, aber ich gehe in kleinen Schritten voran. Wenn ich den Hase-Jäger-Kampf irgendwann gewonnen habe, dann mache ich weiter. 

Vielleicht habe ich bis dahin auch eine Koordinationsleiter? 

Dienstag, 9. September 2014

Mein Lehrer Samir

Mein Nachbarskind ist ganz stolz, dass es meinen Nachnamen kennt und mir heute ein Paket vor die Tür gestellt hat, dass der Postbote bei ihrer Mama abgab. Ich bin überrascht, dass ich generell heute ein Paket bekomme... bestellt habe ich nämlich nichts. Und so ist es auch... heute bekomme ich eine DVD geschickt, die mir zwar angekündigt wurde, aber dann habe ich nichts mehr gehört, also habe ich sie wieder vergessen. Ich kann mein Gehirn nicht mit zuviel Ballast bepacken. 


Im Paket befindet sich die DVD Visuelles Koordinationstraining von 1x1 Sport, der Europäischen Akademie für Sport und Training. Schon das Cover ist vielversprechend, finde ich. Es verkündet dass 70 Übungen mit der Koordinationsleiter gezeigt werden. Das kann ja was werden. Ich weiß nämlich noch nicht mal, was eine Koordinationsleiter überhaupt ist. Bei mir fängt Lehrer Samir also bei null an. Dann wünsche ich mal viel Spaß dabei. Und zwar ihm und mir. 

Obwohl er sich ja eigentlich fein aus der Affaire zieht... und mir einfach aus dem TV entgegenspricht. Sicherlich wäre es um ein vielfaches lustiger, wenn er einfach mal bei mir vorbei käme und sich mal ansehen könnte, wie jemand mit ganz offensichtlich großem Mangel an Bewegungskoordinationstalent durch seine DVD hüpft. Lieber Lehrer Samir, falls Du das liest und mal etwas Abwechslung in Deinem Tagesplan möchtest... wir können gerne einen Termin ausmachen. Melde Dich einfach, die Kontaktdaten stehen unten. 



Natürlich packe ich die DVD gleich aus und schau mal rein. Und werde auch sofort bestätigt. Obwohl ich natürlich -jetzt wo ich sie sehe- durchaus weiß, was eine Koordinationsleiter ist. Aber wer hätte gedacht, dass Strickleitern auf einmal einen neuen Namen bekommen haben. Zur Taufe war ich nicht eingeladen. 

Durch den ersten Teil der DVD führt Samir Tanjo, er ist Koordinations- und Sport-Visualtrainer. Er ist unheimlich fit und hüpft über die Sprossen dieser Koordinationsleiter wie ein junges Reh. Zusätzlich, klatscht er vor oder hinter seinem Körper und bald wird mir schwindlig, weil die  Übungen mittlerweile fast einer Tanzchoreografie ähneln. Zumindest mehr, als mein sonstiges Training. 

Es gibt auch Vorübungen, die man vom Sofa aus machen kann. Am Besten, ich starte mit denen. Ehe es Unfälle gibt. 

Sonntag, 7. September 2014

Mühlheimer Volkslauf

Heute früh geht unser Rauchmelder an. Der im Schlafzimmer. Um kurz nach 7h! Ich stehe direkt im Bett, schnuppere einmal rundrum, stelle fest, dass es glücklichweise ein Fehlalarm zu sein scheint, und bin trotzdem hellwach. Der Rauchmelder hört nämlich nicht auf zu piepsen. Und wir kommen nicht dran, weil er im Giebel hängt und die hohe Leiter gerade nicht im Zugriffsbereich ist. Also stehen wir auf, lassen das Ding piepsen und sind halt nun sowieso schon mal hellwach. 

Überpünktlich um heute den gestrig entdeckten Pfeilen nochmals einen Besuch abzustatten und im Wald für etwas Stimmung zu sorgen. Der Mülheimer Volkslauf startet mit der 21km Strecke um 9h und der Zeugwart und ich lehnen überpünktlich die Räder an ein Baumpaar um Stellung zu beziehen. 


Obwohl der Lauf mit seiner Streckenführung recht zuschauerfreundlich gestaltet ist, sind wir scheinbar die einzigen die hier rumstehen und klatschen. Dafür machen wir das an 8 unterschiedlichen Positionen, falls ich mich nicht verzählt habe. Glücklichweise kennen wir auch noch ein Paar Läufer, so dass die Vielzahl unseres Auftrittes sich so leicht erklären läßt. 


Für meine Fahrpraxis und mein Knie ist das heute ein wunderbarer Trainingsausflug. Ich erfahre die verschiedensten Untergründe und bin buchstäblich über Stock und Stein unterwegs. Manchmal müssen wir uns regelrecht sputen, um unsere Läufer noch zu erwischen, weil eine Abkürzung eben nicht immer ganz so kurz ist, wie sie klingt. 

Trotzdem sind wir an allen Stationen die wir abklatschen ziemlich erfolgreich und kreisen das Ziel so immer weiter ein. Wir treffen kurz vor unserer Läuferin ein und ich bin ausnahmsweise mal still und rufe ihr nichts zu... im Wald hat sie mich schließlich schon genug gehört. 

Das hier ist wirklich ein sehr schöner Lauf in Mühlheim. Wenn ich mal wieder laufen kann, dann lohnt es sich bestimmt hier mal zu starten. Die Strecke ist wirklich schön... aber eben einsam. 

Samstag, 6. September 2014

Du bist schuld.

Dank des besten Jobs der Welt, nämlich meinem, hatte ich diese Woche kaum Zeit für Sport. Ich war in Nizza. Da gibt es aber auch wirklich schlimmeres, das stimmt. In Nizza gab es viel Arbeit, unheimlich gutes Wetter, zahllose Palmen, 30Grad und das Meer. Sandstrand war leider Fehlanzeige, es gab nur Steine... aber gut. Kleine Abstriche... ich war ja schließlich zum arbeiten dort. Was soll der Chef denn sonst denken? 

Heute fahren der Zeugwart und ich dafür gemeinsam Rad. Dem Knie geht es nach dem Rollenexperiment wieder besser, es fühlt sich derzeit ziemlich gut an und ich möchte versuchen mal eine Stunde unterwegs zu sein. Dabei kommt es nicht auf die Strecke an... denn ich krebse ja noch immer auf dem kleinen Kettenblatt mit möglichst wenig Widerstand rum und fahre nicht sonderlich flott. Vielmehr geht es ums fahren an sich und darum Radbeherrschung zu gewinnen, unterwegs zu sein und Fahrpraxis zu bekommen. Das Knie soll ja möglichst viel locker bewegt werden, also ziehen wir uns an und schon geht's los. 


Gleich nach dem Start schlage ich vor eine andere Strecke zu nehmen, nämlich eine, von der ich immer Spaziergänger mit Hunden kommen sehe. Normalerweise fahren der Zeugwart und ich rechts, heute aber links. Das ist spannend, denn nach dem O-Ton des Zeugwarts: "Ein Weg ist das hier nicht.", fahren wir einfach mal querfeldein. Man kann einen Trampelpfad erahnen. Wenn man halt ganz genau hinschaut. Also wer so einen Weg aussucht... man man man. Dann biegen wir ab, weil ich vorschlage, dass wir ja auch da vorne lang fahren können. Ne, ist klar. Ich bin also schuld. Hier geht's durch Schlamm, über Wurzeln, durch tiefes Gras und durch matschige Stellen auf denen soviel Wurzelstücke rumliegen, als hätte jemand versucht einen trockenen Übergang zu schaffen. Der Zeugwart fährt einfach. Ich jongliere. Durch so eine Schlammlandschaft zu fahren ist schon vor dem Unfall nicht meine Welt gewesen und auch jetzt fällt mir das nicht besonders leicht. Ein Stück steige ich ab und trage das Rad... so leicht wie das ist, geht das gut. 


Wir sind danach total eingesaut, aber ich bin zufrieden. Dieses Unwegsame Stück habe ich ganz gut gemeistert. Mitten im Wald entdecken wir Pfeile. Anscheinend findet hier morgen ein Lauf statt. Ausgeschildert bzw. bodenmarkiert sind 5km, 10km und 21km. Scheint eine größere Sache zu sein. Wir folgen den Pfeilen und entdecken neue und alte Wege aus unterschiedlichen Richtungen. Genau so habe ich mir das vorgestellt mit diesem neuen Fahrrad.


Nach über einer Stunde fahren der Zeugwart und ich wieder zu Hause vor. Ich bin mehr als zufrieden. Die Strecke war nicht nur locker über Asphalt rollen, sondern teilweise recht anspruchsvolles Gelände. Und der Zeugwart sagt "Du bist schuld" an diesem Weg... wo er recht hat, hat er recht. 

Mittwoch, 3. September 2014

Waldorientierung


Also naturverbunden bin ich irgendwie nicht so richtig. Ich weiß zwar nicht, wo das in meiner Jugend verloren gegangen ist, oder was man hätte anders machen können... aber klar ist... Getier ist nicht so meins. In meinem Auto hat sich zwischendrin, also zwischen Kofferraum und außen eine Spinne platziert und ich muß den Zeugwart dazutuen, weil ich sie dort nicht haben will. Wegmachen will ich sie aber auch nicht. Ganz schön zwiespältig. 

Der Zeugwart hat die kleine Spinne sogar noch benennen und dann ziehen wir uns um und fahren noch mal eine kurze Runde Rad gemeinsam. Mittlerweile ist der Herbst wirklich merkbar, denn es wird im Wald schon ganz schön dunkel. Egal. Ich kenne ja den Weg. Es ist nämlich der, den ich dem Zeugwart nicht ganz so gut beschreiben konnte letzten Samstag. Also schlage ich vor, dass wir die Strecke noch mal abfahren. 

Falls ich den Weg wirklich wieder finde. Da ich offenbar doch eine leicht bessere Orientierung habe, als ein Stuhl klappt's und der Zeugwart lernt unser Heimatdorf von den verschiedensten Seiten kennen. Ich finde die Strecke tatsächlich wieder. Das ist ja vielleicht ein Ding. 

Wir sind viel schneller, als ich alleine am Samstag, wahrscheinlich, weil es jetzt eine bekannte Strecke ist? Ab wann ist eine Strecke denn eigentlich bekannt? Wir kommen zurück, als die Dämmerung nicht nur den Wald ordentlich dunkel, sondern auch außerhalb des Waldes bereits Einzug gehalten hat. Schneller wäre aber mit meinem Knie nicht möglich gewesen. Es ist nun also wirklich endgültig Zeit, dass ich mich nach einer ordentlichen Fahrradbeleuchtung umsehe. Ich kann ja schlecht meine neu gewonnene Radleidenschaft zukünftig wegen Dunkelheit einschränken. Soweit kommt's noch. 

Montag, 1. September 2014

TomTom Runner Cardio - Abschlussgedanken


Da die TomTom Runner Cardio Uhr ja mittlerweile auch schon im Frühstücksfernsehen als neuartiger Technik Gimmick vorgestellt wird und meine Testzeit sich schon wieder mit großen Schritten dem Ende nähert, möchte ich nicht versäumen noch ein paar Eindrücke zur Uhr aufzuschreiben.
 
Ich finde das Konzept den Puls ohne Pulsgurt direkt am Handgelenk messen zu können hervorragend. Dafür gibt es zahlreiche Daumen nach oben, das muß ich wirklich sagen. Kein lästiges Gurt anlegen, womögliches verrutschen, wund scheuern oder erst nachdem mehrere Schichten Kleidung am Athletenkörper angelegt sind doch feststellen, dass der Gurt vergessen wurde, das ist wirklich herausragend. Zu überlegen ist dann natürlich in der kalten Jahreszeit die Handhabung, denn die Uhr muß ja -verständlicherweise- direkt am Körper getragen werden, das heißt unter der Jacke. Dann kann ich sie aber nicht ablesen, ohne unter die Jacke zu schauen. Das bequeme einfach mal schnell Schauen, was der Puls so macht entfällt dann leider. Aber einen Tod muß man wahrscheinlich auch einfach sterben. Alles haben geht eben nicht.
 
Die Handhabung über den dicken Knopf funktioniert gut, ist selbsterklärenend und braucht nicht viele Versuche, bis man das findet, was man sucht. Leider lassen sich einige Konstellationen anscheinend nur am PC einstellen und das habe ich bei diesem Uhrentest bewußt nicht gemacht. Ich finde, eine Uhr sollte auch so einstellbar sein. Klar finde ich es gut, dass man am PC noch zusätzliche Auswertungsmöglichkeiten hat, aber ich finde grundlegende Einstellungen sollte man direkt an der Uhr vornehmen können. Und zwar alle. Ein weiterer Grund, warum ich nicht auf die Einstellungen am PC zurückgegriffen habe ist, dass mich das Programm, dass ich für den ersten TomTom GPS Uhrentest heruntergeladen hatte, weiterhin an updates erinnert, obwohl es mittlerweile längst deinstalliert wurde. Das geht gar nicht und nervt kolossal.
 
Aus diesem PC-fernen Grund habe ich es z.B. auch nicht geschafft die Uhr auf Km/h umzustellen. Sowas sollte, wie ich finde, am Gerät selbst möglich sein. Vielleicht geht es auch und die Anleitung sowie meine technischen Fertigkeiten hatten da einfach ihre Grenzen?
 
Ich finde die Uhr liefert verlässliche und plausible Pulswerte, auch wenn sie im direkten Vergleich zu anderen Uhren, wie der Timex oder den Suuntouhren die im Zeugwartschen Haushalt zu finden sind, immer abweichen. Da kann man nun aber drüber streiten, wer hier wohl die richtigen Werte liefert und ob es entscheidend ist ob man 5 Schläge höher oder niedriger unterwegs ist. Da scheiden sich die Geister. Bei der Bestimmung meiner Pulswerte sind die Uhren nie weiter als 5-7 Schläge voneinander abgewichen. Meistens war die Anzeige aber ähnlich. Pulssteigerungen hat die Uhr ebenso schnell angezeigt, wie die Uhren mit Brustgurt, genauso, wie sinkende Pulswerte.
 
Um einen Puls angezeigt zu bekommen muß ich die Uhr verhältnismäßig straff am Handgelenk tragen. Das ist nicht immer bequem. Sitzt sie allerdings zu locker, gibt's keine plausiblen - oder gar keine- Werte. Wobei ich nicht weiß, ob da das eine schlimmer als das andere ist. Nur ein richtiger Wert ist ja überhaupt sinnvoll, alle anderen kann man eh weglassen und vergessen. Nach dem Sport habe ich also einen überdeutlichen Uhrenabdruck am Handgelenk. Das passiert natürlich mit herkömmlichen Pulsuhren nicht. Die kann ich auch locker tragen. Und bei Kälte eben auch über der Jacke... aber davon hatte ich es ja schon weiter oben.
 
Mittlerweile gibt es die Uhr übrigens auch in anderen Farbvarianten als der von mir getesteten rot/ weiß Ausstattung. Etwas in Schwarz würde mir sicherlich mehr zusagen. Aber das hat mit dem Test ja direkt nichts zu tun. Die Funktionalität sollte überall gleich sein.
 
Derzeit kostet die Uhr 269EUR auf der TomTom Seite und ist bei Amazon ab 264EUR zu haben.
 

Samstag, 30. August 2014

Einfach irgendwo abbiegen

Ich war diese Woche zweimal auf der Rolle. Das war eine blöde Idee. Grundsätzlich natürlich nicht. Die Rolle ist eine praktische Sache, wenn das Wetter extrem ungemütlich ist, die Konzentration nicht gut abgerufen werden kann oder die Tageszeit draußen fahren einfach nicht zulässt. Für mein Knie ist die Rolle aber Gift, wie es meine Oma gesagt hätte. Die Einstellungen vom Triathlon Rädchen sind für mein Knie derzeit untragbar. Der Crosser war da bisher angenehmer. Aber irgendwie habe ich den Punkt Rad fahren in dieser Woche sträflich vernachlässigt. Das passiert schon mal, wenn das Arbeitsleben einen größeren Teil des Lebens einnimmt, als der Freizeitteil. 

Heute allerdings ist Samstag und deshalb gibt es schier endlose Freizeit. Einen ganzen Tag, der nur darauf wartet freizeitlich gefüllt zu werden. Heute mache ich mal nur, was mir gefällt. Also holen der Zeugwart und ich früh gleich einen Schreibtisch ab und klingeln die Verkäuferin im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Bett. Im Anschluß backe ich einen Kürbiskäsekuchen mit Orangenrahm der mich ganz schön auf Trab hält. Backen, rausnehmen, was ergänzen, backen, wieder rausnehmen etc. Soviel Tamtam wollte ich mir wegen eines Kuchens eigentlich heute nicht machen. Aber gut. Ist ja dem Kuchen gegenüber unfair. 

Im Anschluß, nachdem der Kuchen also endlich zum abkühlen in der Küche steht und dekoriert ist, ziehe ich mich an um Fahrrad zu fahren. Der Zeugwart gibt mir noch ein Schutzblech, was ich montieren kann und dann geht's auch schon los. 

Ich fahre den üblichen Weg und biege dann einfach irgendwo ab. Ich will heute so gute 45Minuten fahren, damit mein Knie etwas Bewegung hat. Ich fahr gefühlt überall hin und werde zwischendurch auch mal richtig nass. Verfahren habe ich mich ja direkt nicht, weil ich ja nirgendwo bestimmtes hin möchte und es deshalb keinen Weg gibt, von dem ich hätte abkommen können. Verfahren könnte aber auch einfach dafür stehen, dass ich nicht mehr weiß, wo ich eigentlich so bin. Sowas kann unangenehm sein. Ist es für mich aber heute nicht. Ich fahre einfach weiter und weiß, dass ich im Notfall auf modernste Ortungsgeräte zurückgreifen kann. Ich habe mein Handy dabei und eine Karte darauf. Das kann für sowas ziemlich praktisch sein. Nötig ist es heute aber nicht. 

Immer wieder komme ich an bekannten Sachen vorbei. Am Freibad, am Turnverein, an einer Bank, die ich schon mal gesehen habe und an einer Sparkasse. Lustig ist allerdings, dass ich diese Dinge niemals in eine Reihenfolge gesetzt hätte und ich mich mittlerweile, als die Sparkasse vor mir auftaucht auch wirklich frage, wie ich das wohl gemacht habe. Wie genau bin ich bloß hier her gekommen? Ich glaube, meine Radtour läßt sich heute überhaupt gar nicht nachvollziehen. Überflüssig zu erwähnen, dass auch keine GPS Uhr mitläuft, weil alle nach Strom geschrieen haben und deshalb zu Beginn meiner Radtour nicht einsatzfähig waren. So ist das mit der Technik... manchmal ist sie einfach nicht zu gebrauchen. 


Dank meines angeborenen, grandiosen Orientierungssinns finde ich aber doch zurück nach Hause. Mein Knie quittiert den Ausflug mit Zufriedenheit. Und ich hoffe, dass ich mich beim nächsten Mal wieder ein bisschen besser auskenne. Darauf würde ich allerdings nicht wetten. 

Meine Gedanken finden keine Ruhe.

Die Zeit rast und ich kann sie nicht festhalten. Ich kann sie auch nicht zurückdrehen und ich kann mich selbst auch nicht überlisten. Ich erinnere mich nicht gut an Dinge. Vieles, was geschehen ist, viele Filme oder Bücher, sogar manche Ereignisse, vergesse ich einfach. Ich kann Filme zigfach ansehen und mir gefallen immer die gleichen Stellen, ohne zu realisieren, dass ich den Film eigentlich kennen müßte. Gleiches passiert mir auch oft mit Büchern. 

Dabei bin ich schon bei der Sache, wenn ich Filme ansehe. Aber ich speichere sie einfach nicht ab. Ich habe auf meiner Festplatte keinen Filmspeicher eingerichtet. Und so geht es mir auch oft mit Personen und mit Ereignissen, die zu den Personen zugeordnet werden können. Ich erkenne sie zwar bestimmt wieder irgendwo in meinem Kopf, aber die Information findet nicht immer zurück an die Stelle, wo sie verarbeitet werden kann. 

Manche Sachen vergesse ich aber scheinbar niemals. Ich weiß noch genau, wo ich am 11. September war, als ich Nachrichten hörte. Ich weiß noch genau, wo ich war als die Nachricht kam, dass mein Patenkind geboren wurde und ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat, als ich erfuhr, dass Du gestorben bist. Alles ist so präsent, als wäre es gestern gewesen. 

Ich verarbeite Deinen Tod seit Jahren, immer wieder kommst Du mir automatisch in den Sinn. Pünktlich. Immer rund um Deinen Todestag. Jedes Jahr. Auch an Deinem Geburtstag denke ich an Dich. Als könnte mein Gehirn alleine den Kalender lesen oder hätte eine Zeitschaltuhr eingebaut: Nicht vergessen an Sebastian zu denken. Ich weiß gar nicht warum. Schon letztes Jahr war ich mir unsicher, ob wir überhaupt noch Kontakt hätten. Und dieses Jahr hatte ich wieder ein Jahr länger Zeit darüber nachzudenken. Obwohl das eher nebenbei passiert. Unbewusst. 

Meine Gedanken finden keine Ruhe. 
Sie erinnern sich zurück, an lustige Situationen, an Augendrehmomente und an Deine Herzlichkeit. Du warst nicht perfekt und es gab genug Möglichkeiten anderer Meinung zu sein oder darüber nachzudenken, ob Deine Aussage jetzt wirklich und wahrhaftig ernst gemeint war. Manches, was in den Köpfen anderer vorgeht, kann man eben einfach nicht nachvollziehen. Muß man ja auch nicht. Ich bin einfach immer noch geschockt. Soviel ist sicher. Geschockt darüber, wie schnell sich alles von einem Moment auf den anderen plötzlich ändern kann. 

Und dann ist alles anders. Für immer. 

Donnerstag, 28. August 2014

Trainermeldung dauerbunt

Heute habe ich mich beim Trainer gemeldet. Ich wollte ihm einfach mal wieder einen Zwischenstand geben. Immerhin macht mein Knie kleine Fortschritte und so ein Trainer nimmt –wenn man gesund ist- ja doch merklich am Leben teil. Derzeit tut er das bei mir gar nicht. Ich habe keinen Trainingsplan und ich mache ja im Augenblick keinen wirklichen Sport, der Trainer bekommt also nur mehr oder weniger regelmäßig Zwischenstände um auf dem Laufenden zu bleiben.

Ich merke ja mittlerweile wieder eine deutliche Besserung im fühlen und berühren. Es tut auch nicht mehr dauerhaft weh und ich kann mittlerweile fast jede Nacht durchschlafen, auch mit Lagerungsänderungen. Das ist sehr angenehm. Fahrradfahren tue ich in kleinen Gängen mit möglichst wenig Widerstand, das tut gut und schmerzt nicht. Laufen tue ich derzeit ja bekannterweise überhaupt nicht. Ich gehe, allerdings auch nicht besonders zügig, denn sobald ich beschleunigen merke ich das Knie wieder stundenlang. Jeder stoßhafte Auftritt wird also sofort quittiert. Hinknien kann ich mich ebenfalls nach wie vor nicht.

Seit dem letzten Arzttermin habe ich das Knie nun permanent mit Tape dekoriert. Der gut gemeinte Ratschlag war ja, wenn etwas draufklebt, dann merkt mein Hirn, dass da was anders ist und schenkt dem Knie mehr Aufmerksamkeit. Ich lasse dem Knie diesbezüglich manchmal stundenweise Pausen, ansonsten ist es dauerbunt.



Alles in allem, habe ich allerdings das dumpfe Gefühl, dass es noch eine Weile dauern wird, bis ich sportlich wieder so einsatzfähig bin, wie ich mir das vorstelle. Ich bin deshalb auch gerade am überlegen, was ich mir denn eigentlich so überhaupt vorstelle. Sportlich. Ich stelle jetzt ja deshalb nicht mein ganzes Leben in Frage, aber ich bin im Alter und seit dem Unfall recht realistisch geworden. Ein Ironman ist in den nächsten Jahren einfach nicht drin. Dafür muß man unheimlich fit sein, wahnsinnig viel Zeit dem Training opfern und alles auf eine Karte setzen. Eine Langdistanz ist unheimlich lang, dafür steht sie mit ihrem Namen, und damit ist auch die Vorbereitung gemeint. Ich kann mir derzeit überhaupt nicht vorstellen, dass ich jemals so fit werde, dass ich mir den Start bei einem Ironman zutraue.

Ich kann mir allerdings gut einen Mitteldistanzstart vorstellen. Irgendwann. Wenn die Strecke paßt.  
Schon 10km Radfahren sind derzeit für mich eine so große Herausforderung... ich weiß gar nicht, wie ich jemals 90km überhaupt geschafft habe? Die Zeit gab es aber mal, das weiß ich. Ich muß dann also mal schauen, wie ich die Zukunft mit dem Sport so gestalte. Wenn ich die Bewegung, die ich so mache, dann irgendwann auch mal wieder Sport nennen kann.

Mittwoch, 27. August 2014

Eiswasser und Spende

Sicher hat mittlerweile nur der, der direkt hinterm Mond wohnt, nichts von der ALS Ice Bucket Challenge gehört. Praktisch jeder Promi hat sich schon einen Eimer Eiswasser übergießen lassen und dann hoffentlich auch gleich für Forschungszwecke gespendet. ALS ist die Abkürzung für Amyotrhophe Lateralsklerose und ist eine Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems. Hier kann man etwas genauer nachlesen, was die Krankheit ausmacht. 

Mit der Ice Bucket Challenge geht es darum Spendengelder zu sammeln und sich -dank des Eiswassers- kurzfristig wie ein erkrankter zu fühlen, weil die Muskeln vor Kälte erstarren bzw. wie gelähmt sind. Angefangen in den USA schwappt die Welle mittlerweile über auf die ganze Welt und geht auch über die Prominenten hinaus. Einige Freunde von mir wurden bereits vor einigen Tagen nominiert und haben innerhalb der vorgegebenen 24 Stunden auch mitgemacht. Eisdusche und Spende. Die Einschläge kamen näher, aber bisher kam ich drumrum. Obwohl man ja auch Spenden kann, wenn man nicht nominiert ist. Logisch. 

Jetzt hat es aber auch mich getroffen. Da bin ich ja baff. Sowas passiert ja immer nur anderen. Bisher zumindest. Aber die Zeiten sind vorbei. Ein -bisher- guter Freund hat mich nominiert und schwups bin ich im Zugzwang. Ich muß innerhalb von 24 Stunden reagieren. Klar, es besteht keine Pflicht, aber so eine Aktion einfach zu ignorieren finde ich auch blöd. Ist ja immerhin für einen guten Zweck. Also überlege ich, wen ich denn nominieren könnte. Es müssen ja Leute sein, die noch nicht selbst nominiert wurden, soweit man das eben im Internet nachvollziehen kann, und zusätzlich sollten es Leute sein, die mitmachen. Wenn das Schnellballsystem nicht funktioniert, hätte man sich die Nominierung ja schließlich auch sparen können. 

Ich stehe heute früh also auf, checke den Eiswürfelbestand im Zeugwartschen Haushalt und fülle einen Eimer mit kaltem Wasser. Dann bekommt der Zeugwart das Aufnahmegerät in die Hand und wir begeben uns auf den Balkon, wo ich die Eiswasserdusche vornehme und zusätzlich drei Freunde nominiere. Ich bin gespannt ob Gian, der Flitzer und der Profiathlet es mit gleichtun und ebenfalls spenden und duschen. Obwohl die eigentliche Regel ja lautet entweder spenden oder eine Eiswasserdusche. Hauptsache die drei Herren unterbrechen die Kette nicht. Darauf kommt es an.


Das Video gibt es auf der Blog Facebookseite zu sehen. Allerdings sieht man eben auch nur eine Frau, die sich einen Eimer Eiswasser über den Kopf kippt.

Gespendet werden kann hier bei der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

Spendenkonto:

Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
IBAN: DE38 6602 0500 0007 7722 00
BIC: BFSWDE33KRL
Kontonummer: 777 22 00
BLZ: 660 205 00

Sonntag, 24. August 2014

Rodgau Triathlon 2014 - Kältebeurkundung

Obwohl wir heute später als sonst zu einem Wettkampf aufbrechen, finde ich es trotzdem richtig früh.  Ich habe außerdem Schmerzen im Knie und hatte keine besonders gute Nacht. Der Zeugwart startet heute in der Staffel. Ursprünglich sollte ich ja schwimmen, aber der Arzt hat berechtigterweise gefragt, ob ich eigentlich noch alle Latten am Zaun habe. Was denn wäre, wenn mir da jemand dagegentritt? Auf sowas komme ich selbst ja nicht. Ich schwimme also nicht. Verklärte Wettkampfwahrnehmung nennt man das vielleicht auch. 

Die Luft hat 10°C, das Wasser frische 17°C. Die einspringende Staffelschwimmerin ist hart im nehmen. Respekt. Am See bläst es zusätzlich ordentlich. Wie schade für alle Athleten, denn gerade die Jedermänner sind ja häufig auch ohne Neoprenanzug unterwegs. da kann man vor allem auf viel Adrenalin hoffen. 

Ich habe nichts zu tun, außer zu frieren. Aber rumpiensen läuft heute nicht, immerhin geht jemand anders für mich ins kühle Nass... deshalb halte ich mich mit Kältebekundungen zurück. Der Zeugwart fährt Rad und checkt deshalb frühzeitig in die Wechselzone ein. Und weil die Kampfrichter auf Nummer sicher gehen, werden die Staffelteilnehmer gleich noch mal entsprechend eingenordet. 

im Hingergrund links ist der weltbeste Fahrradhändler von Radsport 360°
Wir betrachten uns die Starts, denn heute schwimmt hier auch die Hessenliga. Da sind also auch ein paar schneller Damen und Herren am Start. Manch eine Schwimmzeit wird allerdings heute ganz besonders schnell, weil sich nicht jeder bei der Olympischen Distanz Mühe gibt, den Markierungen auf der Schwimmstrecke zu folgen. Da wird fleißig abgekürzt und über Leinen hinweggeschwommen. Schon interessant, wie dreist manche Athleten sind, wenn kein Kampfrichter auf dem See zugegen ist. 

Als unsere Staffelschwimmerin im Wasser ist, betrachten wir uns noch die erste Runde und dann teilen wir Anfeuerer uns auf. Einer bleibt am Schwimmausstieg, ich gehe mit hoch in die Wechselzone. Und als der Zeugwart nach dem erfolgten Wechsel mit seinem Rad von dannen rennt bzw. fährt, wechsle ich an die Radstrecke. Mittlerweile habe ich auch Fotografengesellschaft und spontan eine Kamera umgehängt bekommen. So schnell geht das manchmal. 



Natürlich muß ich nicht extra erwähnen, dass keines der hier gezeigten Bilder von mir ist... alle Fotos hat mal wieder der coolste Haus- und Hoffotograf gemacht, den es in unserem Bekanntenkreis so gibt. Ich habe trotzdem zahlreiche Bilder gemacht, aber bisher keines ansehen können. Zu einer guten Kamera gehört auch die Zeit und Muse, sowie ein Bearbeitungsprogramm. Die Post-Production ist nämlich mindestens genauso wichtig wie das Fotografieren an sich. So lümmeln wir also munter auf der Straße rum und schießen zahlreiche Athletenfotos.

Mittlerweile hat es sich auch so aufgewärmt, dass ich tatsächlich die Jacke aufmachen kann. Trotzdem finde ich es für die Athleten immer noch unangenehm frisch. Der Zeugwart muß heute zwar nur Rad fahren... trotzdem wird das für einen Erkältungsanflug reichen. Ich hoffe, es haut ihn nicht zu sehr aus den Radschuhen...

Freitag, 22. August 2014

Eisgekühltes Schwimmen

Wir verbringen ein paar Tage in der Nähe von Osnabrück, weil unsere Steinheimer Triathlon Homestay Familie vom letzten Jahr ein besonderes Familienfest begehen kann. In NRW ist nämlich Einschulung und weil der Zeugwart ein großer Bastler ist hat er sich an der Schultüte gütlich getan. 



Und weil eine Einschulung auch ein besonderer Tag in einem Kinderleben ist, nehmen wir uns frei und verbringen ein paar Tage im Norden.

Und der gibt sich wirklich alle Ehre gerade auch temperaturmäßig jedem -und wirklich ausnahmslos jedem- Vorurteil gerecht zu werden. Als wir heute früh aufbrechen, um das neue Schulkind zur ersten Stunde zu begleiten, nutze ich die Gelegenheit und mache einen Abstecher ins Freibad.

 
Hier zahlt man beim Schwimmmeister, weil die Kassenfrau um diese Uhrzeit noch nicht mit Anwesenheit glänzt und bekommt gleich ein paar Auskünfte zur Wasserqualität, zu Öffnungszeiten und zu generellen Verhaltensweisen am Pool. Das Schwimmen mit Neoprenanzug ist zum Beispiel ausdrücklich gestattet und Sportler sieht man hier gerne, sagt der Schwimmmeister. Und außerdem sagt er auch, dass er mich für mein gezahltes Eintrittsgeld nicht zeitlich einschränkt. Ich darf so lange schwimmen, wie ich es im Wasser aushalte. Die Temperatur sei allerdings derzeit weniger verlockend und läge ein Stück unter 20°C.
 
Ich ziehe mich also um und bin schon beim laufen zum Becken froh über den Neo. Hier kümmert sich der Norden wirklich ausgiebig und hat auch noch Wind am Start. Bei den zwei Schritten, die ich barfuß über den Boden mache, weil ich die Schlappen schön ordentlich in die Reihe der bereits abgestellten ablege, halte ich vor Kälte erst mal die Luft an. Ganz schön frisch. Wer kommt halt auch drauf bei 10°C ins Freibad zu marschieren? Dazu möchte ich weiter nichts schreiben.
 
Ich schwimme mich erst mal ein und versuche warm zu werden. Im Neo sollte das eigentlich kein Problem sein. Meint man so. Aber ich werde eines Besseren belehrt. Zügig. Das Wasser ist eiskalt. Gut, dass der Arzt die Schwimmzeit mit Beinen merklich eingeschränkt hat und ich so ganz prima nach 30Minuten aus dem Wasser steigen kann. Mir ist nun aber auch ordentlich frisch. Eisgekühltes Schwimmen ist nicht so wirklich meins. Ich beeile mich in die Schlappen zu kommen und den kalten Platten zu entfliehen. Wenn ich hier fest friere gibt es nur den Schwimmmeister, der mich retten könnte... und wer will das schon?
 
An der Bank angekommen muß ich erst mal vor Kälte durchschnaufen. Ein paar Damen älteren Semesters stellen sofort fest, dass ich neu bin, nicht von hier und befragen mich, ob ich denn wohl in Zukunft öfter vorstellig werde. Wahrscheinlich schwimmen die normalerweise auf Bahn 4 und sind froh, dass ich nun abdampfe, weil ich die quasi unschwimmbar gemacht habe. Immerhin habe ich garantiert rumgespritzt. Oder sowas.


Nachdem ich es dann in die Dusche und in die Umkleide geschafft habe, bin ich froh, dass mein Schwimmrucksack automatisch auch immer mit einer ordentliche Mütze ausgestattet ist. Die gehört bei Schwimmrucksäcken quasi zur Basisausstattung. Bei mir zumindest. Und wieder einmal bestätigt sich, das das gar nicht so unschlau ist, weil der Norden es auch schafft, dass der Vormittag ähnlich kalt ist, wie der frühe Morgen, als ich losmarschiert bin.




Mittwoch, 20. August 2014

Lichtblogger

Ich freue mich so! Im Juli habe ich mich beworben und hatte offensichtlich so richtig Glück, denn mein Blog gefällt und  LED Lenser hat mich deshalb ausgewählt und zukünftig darf ich derren Produkte als Lichtblogger testen. Das finde ich klasse. Gerade aus dem Grund, weil der Zeugwart, der seinem Namen selbstverständlich auch im Bezug auf Licht alle Ehre macht, ein guter Mittester ist.
 
Ich freue mich auf Licht zum laufen, weil ich das bestimmt mit dem heilenden Knie bald wieder kann und die dunkle Jahreszeit ja wie geschaffen ist für Licht. Außerdem freue ich mich auf Licht zum Fahrrad fahren, weil mein neues alltagstaugliches Fahrrad bisher keine Beleuchtung hat und ich im Wald natürlich auch etwas sehen muß. Und ich freue mich auf Licht zum suchen... weil ich in letzter Zeit öfter mal in dunklen Ecken rumstöbere. Warum auch immer. Licht trägt meistens zus Klärung bei.
 
Ich bin gespannt, wie der Produkttest abläuft und wann es genau los geht. Bisher gab es nur  eine Vorabinformation... so zur wochenmittigen Freude.