I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Eimer, Couch und Socken

Schon Anfang des Jahres habe ich mir in einer Weiterbildung den Termin für den heutigen Quetsche Cross Duathlon notiert, bei dem die Teamchefin wegen des Zielkuchens gerne starten wollte. Ich allerdings hatte mir den heutigen Tag und vor allem die gestrige Nacht ganz anders vorgestellt und so startet ein Teil der Horde heute in Rockenberg und ich schaffe es gerade so auf die Couch. Dabei zittern meine Beine wie Espenlaub, ein Eimer ist immer in der Nähe und Cola sowie Salzstangen gehen nur mühsam an mich. Die beste Krankheit taugt einfach nichts. 
Heute fällt also nicht nur das Anfeuern beim Duathlon flach, sondern auch mein geplanter 10km Lauf. Alles was ich heute laufend bewältige ist die Strecke zwischen Toilette und Couch... die aber dafür mehrfach. Allerdings vollkommen ohne Elan und immer mit am Türrahmenfesthaltepausen. 
Ich fühlte mich einfach schrecklich. Mir tut alles weh. 

Bleibt also heute genug Zeit um nachzudenken, das geht nämlich vollkommen ohne bewegen und paßt daher gut zu meinem derzeitigen Zustand. 
Es ist nicht mehr lange hin, und Joey Kelly läuft mit mir 21km kreuz und quer durch Köln. Mittlerweile weiß ich auch schon, wann wir uns am Wettkampfmorgen wo treffen und leite daraus eindeutig ab, dass Joey ein Frühaufsteher sein muß. Oder es bleibt ihm einfach keine Wahl? 
Gerade erst habe ich einen Bericht über sein Abenteuer "durch Amerika ohne Geld" gesehen und festgestellt, dass Joey in echter Teufelskerl sein muß. Gute Nerven wird er sicherlich auch beim Halbmarathon mit mir zusammen brauchen, da könnte ihm die Teamchefin noch den ein oder anderen Tip geben. 

Gut, dass ich mein Wettkampfoutfit bereits Probe gelaufen bin und damit nicht bis zu diesem Wochenende gewartet habe. Die Strecke zwischen Couch und Bad wäre nicht lange genug um zu prüfen, ob es für den Halbmarathon gut sitzt. Die O-Motion Socken, die zu meinem Gewinn dazugehören, passen prima, sind angenehm zu tragen und werden deshalb auf jeden Fall mit nach Köln kommen um sich die Halbmarathonstrecke anzuschauen. Laufshirt, Hose und Schuhe sind auch gesetzt. Darüber muß nicht mehr diskutiert werden. 

Auch die Verpflegung habe ich schon mehrfach ausprobiert und nun zusätzlich festgestellt, dass meine Planung einfach grandios zum Aufbau der Verpflegung an der Strecke paßt. Dextro Energy wird an den einzelnen Verpflegungsstationen beim Halbmarathon gereicht und weil ich mit dem Gel geübt habe, ist das ja wirklich wie ein 6er im Lotto. Normalerweise macht der geübte Wettkämpfer das sicherlich andersrum und erkundigt sich vorher beim Veranstalter was für Verpflegung gereicht wird. Dann wird genau das gekauft und ausprobiert und dann wird gelaufen. Schön, dass ich mit meiner Variante offenbar trotzdem ins Schwarze getroffen habe.  

Die Teamchefin berichtet übrigens vom Duathlon und alles, was ich in der Couchlage mitbekommen habe, ist, dass die Strecke immer nur Berg auf ging. Wie genau der Veranstalter das geschafft hat ist mir allerdings unbegreiflich, trotzdem wird es ganz sicher so gewesen sein, wenn die Teamchefin es mit ihren Beinen als Zeugen behauptet. Im Ziel wurde Quetschekuchen gereicht, das war ein Highlight. 

Wenn jetzt noch die Bauchkrämpfe weggehen und ich das Badezimmer einfach mal weniger als vier mal die Stunde sehen würde, wäre es ein wirklich netter Abschluß des Tages.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Bäriges Versprechen

Lieber Bär,

sicherlich hast Du längst von den Plänen einzelner Hordenfrauen gehört, die sich bereits jetzt über ihre Wettkampfplanung im kommenden Jahr mehr als einen Gedanken machen. Die Damen sind einfach unverbesserlich, ehrgeizig und voller positiver Emotionen, so dass ich mich habe anstecken lassen. Ich kann mich dieser Energie wirklich selbst kaum entziehen und habe meine Anmeldung für den swim&run in Köln deshalb schon praktisch fertig. Es gibt keinen Zweifel mehr, melden sich die Hordenfrauen Bibi und Teamchefin für den Wettkampf an, bin auch ich dabei.

Der Zeugwart zieht ebenfalls mit und vermutet bereits jetzt, dass ich ihm auf der Strecke nah auf den Fersen sein werde. Darüber muß ich noch sinieren, ist das wirklich im Bereich des Möglichen? Der Zeugwart in greifbarer Nähe? Wahnsinn.

Aber jetzt zu Dir, immerhin bist Du hier ja direkt angesprochen.:

Lieber Bär, wenn Du nach absolvierter Volksdistanz: 1 km Swim / 7 km Run im Ziel auf mich wartest, spendiere ich Dir einen Kasten Faustbier. Jetzt ist es amtlich.

Ich stelle auch keine weiteren Ansprüche, außer dass im Ziel abgeklatscht, und auf der gesamten Strecke gelächelt wird. Der Profiathlet wird das Lächeln überwachen, denn wie ich gestern vernehmen mußte, wird seine Karriere im kommenden Jahr weitesgehend auf Eis gelegt und / oder an den Nagel gehängt, so dass er sich nunmehr lediglich anfeuerungstechnisch an Wettkämpfen beteiligen wird. Für Dich heißt das im gleichen Atemzug des Bedauerns aber auch: Unterstützung aus vollem Halse. Da kannst Du Dir sicher sein.

Ich freue mich jetzt schon lieber Bär!

Sonntag, 30. September 2012

Schutzengel läuft.

Die Zeiten haben sich geändert. Früher konnte man sich nicht vorstellen Leute anders als persönlich zu kennen und heute kennt man viele Leute eben irgendwie persönlich aber nicht von Mensch zu Mensch, sondern über das Internet.

Heute ist ein besonderer Tag. Wir laufen in Frankfurt den "Race for the Cure". Wir, dass sind Anja's laufende Schutzengel.  Ich gehöre dazu. 
Obwohl ich von der Gruppe vielleicht 5Leute schon mal persönlich getroffen und Anja lediglich im Umkreis mal bei Wettkämpfen oder bei der Swimnight hallo gesagt habe, war für mich sofort klar, dass ich mitlaufe. Eine gute Freundin von Anja hat bei Triathlon-Szene einen Aufruf gestartet, so dass ich die Gelegenheit zur Onlinevoranmeldung genutzt habe. Bei Anja wurde im Mai, kurz nach dem Triathlon in Gelnhausen, bei dem wir sie noch angefeuert haben, der Krebs entdeckt. 

Mit insgesamt 161 Leuten bilden wir heute die größte private Supportergruppe und bekommen vom Veranstalter ein eigenes Zelt für die Ausgabe der Startnummern aufgestellt. Als ich heute früh noch mal flott ins Forum schaue, ob alles so ist, wie gestern und ich einfach nur laufen muß, stelle ich fest, dass ein Gruppenbild gemacht werden soll und es deshalb gut wäre, wenn ich in 45Minuten am Pavillion bin. Wow. Das ist dynamisch, aber der Zeugwart und ich sind engagiert und so springe ich in die Laufklamotten, die ich gestern schon rausgelegt habe. 

Meine Hose hat grüne Streifen, denn weil Anja auf grün steht, haben die Organisatorinnen angeregt, dass jeder von uns was grünes beim Lauf dabei hat. Als der Zeugwart und ich am Pavillon ankommen erkenne ich die Schutzengel sofort... wirklich jeder hat sich nämlich tatsächlich bemüht was grünes zu finden. Grüne Bufftücher, grüne Stirnbänder, Mützen, Kappen, Haarbänder, Shirts, Hosen, sogar ein Hemd tritt heute über die 5km an. Wow. Die Helferinnen, die unsere Startshirts und Nummern ausgeben, tragen grüne Engelsflügel. 

Dann geht alles ganz zackig und Anja hat ganz viel zu tun. Sie gibt Interviews fürs Fernsehen, steht mittig zwischen ihren Engeln für ein Gruppenbild und begrüßt ganz viele Mitläufer. Wir lernen Pantone und ihre Familie kennen und treffen Julia, die mit mir vor zwei Jahren die Meile in Oberursel gelaufen ist und sehen Nina wieder, mit der wir schon zusammen beim Ironman angefeuert haben. Um Anja zu unterstützen sind auch Läufer von recht weit weg angereist. Toll, was das Internet möglich macht. 

Lisabet läuft heute auch mit. Wir haben ausgemacht, dass wir nach dem Lauf zusammen heim laufen, weil sie verrückte 30km als Marathontraining laufen möchte und ich noch einen langen Lauf für den Joey absolviere. Madita läuft heute nicht. Ihre Wadenkniepartie beschwert sich regelmäßig und da alles auf den Ironman im nächsten Jahr ausgerichtet ist, möchte sie verständlicherweise nichts riskieren. 

Lisabet und ich beziehen Stellung und laufen einträchtig nebeneinander her. Wir überholen viele, springen auf Bordsteine, umlaufen Walkergruppen, erlaufen uns die Brücken und sind nach 32Minuten im Ziel. Respekt. 
Da bekomme ich meinen Finisherbeutel, besorge uns was zu trinken und dann ziehe ich mir ein anderes Shirt an und verabschiede mich mit ein paar guten Wünschen von Anja. Lisabet und ich laufen, nach einem weiteren Stop an den saubersten Dixiklos Frankfurts, los in Richtung zu Hause. Mit ein paar Gel/ Riegel Essensgehpausen und Wassertrinkgehpausen laufen wir in Richtung Offenbach am Main entlang. Gott, komme ich mir sportlich vor. Madita und der Zeugwart nehmen indes die Autos. Und während wir so laufen denke ich mir mehr als einmal, dass ich mich besser auch mal ins Auto gesetzt hätte. Weil es einfach so anstrengend ist. Die Vorbelastung von gestern ist hier eindeutig meine Ausrede... meine Oberschenkel haben sich nämlich nicht an die Anweisung gehalten und schmerzen extrem. 

Die letzten 1,5km könnte ich nur noch gehen, daher rufe ich den Zeugwart an und er holt mich ab. Meine Oberschenkel bringen mich zur Verzweiflung. Gehen ist nicht gut möglich, normales Tempo auch nicht, langsam laufen geht, ist aber so anstrengend, dass die Schmerzen nur noch größer werden. Wie es ist, ist es eben verkehrt. Wenigstens scheine ich das Gel gut zu vertragen... das ist ja schon mal was. 
Nach aufgerundeten 18km versuche ich ins Auto einzusteigen. Wenn es sich heute schon so anfühlt, was wird dann erst morgen sein?
Lisabet macht die 30km voll und rennt einfach weiter, leichtfüßig, als wäre sie gerade erst gestartet. Gut, dass ich sie gefragt habe, was sie zum Frühstück ißt... so kann ich diesen Trick beim nächsten Lauf auch anwenden.

In der Runnersworldgalerie sind wir auf Bild 101 toll getroffen.

Samstag, 29. September 2012

Bischen Effekt

Heute wird Gel-essen trainiert. Ich kann ja eh nicht im laufen essen, muß das aber irgendwie für den HM schaffen, wenigstens im gehen Gel und Wasser zu trinken. Und weil es ja vorher geübt werden muß, ist heute der Tag der Tage. 
Ich steh früh auf und frühstücke. Das will ich nämlich auch gleich ausprobieren. Dann lümmel ich noch ein bischen rum und laufe zwei Stunden später los. Vorher nehme ich daheim noch ein Dextro Gel. Von denen haben wir einige daheim (war mal ein Gewinnpaket), so dass ich die heute ausprobieren kann und morgen gleich noch mal. 

Es läuft schleppend. Ich merke, dass ich es heute schwer haben werde. 

An der Brücke laufe ich hoch, damit ich das auch gleich ein bischen trainiere, und dann mache ich eine Gehpause um ein Gel zu essen. Im Laufen kann ich es zwar aufschrauben, schaffe aber nicht, meinen Mund zu treffen. Oh man. Ob ich das jemals lernen werde? Ich spüle mit Wasser nach und beende die Gehpause. 

Nachdem ich eine weitere Rampe hoch auf den Damm gelaufen bin, läuft es urplötzlich wie am Schnürchen. Offensichtlich schlägt das Gel voll durch und so schmeisse ich die Füße hoch und renne nach Hause. Ist wahrscheinlich nur ein Placeboeffekt, aber egal. Hauptsache Effekt. 

Als ich die Uhr stoppe steht 1:05Std. drauf. Für 10km war das ja doch nicht so schleppend. Fühlte sich aber irgendwie so an. Und meine Oberschenkel lassen mir jetzt schon über mein Gehirn ausrichten, dass sie den Lauf total ätzend fanden und sicherlich ein paar Tage schmerzen werden. Oh oh. 

Morgen habe ich Großes vor und hoffe deshalb darauf, dass sie erst am Montag mit den Schmerzen loslegen. Ich möchte nämlich beim Race for the Cure mitlaufen, da bin ich beim größten privaten Supporterteam gemeldet "Anja's laufende Schutzengel". Und im Anschluß laufe ich dann heim. Ganz verrückt. Irgendwie. 

Freitag, 28. September 2012

Luxusschwimmen

Wie schön, wenn man im Überfluß schwelgen kann... heute ist es bei uns im Schwimmbad so weit. Laut der Stadt Frankfurt haben wir Winter, was bedeutet, das Freibad ist mit der Traglufthalle ausgestattet und wir schwimmen auf der 50m Bahn "drinnen". Die Umkleide ist sau kalt, aber die Dusche warm. 

Wir belegen heute drei Bahnen, weil Luxus einfach wunderbar ist. Ich suche mir eine ruhige Bahn aus... denn die anderen Bahnen haben Trainingspläne, die ich mir heute nicht zutraue. 3000m finde ich für heute einfach zuviel. 

Ich schwimme mich ein, mache dann einen 1000m Test und schwimme mich aus. Beim Einschwimmen mache ich noch 100m Badewanne und achte auf meine Technik. Das ist für mich heute das Höchste der Gefühle. 
Den 1000m Test schwimme ich in 21Minuten. 500m schwimme ich ganz locker ohne Beine in 10min. Beim Ausschwimmen benutze ich meine Beine dann auch mal. 

Dann übe ich noch das Aussteigen aus dem Becken, aber mein Bein schafft es nicht nach oben, also wird es vorerst erst mal beim "Hinternausstieg" bleiben. 

Die anschließende Dusche ist herrlich, die Umkleide nach wie vor ziemlich kalt, aber ich bin froh, dass ich zum schwimmen gefahren bin. 
Der Zeugwart hat heute etwas Schulterprobleme. Wir hoffen aber, dass es Muskelkater ist. 

Donnerstag, 27. September 2012

Partypeople

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und so haben wir selbstverständlich bereits im Urlaub für heute vorgesorgt. Die Teamchefin feiert heute ihren Geburtstag, Feste soll man nämlich feiern, wie sie fallen. Und unser Geschenk kommt aus Kanada. Das ist ja schon mal was.
Als wir, nach einem langen Arbeitstag, der keineswegs als erfüllend und spannend in die Analen eingehen wird, auf dem Berg eintreffen, ist die Party schon in vollem Gange. Wir haben bei der Teamchefin schon in den verschiedensten Locations gefeiert und heute ist der Partywintergarten dran. Auch sehr schön. Hier wird meine Figur des öfteren auf die Probe gestellt, Leute mit längeren Beinen haben hier eindeutig einen Vorteil.

Nachdem wir unsere Glückwünsche losgeworden und ich die Örtlichkeit besichtigt habe, bekommen wir, wie bei der Teamchefin üblich, erst mal was zu essen serviert. Das ist, wie so oft natürlich viel zu wenig und als ich den Teller sehe, weiß ich, dass wir -wie immer- hunrig nach Hause fahren werden.
Es gibt Kartoffel mit sonstwas, was sehr lecker schmeckt. Dazu gibt es Soßen und jede Menge nette Gespräche sowie eine Himmelsführung.
An der Wintergartendecke befinden sich nämlich für den Laien wirr angeordnete Lampen. Wie ich aber erfahre, handelt es sich um die familiären Sternzeichen. Das ist ja einfach. Möchte man meinen.
Nachdem wir praktisch jedes Sternzeichen durch haben und sie uns doch nicht merken können, finden wir es eine super Idee, lassen aber jegliche weitere Bestimmung und widmen uns Wichtigerem.

Sportlergesprächen.

Ich dachte ja eigentlich, der Expertentalk wäre einzig und alleine ein Phänomen in der Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon und findet nur in der BMW Niederlassung in Frankfurt statt. Daran sieht man, dass mich meine Arbeit offenbar so mitnimmt, dass ich mich kaum richtig konzentrieren kann. Der Expertentalk ist immer und überall. Heute daher also in diesem Theater.

Egal zu welchem Thema, es gibt immer eine Expertin dazu, die mit hilfreichen Tipps, therapeutischen Fragestellungen oder Wettkampfberichten aufwarten kann. Kein Bereich bleibt offen, alles kann abgedeckt werden, wirklich jedes einzelne Thema, eben einfach alles. Wenn man nicht da war, kann man es sich nicht so vorstellen, es ist aber so. Alles.

Da muß ich erst mal mit klar kommen.

Der TurTur kündigt mir heute Großes für die kommende Saison an, läßt mich aber ansonsten jäh im Unklaren was die Überraschung sein soll. Ich rate wild durcheinander, werde dabei selbstverständlich auch von der Expertin unterstützt, und bin doch überrascht, dass wir selbst zu zweit offensichtlich nicht darauf kommen. Der TurTur verheimlicht seinen Plan geschickt und so muß ich sicher stellen, dass ich ihn in der kommenden Saison gut im Auge behalte.
Derzeit steht aber erst mal seine Vorbereitung für den Frankfurt Marathon auf dem Plan. Da kann ich spontan die Empfehlung für einen Vorbereitungshalbmarathon aussprechen. Von meinem Vorschlag scheint die Prominenz nicht so 100% überzeugt. Aber der TurTur ist entflammt. Heute sind noch 30Tage, das hat mir Dieter Baumann ja gestern oft genug vorgerechnet. Der TurTur kann auf unsere Unterstützung zählen, die Prominenz natürlich auch. Von der Prominenz und von Frau Duck sitze ich heute einfach zu weit entfernt. Die Sitzordnung beim nächsten zusammentreffen muß anders sein. Ich bin, was die Damen angeht, gar nicht auf dem neusten Stand. Schade.

Ich lerne noch allerlei über Pferde und Hunde und finde es einmal mehr irgendwie schade, dass ich nicht auf dem Land wohne und nicht im Lotto gewonnen habe, denn sonst könnte ich mir einen Hund halten und nicht arbeiten gehen. Nun ja... vielleicht wird es noch was. Wobei die Herfahrt auf den Berg von Straßensperrungen und lustigen Ortsnamen geprägt war. Mein Favorit: Wolf. Herrlich.

Bibi ist heute auch da. Leider hat sie den Bär vortragenderweise in den Süden geschickt, so dass er es nicht geschafft hat.
Und weil sie herzlich verrückt ist, überlegen wir gleich gemeinsam, welche Distanz die Teamchefin und sie denn wohl beim Swim&Run in Köln nächstes Jahr absolvieren wollen. Meine Distanz, falls ich überhaupt so wirr bin und mich anmelde, wird die Mitteldistanz sein. 2km Schwimmen, 14km laufen. Das ist das Höchste der Gefühle.

Bibi würde 12km schwimmen, wenn sie jemand begleitet. Dabei schaut sie nett in meine Richtung, ich glaube sogar, ich sehe ein Augenklappern. Ich bin mir aber sicher, dass sie nicht glaubt, dass ich derjenige sein könnte. Sie ist schließlich bodenständig und sollte es besser wissen, oder? Ansonsten kann sie ja auch sofort den Expertinnenrat einholen. Ist ja heute inklusive.
Mein Plan ist wie folgt: Bibi startet auf der Langdistanz und ich starte auf der Mitteldistanz und sie wartet im Ziel auf mich. Und wenn der Bär auf der Kurzdistanz startet und ebenfalls im Ziel auf mich wartet, dann spendiere ich ihm einen Kasten Faustweizen. Bären mögen das. Die Teamchefin darf sich einreihen wo sie möchte, außer natürlich auf der Kurzdistanz. Schließlich wird sie Langdistanzathletin, da ist Kurzdistanz ja gar nicht mehr im Wortstamm enthalten, man kann also nicht starten. So wird’s sein.

Jetzt kommt der Höhepunkt des Abends, denn die Teamchefin hat bislang nur ein Augenmerk auf ihre Gäste gelegt und noch keine Geschenke ausgepackt. Das passiert jetzt und ich stelle fest, die Teamchefin bekommt wunderbare Ironmanvorbereitungsgeschenke und freut sich sichtlich. Ich find's klasse, wenn der Freundeskreis ein Vorhaben so unterstützt. Zukünftig wird die Teamchefin sich also nach den Trainingseinheiten in kuscheliger Atmosphäre erholen können, während der Trainingseinheit genug trinken und zum Training in warmer Kuscheljacke gehen. Außerdem wird sie sicherlich im neuen Lebensjahr viele Stunden darauf verwenden müssen, das Geburtstagskuchenrezept aus dem Profiathleten heraus zu kitzeln.

Als wir spät vom Berg wieder herunterfahren nutzt der Zeugwart den Sportbutton und ich den Weg für einen ersten Powerschlaf um die reichlich platzierten Expertinnentips ausreichend zu verarbeiten. So viele Experten innerhalb einer Woche zu verkraften ist eine schwere Aufgabe für mein auf der Arbeit stets gut gefordertes Gehirn. Aber ich bin ja stets bemüht.

Mittwoch, 26. September 2012

Sag "Lücke", dann sprinte ich.

Ich bin spät dran und so schlüpfe ich besonders leise in die BMW Niederlassung auf der Hanauer Landstraße. Vorne wird gerade eine Staffel vorgestellt. Netterweise hat der Zeugwart mir einen Platz frei gehalten. 
Eigentlich wollte ich heute mit den Vereinsmädels laufen gehen, aber ich arbeite zu lange und so laufen sie alleine und ich schleiche mich neben den Zeugwart. Heute findet der nächste Expertentalk statt. 

Gerade rechtzeitig, als Dieter Baumann die Bühne betritt und den heutigen Vortrag beginnt, habe ich Platz genommen und es mir gemütlich gemacht. Timing ist alles. Vorher höre ich noch auf einem Ohr, dass ich 80.000EUR Prämie kassiere, wenn ich in 2:19:xxStd. ins Ziel laufe. Gut. Ist notiert... ich werde einfach mal schauen, was sich machen läßt. 

Dieter ist sich unschlüssig, ob er den prall gefüllten Saal dutzen oder sietzen soll. Das macht ihn gleich sympathisch, finde ich. Genauso wie sein Dialekt. Herrlich. 
Er bitte den Moderator ihn nach 60Minuten mit dem Hinweis "Lücke" darauf aufmerksam zu machen, dass eine Stunde rum ist. Wenn er das Wort Lücke hört, dann sprintet er, so seine Erklärung dazu.


Dienstag, 25. September 2012

Der Profiathlet verdutzt.

Bei großen Events wie dem Ironman oder dem Frankfurt Marathon ist es üblich, sich als Veranstalter bei den Helfern zu bedanken. 

Das klappt im allgemeinen ganz gut, denn meistens gibt es für Helfer einen Goodybeutel, der ähnlich dem Startbeutel für die Athleten, mit allerlei Feinem bestückt ist. Die Helfer bekommen Essensgutscheine und bei manchen Wettkämpfen geht der Veranstalter sogar so weit, dass eine Helferparty im Anschluß an das Event veranstaltet wird. 
Der Ironmanveranstalter macht eine, die unter den Helfern wohlbekannt und äußerst beliebt ist. Ich hörte  sogar schon davon, dass Helfer nur helfen, weil es im Anschluß diese schöne Party gibt. Das ist wirklich super. 

Ich wurde in diesem Jahr als Helfer beim Frankfurt City Triathlon angeworben. Obwohl die Anwerbung recht kurzfristig geschah, hab ich gerne geholfen und hatte dabei jede Menge Spaß, eine Portion schockierendes und auch ein paar verrückte Erlebnisse. Im entsprechenden Bericht hatte ich den Tag ja bereits recht ausgiebig geschildert. 
Spaß dabei haben, das ist ja schon mal was. Für mich was dieses Event angeht übrigens das Einzige, neben dem Helferbeutel, denn eine Einladung zur Helferparty habe ich nicht bekommen. 
Aus Facebook erfahre ich nun zufällig beim "nach Urlaubs Neuigkeiten Check", dass selbige nämlich am vergangenen Freitag statt fand. Unfassbar. Und ich hatte mich wirklich darauf gefreut! Der Zug ist wohl abgefahren.


Sonntag, 23. September 2012

Die Bauchrichtuhr

Ich wurde gelockt und bin darauf reingefallen. Tja, so sind sie die Vereinsmädels. Sie meinen es gut und machen mich fix und alle. 

Es war wunderbar! 

Ich freu mich. 

Heute früh habe ich den Schweinehund neben dem Bett liegen lassen, eine Kleinigkeit gefrühstückt (weil ich das mal ausprobieren wollte), mich angezogen und bin losgelaufen. Dabei habe ich mich maßlos unterschätzt und war 10Minuten früher am Treffpunkt, als vereinbart. Also bin ich noch locker hin und her gelaufen, ein bischen spaziert und am Schluß die Brücke hochgerannt um oben auf die Vereinsmädels zu treffen. Die kamen fein geordnet und mit jede Menge Getränke bewaffnet angerannt und nach einer kurzer Begrüßung ging's auch gleich weiter. 
Die Brücke runter. 
Uhiuhiu... die legen ja los. Na gut. Ich lasse mich darauf ein und weiß aber schon nach 300m, dass wir nicht die angekündigten 7min/km laufen. Mein Bauch hat ja eine Min/km Uhr eingebaut und die schlägt ja sofort Alarm. In letzter Zeit schaffe ich es immer knapp unter der Richtuhrzeit zu laufen. Aber ganz knapp. In meiner Welt heißt knapp übrigens ein paar Sekunden. Nur, falls dazu Fragen auftauchen.

Jetzt gerade laufen wir flotter. Nein... sagen die Vereinsmädels... sie denken, sie könnten mich mit Selbstsicherheit überzeugen und in Sicherheit wiegen. Aber ich bin skeptisch. Als der Km piept bekomme ich 7:27min/km gesagt. Ha ha... das kann nur den Grund haben, dass wir ewig für die Begrüßung gebraucht haben. Wir laufen derzeit trotzdem schneller. Ich bin weiterhin sicher, dass die Richtuhr in meinem Bauch die Sache richtig einschätzt. 

Wir unterhalten uns nett und ich kann sogar auch noch ganz gut sprechen. Ich japse nicht beim reden, würde aber, wenn ich alleine laufe nicht so laufen, sondern langsamer. Das liegt einfach daran, dass ich faul bin, wenn ich alleine laufe. Das kann man ruhig auch mal so schreiben, weil es wahr ist. 
Alleine laufen heißt für mich rumschleichen, schlapsen oder mal ein bischen schneller machen. Aber nicht kontinuierlich eine Geschwindigkeit schneller machen. Ich mache das einfach nicht. Ich laufe zwar gerne, aber ich komme wenn ich losgelaufen bin niemals auf die Idee jetzt mal flott zu machen. Warum das so ist finde ich bei Gelegenheit gerne heraus. Derzeit ist es aber so. 

Der nächste km Pieps läßt uns wissen, dass wir 6:45min/km unterwegs sind. Wow. Und das mit Unterhalten! Ich bin stolz auf uns. Wobei die Vereinsmädels eigentlich eine winzige Liga weiter oben rennen, als ich. Aber dafür, dass sie 7/km laufen wollten sind wir alles sehr dynamisch unterwegs. 
Und das Beste daran ist, dass meine Bauchrichtuhr ganz hervorragend tickt und das ganze auch noch richtig. Der Km piepser läßt uns noch ein paar mal wissen, dass wir gleichschnell unterwegs sind und ich behalte die Begeisterung bei. Außerdem lobe ich meine Bauchrichtuhr mehrfach während dieses Laufes. 

An der Panzerstrasse biege ich ab und verlasse die Vereinsmädels. Die laufen noch ewig weiter, weil heute ein 30km Lauf auf dem Plan steht. Gut, dass ich den Plan nicht gesehen habe! 

Als ich daheim ankomme, denke ich mir, dass ich eigentlich gut noch hätte 4 weitere Kilometer  mitlaufen hätte können. Hinterher ist man halt immer schlauer. Schade. 

Freitag, 21. September 2012

Jet Lag, ähhh Leg

Das Jet Lag hat mich voll im Griff. 
Erst kann ich gar nicht schlafen, dann will ich nicht aufstehen, weil ich endlich mal schlafen kann... es ist einfach schrecklich. Wie man es macht, ist es verkehrt. 

Es nützt aber nichts, heute wird gelaufen. 
Der Kapitän macht heute mit dem Altersprädsident Intervalltraining und spurtet immer einen Km in einer unmöglichen Zeit. Und weil dieser Kilometer auf meiner Laufstrecke liegt möchte ich mal hallo sagen. Das Thema dabei ist aber leider, dass der Kilometer auf meiner 10km Strecke liegt... da hätte ich besser mal vorher dran gedacht. 

Jetzt ist es dafür aber zu spät. Ich hab gesagt ich laufe hin... also laufe ich auch. 

Der Weg bis zum Kilometer ist gar nicht so lang wie befürchtet. Gott sei Dank. Der Zeugwart hat da eher zu knabbern. Er stellt seinen Laufstil ja noch immer um und das Vorfußlaufen ist ganz schön anstrengend für die Waden. 
Nachdem wir ausgiebig hallo gesagt und uns für Dienstag zum Schwimmen verabredet haben, laufen wir wieder nach Hause. 
Jetzt merke ich, dass meine Beine müde sind. Außerdem habe ich Bauchkrämpfe vom feinsten. 

Das Jet Lag stecke ich irgendwie doch nicht so gut weg. Muß am Alter liegen... die letzten Jahren ging das besser. Aber da bin ich natürlich auch nicht auf die Idee gekommen gleich mal 10km zu laufen. Heute heißt das Phänomen für mich eindeutig Jet-Leg. Paßt irgendwie besser. 

Morgen läuft die Teamchefin mit dem Profiathlet bei Friedberg einen 10km Wettkampf. Gut, dass ich was vorhabe und deshalb gleichzeitig eine Ausrede, dass ich nicht kann. Dafür laufe ich am Sonntag mit den Vereinsmädels... wenigstens aber keinen Wettkampf. 

Donnerstag, 20. September 2012

Mon dieu.

Ein Zwischenstop in Paris klingt eigentlich total verlockend. Ist er lediglich 25Minuten lang, schiebt sich das Ganze von verlockend zu abschreckend. Und heißt der Flughafen dann auch noch Charles de Gaulle wird mir demnächst sicherlich gleich schlecht. 

Wir landen pünktlich in Paris, warten aber eine gefühlte Ewigkeit, weil man derzeit leider keine Treppe findet, die man an unser Flugzeug anstellen kann. Ist ja kein Problem, ich hatte ja Urlaub, bin tiefenentspannt und nach der durchwachten Nacht, dank einer hypernervösen zittrigen Nachbarin, auch total belastbar. Was soll es also? Dass keine Treppe gefunden wird ist allerdings schon ein Ding. 

Als wir den Flieger verlassen steht kein Flughafenmitarbeiter bereit, der uns vielleicht den Weg zu den Anschlußflügen weisen könnte... wir laufen also auf eigene Faust los und finden irgendwie auch ein Schild. Natürlich auf Französisch... klar. Wir sind ja in Paris. Dass die Aufschrift "Transition" ebenfalls auf dem Schild steht übersehe ich fast, so winzig ist es geschrieben. 

Wir rennen zur Passkontrolle, reisen nach Frankreich bzw. in die EU ein, und wetzen weiter. Wir geben alles. Ein prima Zieleinlauftraining. Zum ersten Mal renne ich um den Platz im Flugzeug... ich brülle uns den Weg frei und wir hechten durch zwei Terminals. Irre. 

Wir waren noch nie so flott an der Durchleuchtung und ich habe den Zeugwart wirklich selten so fix seinen Gürtel ablegen sehen. 

Bei der Durchsage "final call for Munich" erreichen wir dann die Spitze unserer Leistungsfähigkeit und werfen der Dame am Gate förmlich unseren Boardingpass entgegen. Der Flieger soll in 4Minuten abheben. Ob das klappt? 

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass wir die ganze Aufregung nur gemacht haben, weil wir soviel Spaß an der Sache hatten. Der Zubringerbus in dem wir jetzt sitzen steht nämlich noch gute 15Minuten am Gate rum ehe wir überhaupt zum Flugzeug gefahren werden. 

Das wäre was für den Kopfschüttelblog. Ehrlich. 

Dienstag, 18. September 2012

Hat Montréal einen Dom?


Im Urlaub früh aufstehen ist fast so, wie an einem Wochenende daheim früh zu einem Wettkampf aufbrechen. Ich stehe etwas neben mir, muß aber wenigstens kein Rad verladen oder Auto fahren. Wir ziehen uns einfach nur an und gehen an Deck. Heute fahren wir nämlich in den Hafen von Montréal ein, der letzten Station unserer Reise. Nachdem ich Quebec City so genossen habe, bin ich sehr gespannt auf Montréal. Immerhin die zweitgrößte Französisch sprechende Stadt der Welt. Allerdings zählen sie dafür auch alle Vororte und das weitere Umland hinzu.

Die Einfahrt nach Montreal ist um 7h morgens. Für einen Urlaubstag wirklich früh... wir fahren am Olympiastadion und dem Olympiaturm vorbei, sehen die Notre Dame Kathedrale und schon fängt unser Kapitän an das Schiff in Parkposition zu bewegen. So eine Hafeneinfahrt ist wirklich imposant. Das Wetter ist herrlich und so gehen wir zum Frühstück und sitzen auf der Terrasse mit Blick auf die Skyline. 



Nachdem durchgesagt ist, dass wir an Land gehen dürfen geht es auch schon los. Wir wollen die berühmte unterirdische Stadt anschauen, denn in Montréal sind angeblich knappe 40km unter der Erdoberfläche bebaut, mit Geschäften, Banken und Behörden. Eine Stadt unter der Stadt eben, die man ganzjährig nutzen kann. 

Montag, 17. September 2012

Kein Trikot hilft.


Ich muß meine Lieblingsstadt - Wahl nach diesem Tag in Quebec höchstwahrscheinlich überdenken. 

Wir sind die ganze Nacht über den St. Lorenz Strom gefahren und blicken nun auf eine wirklich knuffig anmutende kleine Stadt. Oben auf einer Anhöhe sieht man ein eckiges Schloß, dass den Zeugwart und mich spontan an Disneyland erinnert. 

Nach dem Frühstück checken wir aus dem Schiff aus und wollen in die Stadt hinein. Die schickt extra Touristeninformanden an Bord um uns den Weg zu weisen, das ist bisher in keinem Hafen passiert. Sehr nett. Und als wir an Land gehen ist es uns noch unklarer, warum andere Städte das nicht machen und ausgerechnet Quebec City uns jemanden schickt. 
Die Stadt ist herrlich klein. Wir spazieren die französisch beschilderten Straßen entlang direkt in die Unterstadt hinein. Für eine kanadische Stadt sieht es hier reichlich anders aus  als wir es erwartet haben. 

Auch heute ist das Wetter herrlich und so spazieren wir durch die kleinen Gässchen unter dem Château Frontenac und staunen. Eine wirklich herrliche Stadt. 
Den Aufstieg zum Château machen wir mit einem Treppentraining... 

so hoch sah der Hügel gar nicht aus... ist er aber. Wir bummeln durch die kleinen Gassen und sind pünktlich zur Mittagszeit wieder zurück am Schiff. 

Sonntag, 16. September 2012

In Freiheit gefangen.


Ich wäre ein prima Gefängnisinsasse, außer dass mir jegliche kriminelle Energie fehlt die dafür nötig ist erst mal eingewiesen zu werden. Ich lese an den Seetagen ein Buch nach dem anderen, mittlerweile sind wir drei volle Tage auf See und ich lese mein fünftes Buch. Gut, dass es eine Bibliothek an Bord gibt. Gibt es im Gefängnis bestimmt auch, weiß ich aber nicht, weil ich ja bisher nie in einem war. 
Gestern war der Seetag mit einem Termin gespickt. Ich war um 15h Schwäne aus Äpfeln und Mäuse aus Melonen schnitzen. 

Mehr hatte ich nicht vor. Ich habe ansonsten gelesen. Den ganzen Tag. 

An Seetagen fühle ich mich auf diesem Schiff wie im Heim. Oder wirklich wie im Gefängnis. Selbst bei Hausarrest würde ich mich freier fühlen. Ich kann zwar raus und rein, also an die Luft, wie ich möchte... aber das bringt dem Gefühl des „nicht weg Könnens“ nichts weiter. Ich kann nicht weg. Genau wie alle anderen an Bord. Wir sind gefangen. 

Freitag, 14. September 2012

Museum ohne Erkenntnis


Wir erreichen heute spät Halifax in Nova Scotia. Spät heißt auf See circa 12h mittags. Ich setze das sofort um und schlafe lange... also genau so lange, bis ein fleißiger Matrose unser Kabinenfenster putzt. Dann bin ich wach. Er macht das geräuschlos, aber trotzdem merke ich es und wache auf. 

Wir frühstücken mit Blick auf die Küste von Nova Scotia und gehen danach an Deck um das Lotsenboot zu beobachten. Da man sowieso praktisch gar nichts anderes machen kann außer rumschauen, ist man automatisch total entspannt und legt jede Hetze ab. Also uns geht es zumindest so. Einige Herrschaften an Bord sind trotz dem, dass sie genauso wenig machen können, wie wir, total im Stress und haben für gar nichts Zeit oder einen offenen Blick. Sie hetzen umher, kämpfen am Buffett und ärgern sich mehr über alles als dass sie zufrieden sind. 

Wir stehen mit den Ferngläsern eine ganze Weile an Deck, halten nach Walen Ausschau und genießen die Sonne. Die scheint unaufhörlich, am Himmel ist keine Wolke zu sehen. Was das Wetter angeht hat der Zeugwart wirklich ein Händchen. Er hat Sonne und fast wolkenlos gebucht und auch bekommen. Wirklich super, ihn kann man diesbezüglich schicken. Zukünftig wird der Zeugwart all unsere Urlaube buchen, beschließe ich klammheimlich. Sein Zutun scheint eine gut-Wetter-Garantie zu sein. Schließlich laufe ich den ganzen Urlaub nur im T-Shirt und in kurzen Hosen durch die Gegend. 

Donnerstag, 13. September 2012

Banana position & Early Bird Lobster


Als ich wach werde ist Land in Sicht. Da ich annehme, dass unser Kapitän das längst bemerkt hat, mache ich mir nicht die Mühe jemanden von der Crew zu informieren. Wir ziehen uns an und gehen frühstücken. Man muß einfach Prioritäten setzen. 
Das riesige Schiff fährt durch jede Menge Reusen und schon legen wir auf Reede an. Vor uns liegt der Staat Maine, in Neu-England, und sein Küstenort Bar Harbor. Ursprünglich gegründet 1796 als „Eden“ auf Mount Desert Island und erst 1918 in Bar Harbor umbenannt. Eden hätte man es aber ruhig auch weiter nennen können, finde ich zumindest. Der Blick auf den Küstenort und die einzelnen Inseln rund rum ist toll und so schmeckt mir das Frühstück gleich noch ne Ecke besser. Obwohl es auf dem Schiff sowieso was die Essensauswahl angeht, eh keine offenen Wünsche gibt. 
Da wir nicht mit 50Leuten durch den Arcadia Nationalpark wandern möchten, heute aber auch nicht nur im beschaulichen Bar Harbor eine Lobsterbar nach der anderen unsicher machen wollen, haben wir uns schon zu Hause für einen Kajak Ausflug entschieden. Der Zeugwart ist bei so was ja immer gut dabei und so war der Ausflug schnell entschiedene Sache. Online zu Hause gab es sogar noch einen Rabatt... 

Mittwoch, 12. September 2012

Is this a bike tour?


Auf unserem Boot fahren nicht nur 1200 Mensch mit, sondern auch gute 60 Fahrräder. Das wollen wir natürlich ausnutzen und machen deshalb heute eine Fahrradtour. Weil wir uns nicht gut in Boston auskennen, nutzen wir alle Kapazitäten die wir anzapfen können und fahren mit Guide. Bane ist junge Anfang 20, sehr wortgewandt und aus Pinneberg. Er fährt heute mit uns kreuz und quer durch Boston, Cambridge und zeigt uns Harvard. So ist zumindest der Plan. 
Zuerst ist aber mal Treffpunkt am hinteren Treppenhaus auf Deck 3. Da bekommen wir unsere Fahrradhelme, Trinkflaschen und Müsliriegel. Offenbar arbeitet die AIDA derzeit mit Dextro Energy zusammen und so weiß ich sofort, dass mir das Getränk schmecken wird. Fruit Punch in Boston... lecker. Das paßt schon mal. 

Gut ausgestattet checken wir aus dem Boot aus und stehen auf einmal im Hafen von Boston. Hier bekommen wir unsere Fahrräder zugeteilt. 
Die Bike Guides der AIDA sind alle super nett und nachdem jeder sein Rädchen bekommen hat und weiß wie zu schalten und zu bremsen ist, fahren wir los. 

Montag, 10. September 2012

NYC zu Fuß und einfach nicht genug


Wie es das Jet Lag so will, sind wir heute früh wach. In einer Außenkabine hat man ja Tageslicht... aber um wach zu werden brauchen wir das heute nicht. Der Zeugwart ist schon vorher wach. Also bevor es das Tageslicht überhaupt bis nach New York schafft. Und weil ich ein aufmerksamer Schläfer bin, wache ich auch langsam auf. 

Heute verbringen wir den ganzen Tag in New York City und wollen deshalb, wie 90% der anderen Schiffsbewohner, möglichst wenig Zeit verschwenden. Wir frühstücken, wundern uns über den AIDA Frühstücksservice, das Speisenangebot und die vielen Ellbogen, die bei der Nahrungsaufnahme eingesetzt werden und starten den Tag. Draußen ist es herrlich, die Sonne scheint und macht den Tag vor dem schrecklichen Jahrestag zu einem Strahlenden. 

Wir fordern die New Yorker und ihre Hilfsbereitschaft heute heraus und erfragen Wege zu Triathlonläden. Und weil die Hilfsbereitschaft den Amerikanern anscheinend ebenso im Blut liegt, wie die oberflächliche Fragerei nach meinem Befinden, werden wir natürlich fündig. Wir finden also „Swim Bike Run“ direkt südlich vom Central Park und schauen uns um. Im Laden gibt es sogar einen kleinen Pool mit Gegenstromanlage um Neoprenanzüge Probe zu schwimmen. Die der Firma TYR werden hier in Diplomatenkoffern verkauft. Ich stelle mir den Koffer am Langener Waldsee vor. Das käme im nächsten Jahr bei den Swimnights sicherlich gut. Preislich gesehen ist nichts verlockendes dabei. Die Welt ist einfach zu schwammig geworden, praktisch alles, was es hier gibt, gibt es mittlerweile auch bei uns.

Sonntag, 9. September 2012

Die Welt ist kleiner als gedacht.


Nach dem wir unser Eincheckabenteuer der Koffer ja gestern erfolgreich hinter uns gebracht haben, müssen wir heute nur noch im neuen Bereich des Terminal 1 am Frankfurter Flughafen in den Flieger in die neue Welt einsteigen. Nur noch. Eigentlich ganz einfach, möchte man meinen.
Unser Flieger hat ein technisches Problem, was die Lufthansacrew freundlicherweise ehe wir einsteigen löst. Das dauert allerdings ein Weilchen. Und genau, als die Teamchefin und der Profiathlet beim Triathlon in Alzenau ins Ziel gelaufen sind und mir von ihrem Erfolg berichten, erheben sich um mich herum alle Menschen und drängen zum Flugzeugeingang. Offenbar geht es jetzt los? Ich krieg ja gar nichts mit, wenn ich in Triathlonerfolgsgeschichten schwelge. 
Nachdem die Teamchefin noch einen Duthlon pro Monat in diesem Winter angekündigt hat, verabschieden wir uns über den großen Teich. Unsere Reihe ist dran und wir steigen in den Kranich ein. 

Jeder hat einen eigenen Bildschirm vor sich und ich genieße das mit vollen Zügen. Vier Filme können einem die Flugzeit ganz schön verkürzen. Außerdem ist die Crew der LH402 vom heutigen Tag wirklich außerordentlich freundlich und fürsorglich. Ich bekomme sogar extra Getränke geliefert, ohne dass geklingelt werden muß. Die Stewardessen strahlen mich an, wenn sie Essen servieren, sie freuen sich, wenn sie es abräumen und geben mir schon gleich das vollkommene Urlaubsgefühl. Wirklich super. 

Samstag, 8. September 2012

Doofenschein

Endlich ist es soweit, der Erholungsurlaub steht vor der Tür und wir packen unsere Koffer. Es ist höchste Zeit mal wieder fremde Luft zu schnuppern und sich eine Auszeit zu gönnen. Manchmal hat man ja das Gefühl, es wächst einem einfach alles über den Kopf, und weil es mal wieder fast so weit ist, machen der Zeugwart und ich einfach mal Pause. 

Heute steht Kofferpacken auf dem Programm. Nachdem wir sicher sind, dass wir für Wind, Wetter, Meer, Wald und Stadt ausgerüstet sind, wiegt der Zeugwart das Gepäck und wir stellen fest, dass für über 12kg in den Urlaubsländern eingekauft werden kann, ohne das zulässige Koffergesamtgewicht zu überschreiten. Da wir bestimmt jede Menge feine Sachen finden werden, paßt das einfach wunderbar. 

Als es Zeit für den Vorabendcheck In ist, fahren wir zum Flughafen. Alles ist heutzutage schrecklich modern, und obwohl ich Blog online schreibe, mein Auto eine Spracherkennung hat und die Waschmaschine eine Vorwahluhr, bin ich total überrascht, dass ich an einem Automaten einchecken soll. 
Der Zeugwart und ich stehen also mit unserem Gepäck vor einem kleinen Automaten, der uns begrüßt und auffordert einen Paß einzulesen. Das ist ja einfach. Der Zeugwart legt seinen Paß auf und der Automat weiß sofort, dass es der Zeugwart ist, fragt aber noch nach der Flugnummer. Weil wir die zumindest ansatzweise wissen, tippen wir die ein. Und weil der Automat jetzt noch nach der Buchungsnummer fragt, ist gleich eine freundliche, hilfsbereite Mitarbeiterin zur Stelle, die fragt, ob sie uns nicht besser helfen soll. 
Wir sind ehrlich: ja, bitte... denn es gelingt uns einfach nicht uns auf bzw. in dieses Flugzeug einzuchecken. 
Die nette Dame hilft wo sie kann und als sie feststellt, dass uns mit unseren Nummern am Automaten einfach nicht zu helfen ist, drückt sie uns einen Doofenschein in die Hand und schickt uns zum Menschenschalter. 

Am Automaten einchecken klappt bei uns heute nicht. Der Doofenschein gestattet uns unsere Bordkarte am Schalter abzuholen. Dort sitzt ein junger Mann, der sein eigenes Waageband noch nicht verstanden hat, und liest unsere Pässe ein. Nachdem er unsere Koffer markiert und die Bordingkarten ausgedruckt hat, wissen wir auch, wann wir morgen Vormittag hier sein sollen, damit's auch mit dem boarden klappt. 

Der Zeugwart hat heute übrigens Muskelkater vom feinsten. Er stellt derzeit seinen Laufstil um. Dafür hat er sich einen neuen Barfußlaufschuh angeschafft und trägt bzw. läuft diesen nun ein. Das gibt Muskelkater. Aber weil wir die nächsten Wochen wahrscheinlich sowieso nur im Kreis rumlaufen werden, kann er sich dann prima dran gewöhnen... Runde für Runde.