I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Dienstag, 19. November 2013

Was ist denn passiert?

Wie kann man sich denn bloß solche Verletzungen zuziehen? Was hast Du denn gemacht? Außer den vielen Gute Besserungswünschen bekomme ich diese Fragen immer wieder gestellt. Ich verstehe das. Ich sehe schließlich wirklich zum fürchten aus. Unnötig zu erwähnen, dass es auch jede Menge Besserwisser gibt, die von "Sport ist Mord" oder "Radfahren ist grundsätzlich gefährlich" sprechen. 

Tja, und was ist denn nun eigentlich gewesen letzten Samstag? Im Trainingsplan des Zeugwarts und mir stand 2 Stunden Rad fahren drin. Bei 5°C gegen 13h legten wir also ordentlich Klamotten an. Beinlinge, kurze Hose und darüber meine Asics Windstopper Hose. Obenrum Sport-BH, Windstopper T-Shirt, Armlinge und eine Fahrradjacke, bei der ich, falls es doch zu warm werden sollte, auch die Arme per Reißverschluss entfernen könnte. Der Zeugwart ist ja etwas routinierter im Ankleiden fürs Radeln und war ebenfalls fix angezogen. 

Nachdem ich mein MTB aufgepumpt hatte, haben wir noch Mützen, Helme und Winterradhandschuhe angezogen und schon konnte es los gehen. Langsames Rollen am Main entlang und dann durch das Naturschutzgebiet der Steinbrüche in Dietesheim. Ich komme gefühlt mal grad gar nicht vom Fleck, der Puls ist weit unten und ich bin mir sicher, dass ich ein Thema haben werde, dem Trainer das hier heute als Trainingseinheit zu verkaufen. Wir radeln mit den MTB's also locker durch die Landschaft und treffen kaum jemanden. 5°C an einem Sonntagmittag locken offenbar nicht viele Menschen hinaus. 

Ich fahre hinter dem Zeugwart her durch den Wald. Wir fahren auf einem Asphaltweg und ich freue mich. Meine MTB- Fahrerei findet zu 95% auf asphaltierten Wegen statt. Theoretisch bin ich also mit einem MTB eh vollkommen überbewaffnet. Wenn wir mal nicht auf Asphalt unterwegs sind, dann liegt es entweder daran, dass zwischen zwei Asphaltwegen ein Stück Schotter liegt oder dass wir uns verfahren haben. Heute gibt es tatsächlich auch ein Stück Waldweg bevor wir den Asphalt wieder erreichen. Der Waldweg ist schlammig und voller Blätter. Ich bin froh, als wir endlich wieder den Asphalt erreichen. Die Blätter sind rutschig und ich finde es auch nicht besonders angenehm durch Schlamm zu fahren. 

Ich höre auf zu Treten, denn knappe 50m vor uns taucht die Bundesstrasse auf, die diesen Wald durchquert. Und weil ich ja eh nicht vom Fleck komme, muß ich jetzt, wo es auf die Strasse zugeht auch nicht noch extra Energie reinlegen. 




Der Zeugwart hört mich laut schreien und als er anhält und sich umschaut, liege ich bäuchlings auf dem Weg und bewege mich nicht. Mein Rad liegt seitlich nah an einem Baum. Ich weiß von diesen Geschehnissen heute nichts mehr. 
Als der Zeugwart mich auffordert mich umzudrehen blute ich aus Nase und Mund. Er ruft den Rettungswagen und rennt an die Straße um ihn einzuwinken. Ich erinnere mich an den Anblick meines Rades, wie es am Baum steht und die Kette abgefallen ist. Und dass ich mich gefragt habe, wie ich die jetzt wieder hoch kriege um weiterzufahren, ohne mich komplett einzusauen. 

Als der Rettungswagen kommt, will ich vom Weg runter um ihm Platz zu machen, erzählte mir der Zeugwart. Auch das weiß ich nicht mehr. Ich weiß dann wieder, dass der Rettungsassistent neben mir saß und mit mir durchgegangen ist, was mir denn alles weh tut. Und dass ich ihm meinen Namen sagen mußte. Was heute für ein Tag ist und was ich eigentlich hier mache. 

Im Krankenhaus verabschieden sich die Herren total nett und ich stehe mit meiner Trage alleine auf dem Gang und friere. Eine Schwester deckt mich zu und dann ist der Zeugwart da. Er war zwischendurch zu Hause, hat eine Tasche gepackt, sich umgezogen und kam zu mir. Irgendwann werde ich in einen Behandlungsraum geschoben. Das ist auch besser für den Verkehr in dieser Notaufnahme, denn alle Leute die hier rumlaufen sind total an meinen Anblick gefesselt. 

Mein Gesicht wird abgetupft und ich werde geröntgt. Von allen erdenklichen Seiten und an allen möglichen Stellen. Mein Knie tut mir schrecklich weh und mein Gesicht ebenfalls. 

Irgendwann ist der Zeugwart wieder da und wir warten auf die Ergebnisse. Die Röntgenbilder haben ergeben, dass ich nichts gebrochen habe und dass das ein wahres Wunder ist. Man hat einen Transport bestellt, weil ich mit meinem Gesicht schnellstmöglich zum Spezialisten muß und der sitzt heute in der Uniklinik in Frankfurt. Während wir auf den Transport warten, schaut noch jemand nach meinem Knie. Das ist zwar nicht gebrochen, tut aber trotzdem unheimlich weh. Ich schäle mich also mit Hilfe des Zeugwarts aus meiner Windstopperhose, meinen Beinlingen und meinen Schuhen und mir wird schlecht. 

Ich habe einen Krater im Knie. Igitt. Ich schaue nicht mehr hin, weil mir spontan ungut wird, werde notdürftig verbunden und dann auf einen Rollstuhl gesetzt. Der Transport in die Uniklinik beginnt. 

Nach nur knappen 15Minuten werde ich ausgeladen und auf einen Zahnarztstuhl gesetzt. Ich bekomme Spritzen ins Gesicht und oberflächliche Betäubungen und drei Menschen in weiß machen mein Gesicht sauber. Sie holen Erde, Steinchen und Walddreck aus meinem Mund und aus meinem Gesicht, so dass das kleine Tablett was üblicherweise blütend weiß ist, nach kurzer Zeit selbst einem Waldweg gleicht. Ich bekomme außerdem eine Schiene gesetzt um meine traumarisierten Zähne zu stabilisieren. In der Hoffnung, dass sich nicht noch mehr verabschieden. Ich werde noch mal geröntgt und irgendwann ist die Behandlung auch abgeschlossen. 

Der Zeugwart sitzt draußen und wartet. Und weil ich mich fit wie ein Turnschuh fühle, stelle ich mich kurz neben ihn. Wir müssen nämlich noch auf den Arztbrief und ein Rezept warten. Und wie wir hier so schön warten, kippe ich einfach um. 

So kann sich das Ärzteteam, was sich noch vor Minuten mit meinen Zähnen befasst hat, auch noch mal in der Bedienung des Notfallkoffers üben. Ich bekomme Sauerstoff, mein Blutdruck ist jenseits von gut und böse und mit ein bisschen Glukose gehts dann auch schon wieder. Wir wollten eigentlich heute Abend essen gehen... aber irgendwie hat das zeitlich nicht geklappt. 

Mir tut alles weh... und ich habe das Gefühl, als haben sich meine Prioritäten gerade deutlich verschoben. Der Zeugwart fährt uns nach Hause. 

Kommentare:

  1. Hallo Claudi,

    es ist schön das du trotz dieses Erlebnisses deinen Humor nicht verloren hast. Und echt übel was so passiert ist und das es mal wohl überhaupt nicht zu erwarten war. Aber das ist mit Unfällen wohl meist so.

    Ich wünsche dir schnelle Genessung und das du bald wieder aufs Fahrrad steigen kannst.

    Grüße
    Markus

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    1. Hallo Markus,
      ja... das ist wohl die Sache mit den Unfällen... plötzlich und unerwartet. Aber auch irgendwie gut, dass man mit so etwas nicht rechnet... sonst würden wir alle in Watte gepackt zu Hause sitzen. Das wäre auch blöd.
      Ich freue mich über die Genesungswünsche.Danke!
      Viele Grüße, Claudi

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  2. Hi Claudi,
    ach du ... ( übersetzt: meine Güte )
    Jetzt wird mir gleich ganz anders, wenn ich denke, wie wir am Sonntag mit den MTB im Wald die Wege runter gerast sind.
    Ich hoffe, es heilt alles gut und du kannst dich bald wieder ohne irgendwelche Probleme aufs Rad setzen.
    Diesmal hatte ich beim Lesen wieder Tränen in den Augen, aber nicht vor lachen...
    Liebe Grüße
    Karina

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    1. Liebe Karina,
      danke für Deine Worte. Es ist gut, dass Ihr unbeschwert im Wald unterwegs wart... so soll es sein! Das Leben genießen, solange es geht ist wichtig. Sich einzukapseln bringt nichts. Ich hoffe, dass meine Mechanik es bald wieder zuläßt, dann steige ich auch wieder aufs Rad. Hoffe ich.
      Alles Liebe, Claudi

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  3. Klasse Stunt!

    Noch besserer Humor!

    So machen das Gewinner - Aufstehen und Lachen

    Gute und rasche Besserung

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  4. Liebe Claudi, es tut mir wirklich so leid was dir passiert ist. Die Geschichte hört sich einfach nur schrecklich an. Dich hat es ja äußerlich ganz heftig erwischt. Ich hoffe dass deine Wunden bald heilen und du diesen Vorfall auch innerlich verkraften kannst! Ich wünsch dir alles Liebe und gute Besserung!!!

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  5. Liebe Claudi, seit ein paar Monaten erst verfolge ich Deinen Blog und habe mich super mit Dir über Deinen Köln-Erfolg gefreut. Und jetzt das! Ich finde es unglaublich bewundernswert, wie du dich hältst! Gute Besserung und die besten Wünsche aus München!

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    1. Liebe Andra,
      danke für die Münchner Wünsche... sie tun gut.
      Viele Grüße, Claudi

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  6. Hallo Claudi,
    ich bin auch sehr froh, das du deinen Humor nicht im Waldboden begraben hast :-). Du weißt ja, das Hinfallen ist nicht schwer, aber das Aufstehen.
    Ich denke auch, das es nicht gut ist, und auch nicht hilfreich, sich zu Hause in Watte zu packen und zu verweilen, damit einem nix passiert.
    Die Meisten Unfälle passieren nicht mit dem Rennrad oder MTB, die passieren zu Hause.
    Du hast alles getan, um dich zu schützen (Helm) und ich glaube, leichtsinnig bist du eher auch nicht. Leute, die jetzt mit ihren blöden "Sport ist Mord" Sprüchen kommen, sind ahnungslos und Leute, die keinen Helm tragen wollen, sind schlichtweg dumm. Wer nix in der Birne hat, muss ja auch nix schützen :-).
    Ich wünsche dir gute Heilung und Besserung, hoffe, das dir bald nicht mehr all zu viel weh tut und das du bald wieder fit bist :-)
    Liebe Grüße
    Helge

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  7. Hallo Claudi,
    man man man.
    Ich wünsche dir gute Besserung und vor allem, dass die Schmerzen bald wieder weg sind!
    LG aus dem Allgäu
    Ingrid

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    1. Liebe Ingrid,
      vielen Dank für die netten Wünsche. Ich kann sie immer noch gut gebrauchen! Viele Grüße, Claudi

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  8. Ohje, hier sind Genesungswünsche deutlich besser aufgehoben, Claudi. Dir alles Gute und sehr schnelle Besserung. Erhole Dich gut und vor allem - "in aller Ruhe".
    (Danke für Deinen Eintrag)

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    1. Hey Diddi,
      danke für Deinen Kommentar und die Genesungswünsche. Ich kann sie gut gebrauchen! Viele Grüße, Claudi

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  9. ich lese jetzt gerade erst, was Dir passiert ist, und bin total geschockt. Ab heute meckere ich meine Frau nicht mehr an, wenn sie darauf besteht, dass ich mich mit dem Helm "schmücke"... :/

    Ich wünsche Dir gute Besserung (bzw. Verheilung)!!

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    1. Hey Eddy,
      ja... das Anmeckern mußt Du unbedingt lassen in Zukunft... sie will nur Dein Bestes. Ohne Helm könnte ich Dir diese Zeilen sicher nicht mehr schreiben. Eine schreckliche Vorstellung.
      Viele Grüße & danke für die guten Wünsche!
      Claudi

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