I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Freitag, 29. März 2013

Osterbootcamp oder Überlebt!

Karfreitag, ich muß nicht arbeiten und es schneit. Außerdem sind die Autos alle weiß. Was ist das denn bitte? Es gab Jahre, da habe ich an Ostern im T-Shirt auf dem Balkon gesessen und mich mit Lichtschutzfaktor eingeschmiert. Den kann ich heute auf alle Fälle vergessen. 

Heute findet das Osterbootcamp vom Core Sportclub statt und ich muß mich schlau anziehen. Nämlich für die Witterung ausreichend warm, aber trotzdem beweglich genug um die üblichen Übungen, die eben beim Athletiktraining so angesagt sind, zu absolvieren. Eine Gradwanderung. 
Ich wähle eine Winterlaufhose, Sport BH und ärmelloses Unterhemd, Langarmshirt, Windstopperjacke und eine dicke Weste drüber. Dazu noch eine Mütze, Socken, Lauf- und Handschuhe. Na da bin ich ja mal gespannt, wie die 39 anderen so aussehen. 

Am Nordbad in Darmstadt angekommen wird dem Zeugwart und mir schon ein bischen mulmig zu mute. Es stehen lauter fitte rum und die Zahl 40 ist noch nicht erreicht. Ich zähle grob durch und lande bei der Hälfte. Die andere Hälfte ist nicht hier. Da es gerade beginnt zu schneien, es ziemlich frisch ist und ich mich auch selbst frage, was ich bitte hier mache, ist mir spontan klar, warum die andere Hälfte nicht hier ist. Die sind einfach mega schlau. Oder schwach? 

Die Starken und ich machen uns neben dem Nordbad warm, mit rumlaufen, Kniebeugen, Blindführen und Namen merken. Dann teilen wir uns in vier Gruppen auf und bekommen vom Coach die Erklärungen für das restliche Workout. 

Irrsinniger Weise muß jede Gruppe einen 60er, einen 40er und einen 25er Sandsack mitnehmen, der den Boden nicht berühren darf. Außerdem gibt es pro Gruppe einige Burpeeskarten, die man gegen die "Gegner" einsetzen darf. Jede Karte ist 5 Burpees wert und kann gegen die Gegner eingesetzt werden. 
Gut, ich gehe einfach mal fest davon aus, dass wir alle eh fix und alle sein werden und für das Austeilen von Burpeeskarten überhaupt gar keine Notwendigkeit besteht. Aber das bin nur ich. 

Ich bin teil einer äußerst durchtrainierten, ziemlich fitten Vierergruppe und weiß nicht, ob ich darüber froh oder erschüttert sein soll. 
Die Jungs tragen die schweren Sandsäcke, Sabine, die genauso groß ist wie ich, aber ganz offenbar wesentlich mehr Kraft hat, schnappt sich den 25er Sandsack, ich trage die Burpeeskarten und meinen ganzen Mut und wir machen uns auf den Weg. Wir laufen alle gemeinsam den Weg entlang bis zur ersten Aufgabe. 

An einem kleinen Abhang zu einem See sollen wir, natürlich samt Sandsack, der den Boden ja nicht berühren darf, zwischen zwei kleinen Pylonen immer hin und herlaufen. Wir klatschen uns dabei ab, geben 1Minute lang alles und haben dann Pause. Wahrscheinlich auch 1 Minute lang? Es fühlt sich aber kürzer an. Definitiv. Das ganze machen wir 3 Mal. Dann geht's weiter. 
Diesmal trage ich den Sandsack. Irgendwas für's Team muß ich ja auch machen. Meinen Mut habe ich auch noch am Start.

Die nächste Station ist ein Klettergerüst das auf Pfählen steht. Die Aufgabe ist jeden zu berühren und sich dann an einem Bestimmten zu sammeln. Das klappt ganz gut, auch wenn der Untergrund, so weicher Rindenmulch, echt blöd ist um darauf rumzurennen. Dem Coach ist das total egal. Er steht mit seinem Rucksack am Rand und beobachtet. 
Dann besteht die Aufgabe darin 15 Säulen zu berühren, im Anschluß 10 Kniebeugen und danach 10 Liegestütz zu machen. Aha. Also bei der Geschwindigkeit wie hier manche Kniebeugen oder Liegestütz machen, bin ich nicht sicher, ob alle auf mich warten möchten. Aber gut. Es geht los und ich spurte mich. 

Gut dass Sabine nach dieser Übung gleich von sich aus zum Sandsack greift, als es weitergeht. Ich bin noch in der Liegestütz Erholungsphase. Die zwei Jungs schnappen sich wieder ihre schweren Säcke, als wäre es ne kleine Tüte Gummibärchen und wetzen los. Unglaublich. Ob die sich hier in meiner Gruppe über ihre Kraft überhaupt im klaren sind? Keiner von denen sieht aus, als könnte er Bäume ausreißen, aber in Wirklichkeit sollten sich die Bäume bei allen besser vorsehen. Das kann hier ganz schnell gehen. 
Da sich die Bäume aber sicher fühlen, und ich jetzt einen steilen Berg hochlaufen soll, kann ich mich jetzt erst mal nicht weiter um die Kraft dieser super fitten Menschen kümmern. 

Ich nehme einen halben Sandsack und schon sind wir oben. Dort dürfen wir absetzen ohne Strafburpees. Eigentlich schade, dass diese Burpees immer dazu verdonnert werden eine Strafe zu sein. Aber auch damit kann ich mich jetzt nicht weiter befassen. 

Wir dürfen uns hier oben bei Tauziehen und Sandsäcke werfen vollkommen verausgaben. Jeder gegen jeden. Ich bin fix und fertig vom Tauziehen. Gut dass ich Handschuhe trage, sonst wäre es noch schlimmer. Außerdem tut mir danach mein Oberarm ordentlich weh. Aber für Schmerzen ist jetzt keine Zeit. Nachdem der Sandsackweitwurf mit äußerst knappen Entscheidungen vorbei ist, müssen wir Teams noch eine letzte Übungsabfolge machen. 
Erst zwischen zwei Hütchen hin und her rennen, dann 10Kniebeugen und im Anschluß 10 Liegestütz. Das ganze 4 Mal und dann sind wir fertig. 

Jetzt geht es dran, die zu Anfang ausgeteilten Burpees Karten zu verteilen... und natürlich bekommen wir als erste Gruppe schon ehe es überhaupt losgeht gleich mal eine. Also kann ich mich aufwärmen, ehe es an die eigentliche Übung geht. Auch ganz schön. Wie man es eben sieht. 

Als der Coach das Startsignal gibt, bin ich warm und ziemlich fertig. Burpees sind wirklich total anstrengend. Wir bekommen noch zwei weitere dieser Karten in unserer Gruppe und arbeiten alle ab. Und dann halt noch vier Runden der eigentlich Übung. Ich mache immer 5 Liegestütz, dann eine kurze Pause und dann weitere 5. So geht das bis zur letzten Runde. 
Da kommt es dann jetzt auf Geschwindigkeit an und ich versuche einfach mal alle 10 am Stück. Ansonsten sind alle aus meiner Gruppe eh schon fertig und von daher habe ich meinen persönlichen Anfeuerer für die letzten 4 Liegestütz. Geschafft. Nicht nur 10Liegestütz am Stück, sondern eben auch das ganze Osterbootcamp Programm. 

Das hat Spaß gemacht. Ich dachte ja schon als es an den Sandsack ging, dass ich niemals überhaupt die erste halbe Stunde überstehen könnte. Zusätzlich war ich ja auch in Sorge um die Bäume. Aber alles offensichtlich halb so wild. Außer dass man das dem Coach natürlich nicht sagen kann, sonst macht er das nächste Outdoorevent noch anstrengender. 

Jeder von uns schnappt sich auf dem Berg nun was anderes und wir tragen alle Gerätschaften zurück zum Auto. Ich nehme das Tau, in der Hoffnung, dass es nichts wiegt. Gut, ganz so ist es nicht, aber ich habe es ja jetzt schon auf der Schulter und gebe mir selbstverständlich nicht die Blöße es wieder abzulegen. 

Und auf dem Bild sieht es auch gar nicht so dramatisch aus. Der Coach hat versprochen mir das heutige Training auf die nächste Woche anzurechnen... nun ja. Inwieweit ich das merke steht auf einem anderen Blatt. 


Kommentare:

  1. Schluss mit der Tiefstapelei, in meinem Fitness-Universum gehörst Du auch zu den Baum-Ausreißern!
    Bitte dem Zeugwart noch ein herzliches Dankeschön fürs Sandsack-Dauerschleppen und den Tipp mit den Socken ausrichten. Bin sie gestern zum ersten Mal gelaufen und fühlt sich tatsächlich stabiler an

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    1. Hallöle,
      prima! Ich werde das Sockenphänomen natürlich berichten.
      LIebe Grüße!

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