I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Sonntag, 25. August 2013

Der Rodgau Triathlon und das Blut

Die Nacht war kurz und nachdem wir einen morgendlichen Scherenangriff fachmännisch medizinisch versorgt haben, brechen der Zeugwart und ich in Richtung Rodgau auf. Mir kommt es heute dunkler vor, als in den letzten Jahren, als wir um 6h auf den Parkplatz kommen. Der Zeugwart setzt sich auf den Beifahrersitz und schläft noch mal ein. 

Das Wetter ist irgendwie ungemütlich. Sommer ist das nicht mehr, soviel ist sicher. Heute regnet's bestimmt noch... nach Sonne sieht am Himmel gar nichts aus. Eigentlich ist das hier ein Sommertriathlon. Eigentlich. 

Beim Rodgau Triathlon öffnet die Wechselzone früh. Heute ist allerdings kaum was los. Der Ansturm an Athleten kommt heute erst kurz vor knapp um seine Räder einzuchecken. Das liegt eindeutig daran, dass es gestern eine Pastaparty gab an der bereits die Startunterlagen abgeholt werden konnten. So schlafen die Athleten heute einfach etwas länger. Eine vollkommen nachvollziehbare Entscheidung. 

Ich bin auch in diesem Jahr wieder beeindruckt, dass manche Athleten -und darunter nicht nur die sogenannten Ersttäter- mit einem vollkommen unangepaßten Radhelm antreten möchten. Wenn so ein Radhelm nicht richtig sitzt, kann man es vom Prinzip her ja auch gleich lassen. Die Einsicht die Helmeinstellungen zum Positiven zu verändern ist nicht überall gegeben... aber Starrsinn macht insbesondere mich ja äußerst geduldig. Und so erkläre ich gerne und mit einer stetigen Wiederholungsschleife, dass der Helm zum Schutz des Athletenkopfes da ist und nicht zu meinem Spaß, dass jeder sich selbst angemeldet hat und die Regeln zu diesem Wettkampf nicht von mir persönlich heute morgen zusammengedichtet worden sind um einem Athleten so richtig den Sonntag zu verderben. Das wirkt. Zumindest in einer ordentlichen Anzahl. Und manchmal ist es mir dann auch gar nicht mehr so wichtig, dass ein Athlet mich versteht... man darf seine Ziele auch einfach nicht so hoch stecken. Und wenn Hopfen und Malz verloren ist, ist das eben so.



Der Zeugwart hat heute ein Ziel: er will schneller sein als im letzten Jahr. Für ihn ist heute Start um 9:20h und als er nach weniger als einer halben Stunde in die Wechselzone schießt, bin ich beeindruckt. Ich brauche immerhin immer mehr als eine halbe Stunde für die 1,5km schwimmen. Irgendwann ist der Zeugwart dann in Richtung Radstrecke unterwegs und ich kann ihm ansehen, dass der Wechsel demnächst mit ins Training aufgenommen wird. Hier ist Potential. 

Auf der Radstrecke erwarten den Zeugwart die Vereinskollegen. Das spornt an! Super. 

Irgendwann beginnt es nun zwischenzeitlich tatsächlich zu regnen, aber ich bin ja wenigstens vorbereitet. Nur die Radstrecke und die Athleten darauf machen mir etwas Sorgen. Ein Wettkampf im Regen ist irgendwie nicht so meines. 

Als der Zeugwart wieder in die Wechselzone kommt zeigt er an, dass er gestürzt ist. Das muß er eigentlich nicht, denn seine blutigen Wunden erzählen die Geschichte. Und sein Rad auch. Er verschwindet heute schon nach 54 Sekunden auf die Laufstrecke und flitzt was das Zeug hält. Ich bin mir unsicher, ob das wohl eine gute Idee ist, aber ok, unterwegs ist er ja jetzt bereits. 

Am Rad sind die Brems- bzw. Schalthebel abgebrochen und das Schaltauge ist ebenfalls kaputt. Als der Zeugwart ins Ziel läuft, ist er 20Minuten schneller, als im letzten Jahr und geht erst mal in Richtung Sanitäter. Das Adrenalin tut derzeit noch seinen Dienst und so halten sich die Schmerzen ganz offensichtlich noch in Grenzen. Ich bin allerdings auf später gespannt. 

Wundversorgung haben wir ja heute früh schon in ausreichendem Maße geübt, so dass wir jetzt auf die morgendliche Erfahrung zurückgreifen können. Mit Betaisadonna, Kompressen und Wundverbänden versorgen wir erst alle offenen Wunden. Dann platziert sich der Zeugwart auf der Couch und ich reiche Kühlpads um die diversen Prellungen zu versorgen. 

Und dann falle ich in einen tiefen Schlaf. So ein Wettkampftag macht mich eh schon immer fertig. Und wenn ich dann auch noch so viel Blut sehe, ist offensichtlich alles vorbei. 

Kommentare:

  1. "...aber Starrsinn macht insbesondere mich ja äußerst geduldig." :-) Ich bewundere auch immer die Kampfrichter, wenn ich mitbekommen, was manche für Fragen stellen oder ähnliches. Mit welcher Ruhe sie immer und immer wieder das gleiche erklären. Meistens hilft es schon einfach nur mal genau die Ausschreibung zu lesen...
    Meine größte Sorgen neben den zu erwartenen Erfrierungen war das Aquaplaning und die enorme Sturzgefahr. Aber bei uns ist alles gut gegangen.
    Sag dem Zeugwart gute Besserung. Und wenn er auch ein neues Bike will, kann er das auch anders machen.
    Wie geht es dir? So rein mental? Ist ja nicht mehr lange.
    Liebe Grüße
    Karina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Karina,

      ich glaube einige Athleten fühlen sich durch Kampfrichter lediglich gegängelt und belästigt. Deshalb ist es dann umso wichtiger so ausgiebig geduldig zu sein. Oftmals bringt man solche Menschen ja dann erst richtig auf die Palme... obwohl man ihnen eigentlich keinen Grund gibt.

      Mir geht es gut. Rein mental gesehen kann ich nach wie vor Essen und Trinken und mein Magen hat damit kein Thema. Ich schlafe hervorragend und -wenn ich die Medaille bekomme- ziehe ich sie ganz sicher so schnell nicht mehr aus.

      Alles Liebe,
      Claudi

      Löschen
  2. Hallo Claudi,
    der arme Zeugwart! Ich hoffe, es geht ihm schon etwas besser heute. Wobei heute wahrscheinlich erstmal alles weh tun wird. Naja, das er dann trotzdem so ne irre gute Zeit hatte, das tröstet vielliecht ein bisschen. Die Wunden heilen ja wieder. Aber sag ihm, das nächste Mal bitte etwas langsamer. Er kann uns doch nicht so einen Schrecken einjagen, das geht doch nicht :-) .
    Wegen deinem Start am Wochenende bin ich schon total aufgeregt. Klingt komisch, ist aber so. Ich jedenfalls werde dir den ganzen Tag die Daumen drücken und in Gedanken mit dir auf der Strecke sein. Falls du also Schluckauf bekommst, weißte ja, wer an dich denkt :-D
    Wobei Schluckauf für dich jetzt nicht gut wäre. Also ich versuche etwas unauffälliger an dich zu denken ;-)
    Liebe Grüße
    Helge

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Helge,
      der Zeugwart dankt für Deine Genesungswünsche. Er ist sehr zufrieden mit seiner Zeit.

      Du bist soooo lieb, dass Du die Aufregung wegen Sonntag für mich übernimmst... DAS ist mal wirklich super toll.
      Lieben Dank dafür!

      Herzliche Grüße, Claudi

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.