I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Sonntag, 8. September 2013

Die Teamchefin, der Bollerwagen und ich

Üblicherweise organisieren die Freundinnen für eine Braut einen Abschiedsabend oder -je nach Alter und Neigung- eben auch einen entsprechenden Tag, um sich von ihr in das Eheleben und aus dem Junggesellinnendasein zu verabschieden. 

Da sich die Teamchefin eine Trauzeugin ausgesucht hat, die in fast allen Belangen die Wünsche des Brautpaares beachtet und rigoros, zur Not auch gegenüber Freunden oder Verwandten, durchsetzt, machen wir heute einen Ausflug. Mehr oder weniger sinnfreies besaufen paßt einfach nicht zum Sportsgeist der Teamchefin ihrer Freundinnen. Also wählen wir eine Alternative. Die Frauen machen mit ihr einen sportlichen Wandertag.

Nachdem auch die Trauzeugin den Treffpunkt gefunden und der Zeugwart sich in Richtung Männerstützpunkt auf den Weg gemacht hat, werden noch die letzten Vorbereitungen getroffen. Ich schaue in den bereitgestellten Bollerwagen und bin sicher, dass wir mehrere Wochen im Vogelsberg verloren gehen könnten und sicherlich die einzigen im gesamten Gebiet wären, die weder Hunger noch Durst erleiden müssen. Wir haben ganz bestimmt viel zu viel zu essen dabei. Aber besser zu viel als zu wenig. Ganz klar. 

Die Teamchefin trifft überpünktlich am verabredeten Ort ein und wird sofort ausgestattet. Die Freundinnen bestehen auf einem Schleier und feinen Handschuhen. Ein bischen Atmosphäre gehört eben einfach dazu. Außerdem bekommt die Teamchefin einen Bauchladen umgehängt. Hieraus wird allerdings nicht verkauft, denn, obwohl sie Talent hat, möchte sie das nicht wirklich. Also entschied die Trauzeugin, dass der Bauchladen mit ausreichend Süßigkeiten gefüllt wird und die Teamchefin sich von ihren Mitmenschen entweder ein Kompliment oder einen guten Ratschlag für die anstehende Ehe abholen soll. Der jeweilige Ratschläger bekommt dann eine süße Belohnung aus ihrem Bauchladen.

Nachdem wir eine Weile vergeblich auf den öffentlichen Personennahverkehr gewartet haben, wirft sich eine der Mitstreiterinnen todesmutig vor ein Auto und bittet den Fahrer –und ich verstehe erst langsam, dass es ein Bekannter von ihr ist- um den Gefallen uns zum Hoherodskopf zu kutschieren. Ich hätte es auch für möglich gehalten, dass sie einen vollkommen Fremden bittet, denn hier im Vogelsberg gibt es wirklich Fremde ja kaum. Jeder kennt jeden und irgendwie weiß auch jeder Bescheid. Die Fahrt zum Gipfel ist lustig und oben angekommen bauen wir einen gedeckten Tisch auf, der sich gewaschen hat. Wir könnten gut und gerne noch weitere 10 Leute mit Getränken und Essen versorgen. Verhungern tut heute keiner. Wir frühstücken im Nebel und als wir fertig sind, was nicht damit gleichzusetzen ist, dass der Tisch auch nur ansatzweise ein  Zeichen von Leere zeigt, ist der Nebel weg. Wir sehen den Turm und haben sogar einen recht schönen Ausblick. Nachdem wir die immer noch total vollen Behälter wieder im Bollerwagen verstaut haben, geht’s zur Sommerrodelbahn.

Die Teamchefin und ihre Freundinnen fahren wie der Teufel. Es geht rasant bergab, vor den Kurven wird nicht gebremst und die Steilkurven haben ihren Namen aus einem guten Grund. Ich kann nur jedem Hasenfuß, wie ich es einer bin, empfehlen mal mit der Teamchefin oder mit Frau Duck mitzufahren. Beide scheinen ihre Jugend hauptsächlich mit Höchstgeschwindigkeiten und ohne das Lesen von Warnschildern im Sinne von „Bremsen!“, verbracht zu haben. Einfach herrlich. Ich darf zweimal mit der Teamchefin mitfahren und kann mich kaum zwischen schreien und lachen entscheiden. Wenigstens wissen so alle in der Gegend, wo sich die Junggesellenabschiedsgruppe gerade aufhält.


Nachdem die Teamchefin noch in der Wurstbude ausgeholfen, einen Strongwomanparcour absolviert hat und sich einige gute Ratschläge von Passanten abholen konnte, wandern wir die Wiese hinunter und wollen in Richtung Bilstein. Hier soll es einen herrlichen Ausblick geben und wir möchten außerdem das zweite Frühstück einnehmen. Ist ja nicht so, als wäre es nötig oder als hätten wir großen Hunger. Aber wo wir es schon dabei haben, bietet es sich ja geradezu an. Singend geht es dann weiter in Richtung Heimat. Nach guten 10km werden wir von zwei freundlichen Chauffeuren abgeholt und zum Abendlokalität gebracht.

Hier wollen wir den Abend gemeinsam mit dem Profiathleten und seiner Meute ausklingen lassen. Als die Männer eintreffen gibt es natürlich ein großes Hallo und sofort beginnt das lustige Erzählen. Offensichtlich hat es dem Ehepaar in spe ganz gut gefallen. Nachdem der Bräutigam noch sein Hessendiplom mit der Ablage einer finalen Prüfung bestanden hat, steht dieser Eheschließung –zumindest aus Sicht der Freunde- nichts mehr im Wege. Wir haben unser Bestes getan die Teamchefin und den Profiathleten aus ihrem Junggesellendasein zu verabschieden und hoffen, dass sie den Tag mit ihren Freunden in guter Erinnerung behalten werden.

Kommentare:

  1. Liebe Trauzeugin,
    das war ein ganz toller Tag und Ihr habt euch wirklich was einfallen lassen!!! Es hat super viel Spaß gemacht und ich freue mich schon sehr auf die nächste Rodelfahrt mit Dir!!! Der Tag bleibt mir mit ganz grßer Sicherheit in Erinnerung und ich bin immer noch ganz platt über die Arbeit und die Gedanken die Ihr Euch gemacht habt. VIELEN DANK noch mal dafür!!!
    Liebe Grüße
    Die Teamchefin

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    1. Liebe Teamchefin,
      wir sind auf jeden Fall stets bemüht, das ist ganz klar. Wenn das dann auch noch von Erfolg gekrönt ist, prima!
      Schön, dass es Dir gefallen hat. Auf eine weitere Rodelfahrt gehe ich am Besten nicht weiter ein. ;-)
      Viele Grüße,
      Claudi

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