I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Mittwoch, 24. September 2014

Auf zum gefallenen Tunnel

Der Ausblick vom Glacier Point gestern war wirklich beeindruckend. Hier im Yosemite Nationalpark gibt es hohe Ausblicke. Was uns auffällt ist, dass die Bäume bis in größere Höhen stehen, als bei uns in den Alpen. Zumindest kommt es uns so vor. Besser ausgedrückt, die Baumgrenze ist niedriger in Europa. 

Heute wollen wir uns mal wieder Bäume ansehen. Im Yosemite gibt es zwei große Haine mit Giant Sequoias. Einen haben wir bereits im letzten Urlaub in dieser Ecke besucht und den zweiten: Mariposa Grove, wollen wir uns heute ansehen. Mit uns haben das anscheinend auch noch ein paar andere Menschen vor, denn der Parkplatz im Grove ist voll als wir ankommen. Da man im Yosemite aber ganz offensichtlich auf solche Menschenmassen eingestellt ist, parken wir einfach auf einem anderen Parkplatz und nehmen den kostenfreien Shuttlebus. Der fährt alle 20Minuten und der Fahrer gibt sogar noch ein paar Tipps, die wir sonst nicht bekommen hätten. Klasse. 

Nach dem Aussteigen gehe ich erst mal auf die Parkplatztoilette. Ich musste mich nämlich beeilen, damit wir den Bus kriegen, und so war für einen Toilettengang keine Zeit. Diese Parkplatztoilettenhäuschen sind diesbezüglich wirklich ein Segen. Sobald sich allerdings die Tür öffnet, könnte ich mich direkt in jede Ecke der Kabine übergeben. Sofort, mit oder ohne Mageninhalt. Egal. Der Gestank ist einfach unheimlich schrecklich. Hier in der Wildnis gibt es keine Wasserspülung. Die Toiletten sind einfach tiefe Löcher und stinken buchstäblich zum Himmel. Nach wenigen Sekunden hat sich meine Nase allerdings gewöhnt und ich bin erstaunt, wie schnell man sich an einen solchen Gestank tatsächlich gewöhnen kann. Auf die Toilette gehen, ohne sich zu übergeben ist wirklich was wert. 

Es gibt hier im Mariposa Grove gibt es unheimlich viele Sequoias anzusehen. Das absolute Highlight ist aber wohl ein gefallener Riese, der bis 1969 eine Durchfahrtsöffnung hatte. Im Fachchinesisch also ein Fallen Tunnel Tree. Laut Karte liegt er am weitesten vom Parkplatz und der stinkenden Toilette weg. Auf dem Weg gibt es noch viele weitere Seqoias zu sehen, denen Namen gegeben wurden und zahlreiche weitere, ohne speziellen Namen natürlich auch.


Die Sonne scheint wie bekloppt vom Himmel, während der Zeugwart und ich den Mariposa Grove immer bergauf laufen. Wir laufen am Fallen Monarch Tree vorbei, der seit 300 Jahren im Wald rumliegt und finden uns mit lauter anderen Besuchern beim Grizzly Giant ein. Dem ältesten Sequoia hier im Wald. Wenn jedes Foto dem Park 10Cent einbringen würde, würden die hier täglich Millionen machen. So kommt es mir zumindest hier vor. Ein paar Meter weiter steht der letzte lebende Tunnel Tree, der 1895 ausgehölt wurde um mit Kutschen durchfahren zu können. Der ist fast noch eine größere Attraktion als der Grizzly Giant. Bis wir durchlaufen können, weil der Weg zum gefallenen Riesen eben hier lang geht, dauert es etwas. Immerhin werden heutzutage die Fotos nicht nur mit normalen Kameras, sondern auch mit allen verfügbaren Mobiltelefonen gemacht. Das kann also dauern. 

Als wir endlich durchlaufen, stellen wir fest, dass wir die meisten Besucher hinter uns gelassen haben. Jetzt wird auch der Weg steiler und enger. Wo vorher vier bis fünf Menschen nebeneinander her gehen konnten, laufen der Zeugwart und ich nun oft hintereinander her, weil der Weg nur noch einem Trampelpfad gleicht. Und natürlich mal mehr, mal weniger steil nach oben. Klar. Ich muß an Anna denken, die auf ihrem Blog regelmäßig von ihren Bergläufen berichtet. Sie muß unheimlich fit sein. Der Zeugwart und ich gehen und sie rennt immer durch die Gegend. Wahnsinn. Wir machen öfter mal Trinkpausen, immerhin sind wir hier auf rund 2000m und laufen ganz oft schattenfrei. 

Ab und an sehen wir Schilder im Wald, die uns unser geplantes Ziel ein bisschen näher bringen. Aber wirklich nur in ganz kleinen Schritten. Meilen sind ja eh viel länger als Kilometer... aber bergauf geht's noch langsamer, als geradeaus. Wow. Irgendwann glaube ich schon selbst gar nicht mehr daran, dass dieser gefallene Tunnel Baum tatsächlich irgendwo hier oben rumliegt. Aber die Wanderung ist schön. 

Und natürlich liegt er auch irgendwann vor uns. Nur noch ein paar in Stein gehauene Stufen hoch und schon ist er da. Wahnsinn, was ein riesiger Baum. Unglaublich, was das für ein Getöse gewesen sein muß, als er wegen der Schneelast zusammengebracht.


Beim Abstieg nehmen wir einen anderen Weg und sind viel schneller. Wir haben einen wahren Sightseeing Aufstieg gewählt, der viel länger und wesentlich einsamer war, als der Hauptweg. Da ist ein Abstiegseis mehr als gerechtfertigt, dass wir verspeisen, während wir auf den Shuttlebus warten.


Kommentare:

  1. Liebe Claudi,
    eine sehr schöne Gegend, wo ihr da seid!!
    Schön, dass du an mich gedacht hast – ich laufe zwar den Berg hinauf, bin aber im Laufschritt kaum schneller, als beim gehen ;-) Das bergauf gehen hat sich ja wirklich gelohnt, aber das tut es meistens!! Wenn nicht wegen so eines schönen großen umgefallenen Baums, dann wenigstens wegen der schönen Aussicht!
    Liebe Grüße Anna

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    1. Ja stimmt Anna, das viele Berg hoch war absolut lohnenswert. Obwohl die Aussicht war nicht zu sehen... die Bäume sind zu hoch dort. :-)
      Viele Grüße, Claudi

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