I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Montag, 10. Februar 2014

Das hässlichste Treppenhaus der Welt

Obwohl man die Dinge manchmal nicht ändern kann und regelrecht machtlos ist, entweder weil andere entscheiden oder weil die Zeit eben alle Wunden heilt, wenn sie gekommen ist und nicht vorher, ist man vor bestimmten Ereignissen trotzdem aufgeregt. Das ist normal und hat sicherlich trotzdem einen Sinn. Auch wenn sich mir dieser nicht regelmäßig erschließt. Leider.
 
Heute ist so ein Ereignistag, ich habe den MRT Termin. Ich habe dafür einen halben Urlaubstag genommen, denn ich bin seit meinem Unfall ja eh ständig beim Arzt und es empfiehlt sich den bereits bestehenden Unmut darüber nicht weiter schüren. Also erledige ich im zeugwartschen Haushalt allerlei Dinge, ehe ich mich mit genügend Zeitpuffer zum Aufstöbern eines Parkplatzes in das kleine Auto schwinge. Der Zeitpuffer ist nötig, den das empfohlene Parkhaus ist bis in die 12. Etage proppe voll. Und dann auf dem letzten Parkdeck ist alles leer. Das ist nach oben offen und höchstwahrscheinlich deshalb ungern genommen? Ehe ich ewig vor dem Aufzug stehe, laufe ich die Treppen nach unten und stelle unten fest, dass das eine hervorragende Idee war, denn ein weniger schlauer Zeitgenossen hält den Aufzug im Erdgeschoß auf, weil irgend jemand, den er kennt sicherlich gleich kommt und man dann gerne gemeinsam losfahren möchte. Menschen gibt's... ich kann nur den Kopf schütteln. Aber ich sage nichts dazu. Ich habe heute schließlich Besseres vor.
 
Die MRT Praxis finde ich in einem spärlich ausgeschilderten Hauseingang. Ich steige ein extrem unattraktives, sehr verwinkeltes, dunkles und wirklich dreckiges Treppenhaus nach oben und öffne eine notdürftig mit einem Papierschild beschriftete Tür. Und schon bin ich in einer anderen Welt. Nichts erinnert mehr an das dreckige Treppenhaus... hier drin ist alles sauber, weiß mit hellem Holz, ein hübscher Empfangstresen und eine sehr nette Mitarbeiterin begrüßt mich. Die wäre sicherlich auch im Treppenhaus nett, aber hier drin macht es natürlich gleich einen ganz anderen Eindruck.
 
Ich gebe meine Überweisung ab und mein Kärtchen, bekomme ein Merkblatt zum ausfüllen und darf mich setzen. Ich bin 15 Minuten zu früh, fülle das Blatt schnell aus und widme mich dann dem außerordentlich gut sortierten Angebot an verschiedensten Zeitschriften, die hier im Wartezimmer bereit liegen. Pünktlichst um 11:40h, also wirklich exakt zu dem Zeitpunkt, zu dem ich meinen Termin habe, ruft mich eine Mitarbeiterin in die Umkleide. Also das scheint mir hier alles wirklich gut organisiert. Respekt. Wie einen so ein Treppenhaus täuschen kann.
 
Sie fragt, ob der Arzt alles richtig auf die Überweisung geschrieben hat und ob es tatsächlich das rechte Knie ist, um das es geht. Dann erfahre ich, was ich alles ausziehen soll und die Tür schließt sich wieder. Die Patientin vor mir wird in ihre Umkleide "entlassen" und meine Tür geht nur Minuten spatter wieder auf. Das ist hier wirklich Fließbandarbeit wie mir scheint.
 
Ich lege mich auf die fahrbare Liege, soll nochmals so schön lächeln, wie auf meinem Krankenkassenkartenbild und schon geht's los. Meine MRT Untersuchung dauert 20Minuten. Ich nicke etwas ein, denn die Mickey Mouse Ohren schirmen mich gegen die Geräuschkulisse hervorragend ab und schon ist die Dame wieder da und bittet mich, mich wieder anzuziehen. Meine Füße sind kleine Eisklötze.
 
Ich soll dann im Wartezimmer warten, bis die Daten übertragen sind, denn der Arzt schaut sich die Aufnahmen gleich mal an und gibt mir einen ersten Eindruck. Na, hoffentlich ist das nicht zu wissenschaftlich? Ich warte im entsprechenden Zimmer, vergnüge mich mit einer weiteren Zeitschrift und werde zwischenzeitlich darüber informiert, dass die Datenübertragung gerade sehr lange dauert und ich deshalb noch etwas geduldig sein muß. Kein Problem, ich bin tiefenentspannt, weil ich ja erst um 14h auf der Arbeit sein muß.
 
Den Arzt sehe ich heute nicht. Er telefoniert mit mir über mein Knie MRT. Das habe ich ja auch noch nicht erlebt. Sehr interessant, aber offensichtlich äußerst effektiv. Er fragt mich, wie das Dilemma denn passiert sei und nachdem ich ihm alles geschildert habe, erfahre ich, dass der Bluterguß in den Weichteilen um mein Knie noch erheblich sei und es deshalb für ihn ganz logisch ist, dass, und vor allem warum, ich mich nicht so bewegen kann, wie ich es mir vorstelle. Der Bluterguß ist riesig und verhält sich vollkommen normal. Kein Grund zur Besorgnis. Es dauert eben.
 
Er schaut sich alles aber nochmal ganz genau und penibel in Ruhe an und schreibt dann meinem Orthopäden einen Bericht. Für den Moment kann er aber nichts feststellen, was einen Grund zur erhöhten Sorge geben würde. Es kann allerdings auch sein, dass der Bluterguß noch etwas verdeckt, das heißt, Entwarnung auf der ganzen Linie möchte er natürlich nicht geben. Er ist ja auch Arzt und kein Zauberer oder Weissager.
 
Ich verlasse die hübsche, sauberer Praxis mit ihren netten Mitarbeitern und dem Arzt am Telefon über das hässlichste Treppenhaus der Welt, löse mein Auto aus dem Parkhaus aus und fahre mit dem Aufzug nach oben. Als ich aussteige ist mein Auto das Einzige, die oberen drei Parkdecks sind alle leer. Hier gibt es offensichtlich Stoßzeiten?
 
Ein Bluterguß ist in dem ganzen Dilemma wirklich das Beste, was hätte rauskommen können. Der ist nämlich vergänglich und ganz sicher nicht von Dauer. Trotzdem kann man ihn auch nicht weghexen und es wird noch eine Weile dauern, bis ich wieder normal fit bin und mein Knie so belastbar ist, wie ich es mir vorstelle. Das ist zwar gut zu wissen, aber bedeutet eben auch weitere radfreie Wochenenden, keine Läufe, kein Trainingslager und voraussichtlich auch keine Wettkämpfe in diesem Jahr. Ich bin sicher, ich werde mir deshalb gleich von allen Seiten anhören dürfen, dass alles nicht so schlimm ist, ich Glück hatte und mich vor allem nicht so anstellen soll... die Frage ist, was möchte ich davon hören und wie oft?
 

Kommentare:

  1. Doch, du darfst dich ruhig anstellen! So eine Saison abzuhaken ist echt Sch...
    Am Wochenende haben Helge und ich noch darüber gesprochen, was beim MRT rauskommt und wir waren beide der Meinung, das es bestimmt eine Art verkapselter Bluterguss ist :-) . Das Beste aller Übel, aber halt langwierig. Ärzte legen sich übrigens nie genau fest! So kann man ihnen nichts vorwerfen. Uups, habe ich das jetzt tatsächlich so geschrieben?
    Ich bin froh, das das Ergebnis eigentlich ein Gutes ist.
    Liebe Grüße
    Karina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Karina,
      könntet Ihr Beide Euch am nächsten Wochenende darüber unterhalten, dass es sicherlich nicht so lange dauert? ;-) Das wäre prima, wenn das dann auch klappen würde.
      Ich bin auch froh, dass das Ergebnis tatsächlich hätte schlimmer sein können. Man muß auch mal Glück haben. ;-)
      Viele Grüße, Claudi

      Löschen
  2. Und ich sage noch einmal, wenn man es gerade scheixxe findet, muss man es sich nicht schönreden...
    Liebe Grüße,
    Caro

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Recht hast Du damit immer noch... aber es gibt eben soooo viele, die es anders sehen.
      :-)
      Liebe Grüße und vielen Dank!

      Löschen
  3. Okay, dann auch von mir kein "Glück gehabt" und kein "hab Geduld". Da bin ich konsequent ;) Aber erlaube mir eine Frage: warum willst Du Wettkämpfe für dieses Jahr komplett abschreiben? Och nöö!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Eddy,
      danke, dass Du nicht in die Kerbe haust. ;-) Sehr sympathisch.
      Ich dachte, ich backe lieber erst mal kleine Brötchen (oder Käsekuchen) und mache mir nicht so viele Hoffnungen was sportliche Einsätze in diesem Jahr angeht. Und wenn's dann besser kommt... ist es umso besser.
      Viele Grüße, Claudi

      Löschen
  4. Hallo Claudi,
    wenn man Grund hat, sich zu ärgern, soll man sich auch ärgern :-)
    Und auch rum heulen, jammern und schimpfen gehört nun mal zu unserer Natur. Und auch wenn die Diagnose ja eher gut ist, heißt es natürlich auch wiederum, das es dauert.
    Du darfst dich also jetzt freuen und du darfst auch "dich anstellen". Schließlich hast du dir diese Saison ganz anders vorgestellt.
    Ich kann es dir gut nachempfinden. Du weißt ja, nach meinem Unfall habe ich ganze 3 1/2 Monate bis zum ersten wirklichen Läufchen gebraucht. Vorher konnte ich halt nur spazieren gehen.
    Und ich muss auch heute noch (1 Jahr und 3 Monate nach meinem Unfall) in Kauf nehmen, das der Fuß manchmal weh tut und das ich jeden Tag etwas Gymnastik mit ihm machen muss.
    100% gut wird er wohl nie mehr.
    Aber ich kann meinen Sport halt machen. Und das wirst du auch bald.
    Und so lange darfst du natürlich auch mal traurig sein, das es eben nicht so ist, wie es sein sollte :-)
    Liebe Grüße
    Und gute Besserung
    Helge

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Helge,
      dankeschön. Ich übe mich einfach weiter in Geduld...
      LG
      Claudi

      Löschen
  5. Liebe Claudi,

    sehr ärgerlich, mit dem Bluterguss, und die Tatsache dass es noch länger geht bis du unbeschwert Sport machen kannst!! :-/
    Trotzdem, wie du selber auch schreibst, ein Bluterguss ist doch wirklich das Beste, was rauskommen konnte!! Also freue ich mich für dich, dass es doch nichts schlimmeres ist! :-)

    Liebe Grüße Anna

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anna,
      ich freu mich auch, dass es nichts schlimmeres zu sein scheint. :-)
      Alles Liebe, Claudi

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.