I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Freitag, 13. Juni 2014

Wildschweinkindergarten

Nachdem ich dem WM Eröffnungsspiel gestern wenigstens teilweise beigewohnt habe, ehe ich wegen vollkommener Erschöpfung noch vor dem dritten Tor aufgeben mußte, klingelt der Wecker heute wieder erbarmungslos früh. Ich habe das extra so gemacht, denn auch heute sind im Rhein-Main-Gebiet wieder hohe Temperaturen angekündigt und ich weiß mittlerweile, wie angenehm es ist früh unterwegs zu sein. Ich komme kaum aus den Federn, obwohl die Sonne bereits herrlich scheint und die Temperatur angenehm frisch und kühl ist. 

Wie bei den letzten Morgenläufen, liegen auch heute die Sachen wieder im Bad bereit, so dass praktisch kein Weg daran vorbei führt. Ein guter Trick, der wieder prima funktioniert. Ich ziehe mich zügig an und bin 15Minuten nach dem Aufstehen, draußen. Wenn ich das jetzt so lese kann man sich natürlich auch uneinig sein, ob 15Minuten für mehr oder weniger anziehen, zügig oder lahm sind. Aber egal. Darum geht's nicht. Ich ziehe mich also gefühlt zügig an und laufe los. 

Im Wald ist keiner, ich bin ganz alleine und laufe so vor mich hin. Seit der Laufanalyse, bei der -wie erwartet- auch unheimlich viele Themen entdeckt wurden, die Luft nach oben haben, achte ich vermehrt auf den Laufstil. Ganz bewußt wird ein Fuß vor den anderen gesetzt und zwar nicht mit der Ferse zuerst. Zusätzlich achte ich auch drauf, nicht mehr so nah über den Boden zu kommen, sondern das Bein etwas mehr anzuheben. Gefühlt laufe ich im Kniehebelauf, aber ein Außenstehender sieht wahrscheinlich keinen Unterschied zu vorher. Wie immer bei sowas. 

Vor mit laufen auf einmal zahlreiche Füchse über den Weg. Es war mir gar nicht bewußt, dass Füchse in Rudeln auftreten. Das muß ich zu Hause mal googeln. Oder ich muß mal wieder zum Optiker. Eine Gruppe der vermeintlichen Füchse bleibt nämlich auf dem Weg stehen und fängt an zu spielen und umherzutollen Fuchskindergarten quasi. Oder, wenn ich jetzt so auf 4Meter Entfernung mal genau hinschaue... Wildschweinkindergarten. Das sind Frischlinge vor mir auf dem Weg. Viele. Und das Geschnaube, das sich bei genauem Hinhören jetzt als Fauchen herausstellt, kommt von rechts. Da steht kein Frischling... das hier ist größer und muß die Bache sein, die mir zu verstehen gibt, dass ich Abstand halten soll. 

Gut. Ich verstehe das und bin wie versteinert. Die Bache auch. Außer dass sie laut schnaubt und ich versuche gar kein Geräusch zu machen. Was machen in diesem Wald überhaupt Wildschweine? Alle Leute behaupteten bisher felsenfest, hier gibt's keine. Immer dieses Halbwissen. Die Frischlinge spielen weiter total unbeeindruckt. Ihnen ist meine Anwesenheit mehr als schnuppe. Ich weiß nicht, was ich machen soll... also fange ich an zu singen. Etwas lauter vielleicht als nötig, und natürlich keinesfalls schön. Ich treffe schon mein ganzes Leben lang kaum einen richtigen Ton und die Aussage "jeder kann singen" hat spätestens wenn man mich singen hört, ihren Wahrheitsgehalt verwirkt. Army of Hardcore ist jetzt vielleicht auch nicht ganz genau das passende, aber alternativ kann ich spontan nur auf "da simmer dabei" oder "Fiesta hier am Rhein" umschwenken. Alles nicht wirklich waldkompatibel, das weiß ich. Die Bache scheint mein singen richtig zu deuten und urplötzlich gibts anscheinend eine Anweisung, von der ich überhaupt gar nichts mitbekomme und die Frischlinge verschwinden in das Unterholz rechts und links vom Weg. 

Der Weg nach vorne ist also wieder frei und auch hinter mir ist kein Wildschwein mehr zu sehen. Ich laufe singend weiter und atme jetzt auch wieder hörbarer. Nach wenigen Minuten drehe ich mich nochmals um und sehe die Frischlinge mit ihren erwachsenen Anverwandten wieder auf dem Weg. Offensichtlich hat sie mein Singen nur kurz beeindruckt und sie sind nur aus Angst vor Gehörschäden in den Wald geflüchtet? 


Als ich heimkomme frage ich den Zeugwart, ob er über die Anwesenheit der Wildschweine im Wald informiert ist und er verneint. Und deshalb kläre ich ihn erst mal auf, dass welche da sind und dass Singen hilft. Er lacht und führt das lediglich auf meine Gesangskünste zurück, die würden alles vertreiben, sagt er. Und irgendwie hat er damit auch recht. Was ein Abenteuerlauf das war. Ich muß mich gleich heute mal kundig machen, wie man sich sinnvoll bei einer Wildschweinbegegnung verhält. Singen kann ja nicht die ideale Lösung sein. Glaube ich. 

Kommentare:

  1. Ha, wieder eine Gemeinsamkeit.
    Lass uns einen "Anti-Chor" auf die Beine stellen. Dann ist euer Wald aber wahrscheinlich komplett Wildfrei. Ich kann nämlich auch sowas von gar nicht singen :-) .
    Liebe Grüße, dem Zeugwart viel Erfolg und bis Sonntag
    Karina

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    1. Karina, ich freu mich schon so Euch am Sonntag zu sehen... eventuell singe ich Dir was an der Strecke? Dann läufst Du sicherlich ne Ecke schneller! Die Grüße an den Zeugwart richte ich aus...
      Viele Grüße, Claudi

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  2. Claudi, der Wildschweinschreck :-) Singen kann ich auch nicht, das muss ich mir für einen hoffentlich bald wieder statt findenden Waldlauf merken.

    Liebe Grüße,
    Caro

    P.S.: Ich bin so unglaublich gespannt auf den Pulsuhrentest. Dauert es noch seeeehr lange? :-)

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    1. Hallo Caro,
      das wäre auch ein schöner Blogtitel gewesen... "der Wildschweinschreck" . :-) Coole Idee.

      Leider wurde mir die Pulsuhr bisher noch nicht mal zugeschickt... der Test kann also noch dauern. Tut mir leid. :-(
      Viele Grüße, Claudi

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  3. Die Pulsmessung von dieser Begegnung ist bestimmt auch interessant. Alle Achtung für die Geistesgegenwart. Ich wäre gestorben! Gut, dass es bei uns in der Großstadt a) keinen Wald und b) nicht die zugehörigen Tiere gibt.
    Liebe Grüße, Alexandra

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    1. Mein Maximalpuls lag bei 186, sagt die Suunto Quest. ;-) Ich bin noch gar nicht drauf gekommen mir das Protokoll anzusehen. He he.
      Viele Grüße, Claudi

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