I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Donnerstag, 13. Februar 2014

Die Fremden und die Unsportlichkeit

Ich sehe derzeit offenbar noch unsportlicher aus, als ich aussehe, wenn ich Sport machen kann. Das ist eine Feststellung und keine Frage. Ich zähle mich nicht zu den dynamisch sportlichen Typen und habe schon öfter festgestellt, dass ich ungläubig angeschaut werde, wenn Fremde erfahren, dass ich Triathlon mache. Manche waren schon total schockiert, wenn sie erfuhren, dass ich regelmäßig laufen gehe so dass ich über das Rad fahren oder das Schwimmen einen Mantel des Schweigens gelegt habe. Oft habe ich die Länge unserer sonntäglichen Radausfahrten gekürzt oder ganz verschwiegen und den Fremden anerkennend zugenickt, wenn ich über deren 5km Radtour zur Eisdiele informiert wurde. Jeder Fremde ging automatisch davon aus, dass deren Radtouren oder deren Schwimmen im See sportlicher ist, als das, was ich zu leisten im Stande bin.

Vielleicht geht es hier um die "Kleider machen Leute" Sache? Oder es geht um die Vorurteile, die einfach in den Köpfen der Menschen oft fest verankert sind? Läufer sind drahtig, wie die Kenianer. Triathleten sind immer groß und dünn oder wenn sie schon nicht groß sind, dann sind sie zumindest schlank. Und außerdem sind Triathleten in den Köpfen der Fremden, die ich so treffe, immer Männer.
 
In der letzten Zeit treffe ich viele Fremde. In Arztpraxen oder auf Feiern begegnen mir irgendwie immer Menschen, die das Gespräch suchen. Manchmal finde ich das total passend und manchmal eben auch wieder nicht. Und wenn ich mich dann dazu entschlossen habe, das Gespräch zu erwiedern stelle ich oft fest, dass ein großer Prozentsatz der Fremden es sich zur Aufgabe gemacht haben, mir zu erklären, was sie für tolle Menschen sind. Ich umgebe mich gerne mit netten, großherzigen, freundlichen Menschen. Wer tut das nicht? "Meine" sind immer toll. Dafür brauchen sie aber nichts besonderes zu leisten. Oftmals sind sie einfach schon aus dem Grund toll, weil sie sind, wie sie eben sind. An großartigen Taten oder Künsten mache ich das allerdings nicht fest. Ob jetzt jemand einen Marathon in 3Stunden oder in 5,5 Stunden läuft ist mir genauso egal, wie ob derjenige gar keinen Marathon läuft und die Distanz nicht kennt. Mein Freundeskreis hat nicht nur etwas mit Sport zu tun. Es gibt genug tolle Menschen darin, die keinen Sport treiben, trotzdem wahnsinnig glücklich sind und die ich unheimlich mag.
 
Fremde wollen sich mir oft beweisen. So habe ich zumindest das Gefühl. Es scheint mir, als würde meine Erscheinung sie oft förmlich herausfordern. Ich höre manchmal regelrecht provozierende Worte aus einem Vorstellungsredeschwall heraus und entscheide mich dann nur wirklich äußerst selten zum Gegenangriff. Warum ist das so?
 
Kürzlich zum Beispiel erklärte mir ein Arbeitskollege, dass er jeden Morgen 10km läuft, ehe er zur Arbeit geht. Er hatte wohl von meinem Radunfall gehört und wußte, dass ich ab und an auch laufe, also war sein Thema bei mir richtig platziert. In der Kaffeeküche erfuhr ich nun also von seinen 10km, jeden Morgen und dass er dafür immer zwischen 20 und 30 Minuten braucht. Wow. Natürlich war ich schwer beeindruckt und empfahl ihm, sich beim Deutschen Leichtathletikverband zu melden um Deutschland demnächst International zu vertreten. Ein solches Talent darf nicht einfach unter den Tisch fallen. Der Kollege wollte die morgendliche 10km Strecke -ehe er sich beim Verband meldet- lieber noch mal abmessen um sicher zu gehen. Zeit für ein weiteres Gespräch hatte er seit dem nicht mehr.
 
Gestern lernte ich bei einem beruflichen Treffen eine Dame kennen. Wir haben uns nie zuvor gesehen. Sie erwähnte, dass sie unheimlich viel Sport machen würde und sich demnächst mal an einem Triathlon versuchen möchte. In ihrem Bekanntenkreis gäbe es viele Leute die Triathlon machen. Ich dachte, dass es deshalb nicht schadet, zu erwähnen, dass ich ebenfalls Triathlon mache. Und ihre Reaktion darauf war, dass das zwar schön sei, ihre Bekannten aber einen richtigen Triathlon machen würden. Wie sich ein richtiger Triathlon von der Version die ich mache unterscheidet, darauf ist sie dann allerdings nicht mehr eingegangen. Ihr Eindruck von mir war ganz offensichtlich.
 
Interessant.
 
Eine Mitarbeiterin aus dem Gesundheitswesen, die mich befragte, wie meine Knieverletzung entstanden ist, sagte, dass sie auch schon mal einen Triathlon gemacht hat. Dass man dafür allerdings trainieren muß, das sei ihr nicht klar gewesen, sie hätte das auch ohne Training hinbekommen. Auf meinen leisen Einwand, dass es hier eventuell sein könnte, dass ein Trainingsaufwand erst bei längeren Distanzen Sinn macht, sagte sie nur, dass sie sich beim besten Willen nicht vorstellen könnte, dass die Distanzen die sie absolviert hat kürzer war, als die, die ich absolviere. Macht hier eine Diskussion Sinn? Ich glaube nicht. Also sagte ich nur, dass ich für eine Mitteldistanz durchaus finde, dass Training Sinn macht, weil ich auch schon für "nur" einen Halbmarathon trainiere und den nicht einfach aus der nassen Hose raus laufe und beendete damit das Gespräch.
 
Ich sehe ganz offensichtlich tierisch unsportlich aus.
 

12 Kommentare:

  1. Ich kenne jemand, der fährt 180km mit einem 40er Schnitt und das alles mit einem alten MTB. Und das bisschen Schwimmen und Laufen bei einer LD... Alles gar kein Problem. Wirklich schade, dass es mit dem Startplatz in Roth nicht geklappt hat.
    Klar, oder? ;-)

    Du schreibst mir aus der Seele, Claudi... Es glaubt einem (fast) keiner, was man sportlich zu leisten vermag, nur weil man nicht so aussieht wie eine Modellathletin.
    Aber das ist ganz egal. Spätestens, wenn sie nur noch das Hinterrad von uns sehen, ist Ruhe im Karton. :-)
    Dir und Deinem Knie weiterhin gute Besserung! ... damit Du den ewigen Zweiflern auch bald wieder das Hinterrad zeigen kannst.
    Liebe Grüße aus MUC, Tina

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    1. Liebe Tina,
      herrlich, 180km im 40er Schnitt mit einem MTB. Genial! Du kennst auch super Leute. :-)
      Ganz liebe Grüße, Claudi

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  2. Oh man gibt es fiese Leute!
    Und großkötzige dazu!

    Jeder von uns ist wie er / sie ist und das ist gut so. Und viel wichtiger wie die Figur hinter uns Freizeitathleten ist die Motivation und der Spaß am Sport!
    In diesem Sinne: Lass es dir nicht verderben und weiter gehts!

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    1. Lieber Markus,
      den Spaß verderben sie mir dadurch nicht... aber es kann einen schon nachdenklich machen. ;-)
      Liebe Grüße,
      Claudi

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  3. Liebe Claudi,
    ich kenne das nur zu gut. Ich sehe bei weitem nicht wie "DER" Triathlet aus.
    Aber ich habe letztes Jahr in Roth Leute ins Ziel laufen sehen, denen würde sicher keiner zutrauen, eine Langdistanz zu finishen.
    Sie haben das trotzdem gemacht, und ganz sicher nicht ohne viel Training.
    Was ist das bloß für eine Unart, das wir die Leute danach beurteilen, wie sie aussehen?
    Als ob Modelmaße Sportlichkeit bedeuten würden.
    Ha, wir würden doch die meisten Models einfach locker hinter uns lassen. :-).
    Sei einfach stolz so zu sein wie du bist.
    Und jeder der ein kleines bisschen Ahnung hat, der weiß, was es heißt, eine Mitteldistanz zu finishen. Also jeder der Ahnung hat weiß, das du nun ganz und gar nicht unsportlich bist :-)
    Auf die Meinung der ganzen Möchte-gern-Bescheid-Wisser (der ich-brauche-20-min-für-meine-täglichen-10-km-leute) solltest du einfach nix geben.
    Deinem Knie weiterhin gute Besserung.
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Liebe Helge,
      manchmal fehlt es den Fremden dann eben einfach an Ahnung. Das kann gut sein.
      Herzliche Grüße, Claudi

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  4. Dein Kollege ist ja der Brüller :-)))))

    Vielleicht tröstet es Dich, dass ich zwar einigermaßen sportlich aussehe, weil ich groß und schlank bin, aber dafür muß ich meinen kleineren und kräftigeren geschlagen geben, weil ich eben einfach nicht der schnellsten einer bin.

    So hat jeder sein Päckerl zu tragen ;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    1. Mein Kollege ist nicht nur der Brüllet... der ist auch unheimlich schnell, oder? ;-)
      Hi hi.

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  5. Ähm,...
    Mir fehlen die Worte.
    Liebe Grüße
    Karina

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    1. ;-) Ich bin mir sicher... Du wirst bald wieder welche parat haben.
      Ganz liebe Grüße

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  6. Erstens: ich verstehe genau, was Du meinst, denn ich habe einen BMI von 30. Das bedeutet, ich bin locker 15kg über dem Gewicht, mit dem ich locker laufen könnte.

    Zweitens: lass die Leute reden! Weniger ist mehr. Will sagen: lieber doppelt so viel zuhören, wie selber sprechen. Damit kommt man weiter im Leben.

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    1. He he... doppelt so viel zuhören wie selbst sprechen ist ein guter Ratschlag. Und dann denke ich mir eben den Rest. Gute Idee! Danke.

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