I know of no single factor that more greatly affects our ability to perform than the image we have of ourselves. (..) The most dramatic changes that take place…occur when you abandon a concept of self which had previously limited your performance. My job is to let go of the concepts and limiting images which prevent me from perceiving and expressing my greatest potential.”


(Timothy Gallwey, author of Inner Game of Tennis; in The Total Runner by Dr. Jerry Lynch)

Mittwoch, 19. März 2014

Bordsteine und Gegenwind

Mein Zahn und der Kiefer schmerzen nach der erneuten Wurzelbehandlung nicht mehr. Das soll jetzt allerdings nicht davon abhalten mich weiterhin lautstark zu bemitleiden und gleichermaßen ehrfürchtig vor meiner Tapferkeit zu sein. Der Eckzahn scheint, als hätte er das Wesentliche überstanden. Der nächste Termin ist allerdings erst noch. Wir werden also sehen, was sich bis dahin so ergibt. Mein Knie macht derzeit auch gut mit. Die Bewegungen, die ich von ihm möchte, werden ausgeführt. Weitesgehend sogar ohne Motzen. Nur mein Kopf leidet, manchmal mehr, manchmal weniger. 

Ich muß mal wieder an die Luft. Mir ist einfach danach. Wer hätte das gedacht? Also überlege ich, dass ich es einfach versuche. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also wird's gemacht. Ich ziehe mir eine Sporthose an, suche ein langärmeliges Unterhemd und einen Sport BH und begebe mich dann auf die Suche nach einer Jacke. Es sieht zugig aus, draußen. Um den Hals kommt ein Buff. Meinen neuen Fahrradhelm stelle ich am Spiegel passend ein und muß wieder an die junge Frau aus dem Decathlon denken. Bis mein Helm so sitzt, dass ich mich sicher fühle, dauert es ein paar Minuten. Aber besser ein paar Minuten länger gebraucht, als bei so etwas wichtigem rumgeschludert.


Ich fahre mit Turnschuhen. Klickpedale sagen meinem Kopf nicht wirklich zu derzeit. Wahrscheinlich würde das natürlich auch prima gehen, aber irgendwie hat der Kopf Bedenken. Egal, ich diskutiere nicht gern und schon gar nicht mit mir selbst. Das Rädchen und ich haben Gegenwind. Mein Knie fährt und schmerzt nur beim antreten. Außerdem macht mir jeder Bordstein unbewusst Angst und ich bremse stark ab. Ich glaube, mein Unfall hatte etwas mit einem Absatz oder Bordstein zu tun. Warum sonst würde mein Gehirn da ein vermeintliches Problem draus machen? Ich gehe mal wieder zur Unfallstelle und vielleicht erinnere ich mich ja doch. Dann hätte ich vielleicht auch die fehlende Stunde zurück.

Die Bordsteine werden mir erst am Ende bewußt. Der Gegenwind gleich von Beginn an. Einmal bremse ich so stark runter, dass mein Knie das Antreten nicht schafft. Also steige ich ab, schalte und drehe die Kurbel per Hand. Ja. Ich weiß mir zu helfen.

Die vorgenommene Strecke ist 10km lang. Nach 5km mache ich eine Meldepause, steige ab, gebe dem Zeugwart und der Teamchefin Bescheid, dass alles gut läuft und prüfe den Kniezustand. Das Knie ist nicht ganz so erfreut, weil ich eher in einem zu schweren Gang fahre, als zu leicht, also verspreche ich, dass ich auf der Heimfahrt darauf achte. 



Mein Puls ist ziemlich hoch, wenn ich das Rad berühre. Alles der Kopf, denn wirklich angestrengt fühle ich mich nicht. Ich bin auch nicht sonderlich außer Atem. Aber als ich zu Hause ankomme, merke ich, wie die Anspannung abfällt. Ich bin vollkommen fertig und nass geschwitzt. Jetzt brauche ich erst mal eine Pause und schlafe sofort auf der Couch ein. Fit ist was anderes. 

Ich bin aber froh, dass der Kopf zwar ganz offenbar neben den anderen Baustellen auch ein kleines Radthema hat, dass ich aber trotzdem fahren kann. Alles weitere ist Übungssache. Langsam und eines nach dem anderen. 


Kommentare:

  1. Es geht also aufwärts und weiter mit deiner Karriere. Und der nächste Schritt ist damit wohl getan. Aber schön gemach, es muss nicht alles schon morgen erledigt sein

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    1. Lieber Markus... das stimmt. Danke.
      Grüße, Claudi

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  2. Vorab erstmal: Ein bemitleidenswertes Ohhhhhhh und ein "Du bist trotzdem so tapfer"

    Letzteres stimmt, Du läßt Dich nicht unterkriegen und die Erfolge daraus werden immer deutlicher. Weiter so.

    LG Volker

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    1. Lieber Volker,
      danke, ich fühle mich gleicht besonders tapfer. Sehr nett von Dir.
      Viele Grüße, Claudi

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  3. Back on track. Sehr gut.

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  4. Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Mutprobe. Stück für Stück wird die alte Sicherheit zurückkommen, ganz bestimmt. Du hast das bis hierher so gut gemacht. Ich fühle mit Dir, so wie viele andere auch.

    Liebe Grüße
    Rainer

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    1. Lieber Rainer, vielen Dank für Deine Anteilnahme.
      Viele Grüße, Claudi

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